Volksentscheid zum Rauchverbot: Sind Sie dafür oder dafür?
Um was geht es am 4. Juli 2010 beim Volksentscheid in Bayern? Der Merkur-Online dazu am 22.06.2010. Bislang gilt:
- Rauchen ist in Gaststätten mit mehreren Räumen verboten – die Wirte dürfen aber einen abgeschlossenen Nebenraum als Raucherbereich ausweisen. Gleiches gilt für Diskos und Tanzlokale.
- Bei Ein-Raum-Gaststätten mit höchstens 75 Quadratmetern gilt: Werden hauptsächlich Getränke ausgeschänkt, kann der Wirt das Rauchen erlauben, muss das aber gut kennzeichnen. Kinder und Jugendliche müssen dann draußen bleiben. […]
- In Bier- und Festzelten ist das Rauchen erlaubt.
- In Kinos, Museen, Bibliotheken, in Vereinsheimen und anderen öffentlich zugänglichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen ist das Rauchen verboten. Es darf aber abgetrennte Raucherzimmer geben.
Wer damit einverstanden ist, kreuzt am 4. Juli „Nein“ an.
Die Verschärfung fordert folgendes:
- In Gaststätten ist das Rauchen ausnahmslos verboten, auch in Clubs und geschlossenen Gesellschaften, auch in Diskos und Tanzlokalen.
- In Bier- und Festzelten ist das Rauchen verboten.
- In Kinos, Museen, Bibliotheken, in Vereinsheimen und anderen öffentlich zugänglichen Kultur- und Freizeiteinrichtungen ist das Rauchen verboten. Raucherzimmer sind nicht erlaubt.
Wer diese Verschärfung will, kreuzt am 4. Juli „Ja“ an.
Und was tun die Raucher? Sie haben schon lange keine Wahl mehr, selbst wenn sie zur Wahl gehen. Die Volksvertreter haben sich bereits seit 2008 liebevoll um deren Gesundheit gekümmert und sie in ihre Schranken verwiesen, selbstverständlich nur aus purer Nächstenliebe.
Der besondere Witz an der Sache ist, dass dieses „Nichtraucherschutzgesetz“ bei seiner Einführung am 1. Januar 2008 bereits die durch den Volksentscheid geforderte Verschärfung enthielt, lediglich das Gaststätten-Komplettrauchverbot ist neu.
Nachdem die CSU in Folge ihrer großen Stimmverluste von gut 17 Prozent bei der Landtagswahl am 28.09.2008 einen Legitimationsschock erlitten hatte, wollte sich die Bayerische Staatsregierung wohl mit dem Souverän wieder aussöhnen und lockerte das rigorose Rauchverbot etwas. Um nun doch wieder zur ursprünglichen, sogar noch etwas verschärften Regelung zurückzukehren, folgt jetzt der Pseudo-Volksentscheid.
An dieser Abstimmung erkennen wir das typische Vorgehen: Bereits erreichte Entmündigungen der Bürger werden nicht mehr neu zur Disposition gestellt. Der Wähler hat lediglich die Wahl, freiwillig erneut der aktuellen Unterdrückung zuzustimmen oder aber sich für eine Verschärfung auszusprechen. Alles ganz freiwillig und demokratisch.
Würde man dagegen tatsächlich eine dritte Variante anbieten, bestünde die Gefahr, dass sich die Bevölkerung ihre entzogenen Rechte zurückerobert. Zwar herrscht aktuell sicherlich noch die dominantere Rolle der Gutmenschen vor, aber wer weiß, was der Regierung blühen würde, wenn unter wieder verschärfter Krisenstimmung solche Abstimmungen wie in der Schweiz zum Minarettverbot möglich wären. Dieses Risiko will die Regierung garantiert nicht eingehen.
Wie volksfern und realitätsfremd die Politik heute agiert, zeigt nicht nur der Zickzackkurs in Bayern, sondern auch die Selbstverwirklichungs-Allüren zur politischen Denkmalsetzung im saarländischen Landtag. Dort hat die sogenannte Jamaika-Regierung aus CDU, FDP und Grünen nun einen Denkzettel von höcherer Ebene, vom saarländischen Verfassungsgerichtshof erhalten.
