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Gesundes Geschäft mit sinkenden Grenzwerten?

Während Politikern inzwischen fast niemand mehr über den Weg traut, genießen Ärzte und die Medizinbranche fast grenzenloses Vertrauen in weiten Teilen der Bevölkerung – ein Fehler.

Wo findet Medikamentenforschung eigentlich wirklich statt? Wenn Sie dabei an riesige, hochmoderne Labore mit weißkitteligen Wissenschaftlern denken, dann irren Sie sich vermutlich. Die erfolgreichsten Produkte sowie die zugehörigen Grenzwerte werden in den Vorstandsetagen oder im Produktmanagement der Pharmaunternehmen beschlossen, denn nur dort findet sich der Bezug zwischen Krankheit, Produkt, Phantasiegrenzwerten und dem jeweils geplanten Umsatz.

Stellen Sie sich bitte im Folgenden einmal vor, Sie sind Chef eines Unternehmens zur Herstellung von Gesundheitsprodukten – böse Zungen sagen auch neidvoll Pharmakonzern dazu. Ihr Angebot umfasst zahlreiche Produkte zur Symptombehandlung, denn heilen wollen Sie natürlich nicht, weil Sie damit Ihr Geschäft künstlich klein halten würden.

Weil die meisten Bürger und speziell Ihre Kunden – vermutlich auch etliche Vertreter der Ärzteschaft – in dem Glauben lebt, dass Sie und Ihr Unternehmen sich sozusagen selbstlos für die Gesundheit der Bevölkerung einsetzen und die Gewinnerzielung lediglich eine Nebensache des Hauptzwecks der scheinbaren Gesundung darstellt, können Sie relativ ungestört Ihr Unwesen treiben.

Oft schon haben Sie darüber nachgedacht, wie es Ihnen gelingen könnte, mit Ihrer Firma den Sprung zum großen Konzern zu schaffen. Weil viele Menschen jedoch nur selten oder nie zum Arzt gehen – höchstens, sie können nicht mehr anders – wächst die Zahl Ihrer Kunden fast nicht, außer durch die Einführung neuer Produkte.

Eine Lösung wäre, alle Menschen zwangsweise zu verpflichten, sich regelmäßig medizinisch komplett untersuchen zu lassen, um irgendwelche Symptomatiken in Bezug auf Ihre Produkte zu finden, was jedoch leider so nicht durchsetzbar ist. Doch dann kommt Ihnen eine geniale Idee: Wie wäre es, wenn die Menschen freiwillig zum Arzt gingen? Leichter gesagt als getan, denn warum sollten sie das tun, wenn sie gesund sind?

Nun, ganz einfach: Weil sie Angst haben. Angst vor einer Krankheit, die Sie sich ausgedacht haben und von welcher jeder Bürger betroffen sein könnte, ohne es direkt selbst feststellen zu können. Klarheit darüber kann nur ein Arztbesuch verschaffen und dieser Termin könnte auch gleich zum Aufbau einer jeweils langfristigen Kundenbindung für den Absatz Ihrer Produkte genutzt werden.

So, und jetzt seien Sie einfach einmal kreativ. Abhängig von Ihrem Produktangebot suchen Sie sich aus, in welchem Bereich die Krankheit angesiedelt sein soll. Natürlich erfinden Sie nicht wirklich eine neue Krankheit, sondern Sie bedienen sich einer systemischen Lücke in der Medizin, nämlich der fehlenden Ursachenforschung und -kenntnis.

Seltsamerweise akzeptieren die Menschen nicht nur, dass die gesamte Schulmedizin offiziell von so gut wie keiner Krankheit die Ursachen kennt – bis heute ist das der Fall – sondern die Mär vom jahrzehntelangen Forschen ohne nennenswerte Ergebnisse, bei gleichzeitigem Verbrennen von Milliarden von Steuermitteln für diese Art Forschung, wird ebenfalls sang- und klanglos hingenommen. Es heißt dann lapidar: Das ist halt einfach so, der menschliche Körper ist so komplex, da beißt sich die Forschung noch lange die Zähne daran aus.

Aus diesem Grund ist es ein Leichtes für Sie, einfach ein paar Studien erstellen zu lassen, welche den vermeintlichen Zusammenhang zwischen irgendwelchen Krankheitssymptomen und Krankheiten sowie den frei gewählten Auslösern dafür herstellen. Vielleicht gibt es sogar schon vorhandene Studien, welchen lediglich der finale „Beweis“ zwischen angeblicher Krankheitsursache und -wirkung fehlt. Diesen kann nun Ihre Mannschaft „nach jahrelanger Forschung“ glaubwürdig liefern.