Während der Koalitionsverhandlungen im Oktober 2009 hatten sich die Grünen nur unter der Voraussetzung zu einer Zusammenarbeit bereit gezeigt, dass unter anderem „ein ausnahmsloses Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen, Gaststätten, Vereinsheimen, Diskotheken und Spielcasinos“ eingeführt würde.
Hieran sehen wir, mit welcher Machtgeilheit wir es bei unseren „Volksvertretern“ in großen Teilen zu tun haben. Um jeden Preis wollen diese in die ersehnte Regierungsposition gelangen, sodass dabei auch mal eben eine 180-Grad-Kehrtwende und das breite Brechen von Versprechen vollzogen werden. Die Welt berichtete am 23.06.2010 von diesem Fall:
CDU und vor allem die Liberalen, die den Saarländern kurz zuvor im Wahlkampf genau das Gegenteil versprochen hatten, waren zwar wenig begeistert, gaben aber nach. […] Gastwirten, die im Vertrauen auf das seit 2007 geltende bisherige Nichtrauchergesetz ihre Kneipe umgebaut und Raucherbereiche geschaffen hatten, wurde eine Schonfrist bis 1. Dezember 2011 eingeräumt.
Na wenn das lediglich der Preis ist, von „wenig Begeisterung“ zu sprechen, um offiziell seine Wahlversprechen brechen zu können, dann ist das ein Schnäppchen für die Verantwortlichen. Wir haben es hier mit arglistiger und bewusster Täuschung, ja eigentlich sogar mit Betrug seitens der Parteien und der Regierung zu tun. Den Wählern wurde exakt das Gegenteil versprochen und einige Wähler gaben sicherlich nur unter genau diesen Voraussetzungen ihre Stimme entsprechend der jeweiligen Partei.
Und die Konsequenzen? Der Verfassungsgerichtshof hat dieser verlogenen Bande zwar die rote Karte gezeigt, aber was passiert effektiv? Die Richter wollen sich bis 2011 Zeit nehmen und bis dahin zu einer Entscheidung gelangen. Ob dann die Gastwirte ihre bisherigen Investitionen womöglich abschreiben können, ist noch gänzlich offen. Willkür eben.
Übrigens, es geht nicht um das Rechtfertigen von Rauchern oder dem Befürworten des Rauchens an sich, sondern um das völlig willkürliche Vorgehen der politisch Verantwortlichen, welches sich nicht im Geringsten an den wahren Bedürfnissen der Bürger orientiert. Es gibt beliebig viele weitere Themenbereiche, in denen es nicht anders läuft.
Die Welt berichtete in ihrem Artikel auch über den Volksentscheid in Bayern am 04.07.2010 und spricht davon, dass sich dort „umgekehrte Vorzeichen“ wie an der Saar andeuten. Die Anti-Raucher-Propaganda scheint offenbar sehr erfolgreich zu sein.
Doch die Begründung der selbsternannten Anti-Raucher-Polizei mutet so lächerlich an, wie es die gesamte Vorgehensweise demonstriert. Die Welt:
Das Bündnis für den Nichtraucherschutz wirbt mit dem Motto „Kinder würden rauchfreie Festzelte wählen“ für ein Rauchverbot in Bierzelten. In Bayern würden jährlich rund 20.000 Festzelte aufgestellt, so das Bündnis. Die Rauchgegner argumentieren, Kinder und Jugendliche bekämen in Festzelten falsche Verhaltensweisen vorgelebt. „Sie lernen in den Festzelten, dass das Rauchen dazugehört zum Leberkäs und zum Bier.“
Was Kinder überhaupt in Festzelten zu suchen haben, das sollten wir uns fragen. Interessanterweise scheinen diese heuchlerischen Anti-Raucher mit dem Massenkonsum von Alkohol – und das auch noch vor Kindern – überhaupt keine Probleme zu haben. Typisch verlogene Doppelmoral eben.
Bleibt zum Schluss noch die Frage, wo die bayerischen Leser denn nun am 4. Juli ihr Kreuzchen machen sollen? Diese Frage kann nicht ernstgemeint sein, da es sich bei diesem Volksentscheid nicht wirklich um eine Wahl, sondern lediglich um eine Legitimation für das weitere willkürliche Vorgehen der Regierung handelt. Machen Sie am besten ein großes Kreuz über den ganzen Wahlzettel.

@Jochen ein Gesetz was gute Belüftung vorschreibt nützt Rauchern wie Nichtrauchern. Und klar für manche müsste es überhaupt keine Gesetze geben, das das nicht funktioniert ist aber wohl auch klar.
Wieso muss etwas einen Sinn ergeben um es für Dich begreiflich zu machen?
Welchen Sinn hat es ein Glas Rotwein zu trinken?
Ein Buch zu lesen?
Ein Kommentar zu schreiben?
Zu heiraten?
Zu beten?
Manche Menschen sehen darin einen Sinn andere nicht, na und?
lg
@neo(20):
DANKE !!!
Und das meine ich ernst.
Sorry, aber bei Kommentaren wie denen von Jochen, geht bei mir das Temperament durch.
Und um deinen Kommentar zu verallgemeinern, erlaube ich mir die Bemerkung:
„Sinn macht das, was einem Freude macht bzw. eine Befriedigung gibt.“
Und geschädigt wurde durch Passivrauch noch niemand, höchstens belästigt.
Und dieser Belästigung kann heute (auch schon früher) problemlos aus dem Weg gegangen werden.
Raucher/Nichtraucher-Abteile in der Bahn, Raucher/Nichtraucher-Räume in der Gastronomie gab’s schon früher und es hat problemlos funktioniert.
Nur einige Antiraucher meinen das Recht für sich gepachtet zu haben, ständig und überall eine rauch(er)freie Atmosphäre vorzufinden.
18Magnum
„Doch, seit Kommentar Nr. 12 schon !!!“
Du hast Schubladendenken! Ist Dir das noch nie aufgefallen?
„Und wieso würdest Du dann 3 x Ja ankreuzen ???“
Glaubt Du wirklich, ich würde tatsächlich an so einer dummen Abstimmung teilnehmen? Du schätzt mich vollkommen falsch ein.
“Wessen Logik, deine? Und wer sagt, dass dies die allgemeingültige Logik ist? Du?“
An der Logik der Wahrheit gibt’s nichts zu rütteln.
„Ich hoffe der Hass gegen Andersdenkende/Andershandelnde frisst dich nicht auf. Aber dass dir dein Hass im Halse stecken bleibt, würde ich dir von ganzem Herzen wünschen.“
Die Art wie ich meinem Nächsten bekannt gebe, wie sehr ich ihn liebe, ist etwas unorthodox, ich weiß.
„Ach und übrigens:
Du bist so ziemlich der Letzte gegenüber dem ich mich für mein Handeln rechtfertigen muss.
So und jetzt geh wieder spielen, am besten bei Pro-Hirnfrei …
Dort ist die Spielwiese für solche Lümmel wie dich …“
Mir macht es auch sehr viel Freude, mich hier mal mit einem…
…normalen und aufgeweckten Menschen zu unterhalten.
Deshalb finde ich es sehr schade, warum Du mir nicht erklären kannst oder willst, warum Du überhaupt rauchst.
„Nur einige Antiraucher meinen das Recht für sich gepachtet zu haben, ständig und überall eine rauch(er)freie Atmosphäre vorzufinden.“
Ja, eine SAUBERE Atmosphäre, das wäre wirklich etwas tolles.
20 neo
„Wieso muss etwas einen Sinn ergeben um es für Dich begreiflich zu machen?
Welchen Sinn hat es ein Glas Rotwein zu trinken?
Ein Buch zu lesen?
Ein Kommentar zu schreiben?
Zu heiraten?