Glaubwürdig heißt dabei, Sie setzen namhafte und gleichzeitig käufliche „Wissenschaftler“ für Ihre Studien und deren Veröffentlichung ein und Sie betreiben massiv Pressearbeit – auf deutsch Panikmache. Das Thema muss unbedingt in alle Medien. Und keine Bange wegen kritischer Fragen, denn wenn Sie sich etwas Mühe geben, wird das Ding zum Selbstläufer. Bei AIDS und HIV beispielsweise hat das auch hervorragend geklappt – schon über 25 Jahre lang will niemand wirklich wissen, ob es HIV überhaupt gibt, aber die „Infizierten“ schlucken brav die teuren und in der damaligen Anfangszeit sogar direkt tödlichen Medikamente.

Weil sich aufgrund Ihrer Medienkampagne nun unzählige besorgte Bürger auf den Weg zu den inzwischen perfekt auf die neuen „Erkenntnisse“ eingestellten Ärzte machen, blüht Ihr Geschäft. Schon bald steigt Ihr Umsatz auf das Zigfache, aber trotz allem, zum Weltkonzern will es einfach noch nicht reichen. Sie müssen wohl nochmals nachlegen.

Die Idee mit der Angstmache war zwar genial, aber noch nicht perfekt. Daher holen Sie nun zum zweiten Schlag aus. Ihr neuer Plan lautet: Einführung von Grenzwerten. Was nützt es, wenn die neu gewonnenen Patienten eine diffuse Angst vor der Krankheit haben, aber das Problem scheinbar durch Änderung von Lebens- und Essgewohnheiten in den Griff bekommen. Wäre es für eine langfristige Beziehung Arzt-Patient nicht besser, wenn der Doktor ganz konkret anhand von ein paar Messwerten den Druck auf seinen Kunden erhöhen könnte?

Eben. Angst ist schließlich ein Garant für gutes Geschäft. Daher stellen Ihre „Experten“ nun in neuen Studien fest, dass es feste Grenzwerte gibt, welche von den Patienten unbedingt eingehalten werden müssen, um nicht noch „kränker“ zu werden. Außerdem wird die Diagnose und die Handhabung für die Ärzte dadurch wesentlich vereinfacht.

Sie sind zwar ein genialer Unternehmer, aber auch nur ein Mensch. Wenn das Geschäft einmal läuft, kommt eben irgendwann die Gier, denn wer zwei Millionen Kunden hat, könnte doch auch vier oder acht Millionen bekommen, nicht wahr? Inzwischen haben Sie Übung im Ideenfinden und die Lösung lautet: Richtig, runter mit den Grenzwerten. Aber nicht einfach nur runter, sondern „DSG“, dauerhaft sinkende Grenzwerte.

Auf diese Weise generieren Sie stetig Jahr für Jahr neue und dauerhaft von Ihren Medikamenten abhängige Patienten. Die bereits bestehenden Patientenbindungen werden dadurch zusätzlich gefestigt, denn wer nun immer höher über den ständig fallenden Grenzwerten liegt, verliert langfristig jeglichen Mut, nochmals von selbst gesund zu werden und akzeptiert stillschweigend seine Diagnose. Dann nimmt er eben bis an sein Lebensende die Medikamente, es wird ja von der Kasse bezahlt. Dazu haben Sie ja anfangs die entsprechenden Kontakte genutzt.

Durch die raffinierte Verschachtelung und Intransparenz der „Gesundheits“-Kosten, welche zwar von der Krankenkasse übernommen, aber hintenherum über ununterbrochen steigende Krankenkassenbeiträge wieder direkt beim Patienten hereingeholt werden, können Sie sich auf Dauer ein immer größeres Stück vom ständig wachsenden Kuchen abschneiden.

Wichtig ist, dass Sie Ihre Studien regelmäßig erneuern und die ursprünglichen Erkenntnisse dabei untermauern, denn sonst könnte es passieren, dass unliebsame Kritiker hinter Ihren Plan kommen und das Geschäft zunichte machen.

Dass dies tatsächlich geschieht, sehen Sie beim Thema Cholesterin. Viele Jahre lang hielt sich die „wissenschaftliche Erkenntnis“, dass Cholesterin schlecht für die Gefäße sei und bis zum Herzinfarkt führen könne. Nachdem einige Ihrer raffinierten Wettbewerber jedoch in neuen Studien „herausfanden“, dass es „gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin gibt, konnten diese deutlich im Markt aufholen.