Zu beten?“
@neo
Wenn Du einmal genau darüber nachdenkst, dann ergeben alle Dinge die Du aufgezählt hast einen Sinn.
Zu rauchen ergibt jedoch NULL Sinn!
@Jochen(23):
Doch, natürlich kann ich dir erklären warum ich rauche:
„Weil’s mir schmeckt.“ So einfach ist das.
Vielleicht glaubst du mir das nicht, weil du es dir nicht vorstellen kannst.
Vielleicht denkst du ich verwechsle „schmeckt mir“ mit Sucht?
Das mag ein Stück weit vielleicht sogar stimmen, aber solange ich mehrstündige, rauchfreie Bahnfarten, Konferenzen, etc. problemlos und ohne zu zittern durchstehe, kanns mit der Sucht noch nicht so schlimm sein ;-)
Jetzt denkst Du vielleicht: „Wieso hört er denn nicht auf, wenn er nicht süchtig ist?“
Dann sage ich: „Wieso sollte ich, solange es mir schmeckt?“
Und übrigens …
… alles kann zur Sucht werden, auch andere von seinen Ansichten zu überzeugen. Damit meine ich nicht speziell dich. Das gilt für sehr, sehr viele Menschen.
@Jochen(24):
Warum tust du so, als wäre eine SAUBERE Atmosphäre ein Wunschdenken ???
Gehen dir die bestehenden Gesetze noch nicht weit genug ???
26Magnum
„@Jochen(23):
Doch, natürlich kann ich dir erklären warum ich rauche:
“Weil’s mir schmeckt.” So einfach ist das.“
@Magnum
Verzeihung für die späte Antwort, aber ich war beschäftigt.
Mit dem Schmecken. Aber das sagen doch alle die rauchen. Ich dachte, jetzt käme von Dir mal etwas ganz besonderes zur Erklärung. Ich bin etwas enttäuscht.
Ich weiß nicht wie alt Du jetzt bist, aber hast Du mal die Lunge eines langjährigen Rauchers gesehen?
Eine Tante von mir schmeckte es auch immer, so wie Dir. Dann bekam sie Lungenkrebs und dann hörte sie von einem auf den anderen Tag auf zu rauchen. Es schmeckte ihr wohl nicht mehr. Hat aber nichts genutzt. Sie starb jämmerlich.
„alles kann zur Sucht werden, auch andere von seinen Ansichten zu überzeugen. Damit meine ich nicht speziell dich.“
Danke, nett von Dir!
„Gehen dir die bestehenden Gesetze noch nicht weit genug ???“
Was haben die Atmosphäre und die Gesetze miteinander zu tun? Im Grunde doch nichts, oder?
Zitat: Machen Sie am besten ein großes Kreuz über den ganzen Wahlzettel.
LOL, der war gut, dennoch wird es für viele wieder ums Rauchen gehen nicht darum mit welch manipulativen Mitteln uns die Politik zwangserziehen will.
Ich poste ebenso viel im Mainstream wie in den Alternativmedien und manchmal ist es zum Verzweifeln wie gute Denkanstösse, die eine Debatte oder Diskussion in die richtige Richtung lenken (:“Cui bono?“) von Gewohnheitsforisten und Schlausprechern mit Abschluss in Semantik zur rhetorischen Egoparade mißbraucht werden oder Hintergründiges schlichtweg ignoriert wird.
Egal wie klug der Kommentar : In 90% der Fälle spürt man, (kann man uneingeschüchtert u. bei klaren Kopf die Widersprüche ausmachen) dass nur eines damit nachhaltig zum Ausdruck gebracht werden soll: das Privileg des Egos immer Recht behalten zu wollen.
Und das gilt in der Regel gleichermaßen für die sog. Experten wie für den einfachen Laien.
Überwiegend der gute alte römische Ablenkungs-Circus im I-net
@Magnum
Was ich noch sagen wollte. Ich kenne Menschen, die zu meinen besten Freunden geworden sind und die Raucher sind.
Nur soviel zu meiner bzw. gegenseitiger Toleranz.
LG Jochen