Noch gefährlicher sind ideologische Quertreiber aus den eigenen Reihen. Das zeigt z.B. der Fall des Chirurgen Prof. Dr. Walter Hartenbach, der es sogar wagte, ein Buch darüber zu veröffentlichen, dass es sich beim Thema Cholesterinsenkung um eine Lüge handele. Wer den Klappentext des Werkes liest, weiß, welche verheerende Wirkung auf den Medikamentenumsatz diese Ungehorsamkeit haben kann:

Die Cholesterinsenkung ist für Pharmafirmen, Ärzte und Margarineindustrie ein Milliardengeschäft, aber nach Erkenntnissen von Professor Hartenbach und einigen führenden Wissenschaftlern völlig unnötig, schädlich und in vielen Fällen sogar lebensgefährlich. Die durch das Cholesterin senkende Medikament Lipobay verursachten Todesfälle haben die Öffentlichkeit aufgeschreckt; wie groß die Irreführung der Bevölkerung in Bezug auf Cholesterin aber tatsächlich ist, ist wenigen bekannt.

[…] Das größte Anliegen des Autors: die Bevölkerung vom Psychoterror der Cholesterin-Gegner zu befreien und damit unnötige Ängste und zum Teil massive Gesundheitsschäden bis hin zu gehäuften Krebserkrankungen und Todesfällen zu verhindern.

Zwar hat so ein Einzelkämpfer zum Glück kaum die Macht, Ihr mühsam aufgebautes Geschäft über Nacht zu zerstören, dennoch finden solche Gesellen durchaus Gehör in den Medien und zwingen Sie zu Extraarbeit. Versuchen Sie daher unbedingt, solche Quertreiber als Scharlatan und Quacksalber zu verunglimpfen und unterstellen Sie ihnen am besten mehrere angebliche Todesopfer.

Das wirkt garantiert und verunsichert die etwaigen Anhänger. Falls nicht, ziehen Sie zusätzlich die Sympathisanten mit in den Schmutz, machen Sie Rechtsradikale und Verschwörungstheoretiker aus ihnen. Natürlich sollte auch das Standardprogramm in Richtung Ärztekammer und Co. nicht fehlen, damit diese Herrschaften ihre Tätigkeit bei weiterer Störerei verlieren. Ein sehr erfolgreiches Beispiel für derartige Methodik ist die Germanische Heilkunde. Sie können die dabei verwendeten und erfolgreich erprobten medialen Hetzkampagnen gerne für Ihre Zwecke kopieren.

Seien Sie grundsätzlich aufmerksam, denn diese plötzlichen Kehrtwenden sind offenbar in Mode gekommen. Neben dem Thema Cholesterin gibt es auch negative Meldungen über Selen in der Krebstherapie. Erstaunlich ist übrigens, wieso auf einmal eine Gegenstudie über Salz erscheint. Angeblich sei zuviel Salz nun doch nicht schädlich. Eine seltsame Aktion, denn hier sind so gut wie keine Umsatzmöglichkeiten vorhanden. Aber wer weiß, was die Wettbewerber hier wirklich gerade im Schilde führen, es gibt schließlich noch mehr geniale Köpfe in der Branche.

Achten Sie daher vorsichtshalber bei einer der größten Panikmache-Produktlinien – der Blutdrucksenkung – darauf, dass hier erst gar keine Unsicherheit in der Bevölkerung aufkommt. Wenn diese Millionen an Patienten herausfinden, dass es für eine zwingende Blutdrucksenkung überhaupt keine Indikation gibt, bricht uns ein gigantischer Umsatzbringer weg. Notfalls greifen Sie bitte zu den äußersten Maßnahmen und sorgen Sie dafür, dass die Pathologie nach dem Tode der geopferten Patienten unbedingt darauf hinweist, dass der Patient bei korrekter Einnahme Ihrer Medikamente noch leben könnte. Das wirkt todsicher.

In diesem Sinne: Bleiben Sie weiterhin aktiv, bringen Sie immer wieder neue Ideen ins Spiel – das mit der Schweinegrippe war ein wirklich geniales Beispiel – und halten Sie die Bevölkerung kontinuierlich in Angst. Dann lohnt es sich auch für Sie als Pharmaunternehmer.

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