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Gedächtnisprobleme? Beste Voraussetzung für die Zukunft

War da nicht vor wenigen Monaten noch eine klitzekleine Krise? Gab es nicht riesige Verluste, Pleitebanken und geprellte Anleger? Stand die Welt nicht sogar kurz vor diversen Abgründen?

Tja und selbst wenn, was interessieren uns die Probleme von gestern, wenn wir diese auch einfach vergessen und so weiterleben können, als wäre nichts gewesen. Vor uns steht immerwährender Aufschwung und die Vergangenheit ist längst Geschichte.

Nicht jeder kann diese egal-Einstellung aus seiner persönlichen Situation heraus nachvollziehen, denn viele haben etwas abbekommen von der vermeintlich beendeten Krise. Zwar traf es unser jetziges Aufschwung-Wunderland nicht so hart wie die USA, die aktuell immer tiefer in die Depression rutschen, aber unsere Fast-Nachbarn in Island, Griechenland und Irland können ein Lied davon singen und sie werden wohl noch weitere Mitglieder in ihrem Pleite-Chor bekommen.

Befremdlich ist es schon, wenn unsere Medien die Endsieg-Propaganda des Euro und der unschlagbaren Wirtschaftskraft der EU bzw. der BRD bejubeln, denn einerseits stützen sich die meisten Positiv-Prognosen auf die steigende Exportmacht unseres Landes, andererseits aber sterben die potenziellen Abnehmer unserer Exporte wie die Fliegen. Wie soll das also auf Dauer funktionieren?

Nun, das interessiert genausowenig wie diverse Pleiten vor gut zwei Jahren. Damals ging der Finanzriese Lehman Brothers insolvent und viele Anleger verloren ihre „Spieleinsätze“, auch Zertifikate genannt:

Infolge der Insolvenz der amerikanischen Muttergesellschaft wurden auch eine Anzahl von deutschen Anlegern betroffen, welche Zertifikate der niederländischen Tochtergesellschaft, der Lehman Brothers Treasury Co. B. V., erworben hatten. Neben der Anmeldung ihrer Forderungen zur Insolvenztabelle in den USA und den Niederlanden leiteten zahlreiche deutsche Anleger rechtliche Schritte gegen ihre Kreditinstitute wegen (möglicherweise) fehlerhafter Anlageberatung ein.

Dank der Volkskrankheit „Vergesslichkeit“ – die meisten vergessen diese Krankheit immer ganz schnell – wird aber längst schon wieder munter gezockt, wie der Spiegel am 29.12.2010 beschrieb:

Rund 108 Milliarden Euro hatten die Sparer in Deutschland Ende September 2010 in Zertifikaten angelegt, rund sieben Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Einer der wichtigsten Gründe für das erwachende Interesse: Klassische Anlageformen wie Tagesgeldkonten bringen kaum noch Zinsen. Zertifikate dagegen versprechen eine deutlich bessere Rendite – und scheinbar etwas mehr Sicherheit als Aktienspekulation an der Börse.

Den Anlegern selbst kann nicht einmal direkt die Schuld dafür gegeben werden, denn in den meisten Fällen wird dem arglosen Sparer diese Anlageklasse von einem Bank- oder Vermögensberater empfohlen. Allerdings ist die Abgabe der Eigenverantwortung natürlich schon dem Einzelnen zuzuschreiben. Wenn der nächste große Crash kommt – und dieser wird kommen – dann werden wieder die Berater schuld sein und die wilde Rechtfertigung auf allen Seiten wird erneut beginnen.

Es ist eine weitere Krankheit unserer heutigen Gesellschaft, gegen alles abgesichert sein zu wollen. Für den seltenen Fall einer Absicherungslücke bleibt dann immernoch, einen haftbaren Sündenbock zu suchen, sodass am Ende niemand für irgendetwas zur Verantwortung gezogen werden kann, weil ja niemand mehr irgendwelche Verantwortung trägt bzw. tragen will.

Doch das alles spielt im Moment keine Rolle, denn zunächst ist jetzt erst einmal weiterhin Zeit für ungehemmten Aufschwung, wie Boulevard Baden am 29.12.2010 einen „Experten“ der Wirtschaft zitierte:

Der Aufschwung werde anhalten, sagte der Präsident des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft […]. Der Mittelstand werde weiter investieren und einstellen. […] Die Zahl der Arbeitslosen zur Jahresmitte werde auf bis zu 2,5 Millionen sinken. In einigen Regionen werde es praktisch Vollbeschäftigung geben, sagte Ohoven.

Ist doch alles prima. Was kümmert uns die Vergangenheit und diese schon längst vergessene kleine Krise, unter der zwar noch fast die gesamte Welt leidet, die wir jedoch inzwischen erfolgreich verdrängt haben.

Wirklich seltsam ist, dass diese ganzen „Experten“ ihre eigenen Lügen zu glauben scheinen, denn wie ist es ansonsten zu erklären, dass erwachsene Menschen mit einem Gehirn im Schädel – zumindest müssen wir anatomisch betrachtet von dessen Vorhandensein prinzipiell ausgehen – solche widersinnigen Pläne schmieden, von denen finanzen.net am 21.12.2010 schrieb:

Europas größter Versicherer Allianz will im kommenden Jahr Staatsanleihen von Euro-Staaten kaufen. Das betreffe auch Staatsanleihen von hoch verschuldeten Staaten […]. „Wir sind heute schon stark in Staatsanleihen investiert.“ Wichtig sei doch die Botschaft an die Regierungen, dass sie stabile, langfristige Investoren hätten.

Machen Sie derartige Aussagen nachdenklich? Nicht wirklich, oder? Haben wir uns nicht schon seit langem an die Exponentialfunktion im Geldsystem gewöhnt? Warum sollten wir uns daher über eine solch exponentielle Verstärkung des Irrsinns bei den Mitspielern des Finanzsystems wundern?

Eigentlich kann aus der nüchternen Beobachtung der Lage jeder denkende Mensch nur eine Schlussfolgerung ziehen und das bald sinkende Boot schnellstmöglich verlassen. Wer noch immer in Lebensversicherungen, Riester- oder Rürup-Rente einzahlt und sein – wenn auch geringes – Sparvermögen einer Bank anvertraut, dem muss klar sein, dass er sich zum einen von dieser gespeicherten Arbeitsleistung gedanklich und in naher Zukunft auch real verabschieden muss und sich zum anderen hinterher bei niemandem beschweren kann, denn er ist einfach nur selbst schuld.

Immerhin, ein paar aufmerksame Menschen in Verantwortung scheint es zu geben. Der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands traut der Lage nämlich nicht, wie er im Kölner Stadt-Anzeiger am 30.12.2010 erläuterte:

Es sei im Übrigen sicher, dass man 2011 „nicht einfach zur Normalität zurückkehren“ könne, denn die „alte Normalität“ werde es nicht mehr geben, so Tressin. Die Probleme, die zur Krise führten, seien noch längst nicht behoben. […] Zudem hält der Arbeitgeberfunktionär „die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von hohen Konsumausgaben“ für problematisch.

Er klingt nicht ganz so realitätsfremd wie seine Kollegen vom BVMW, allerdings merkte Herr Tressin am Ende noch an, dass der „Aufschwung an unheilbarem Fachkräftemangel zugrunde gehen“ könnte – na klar, und die Erde ist eine Scheibe. Von daher, diese Leute leben alle in einer Art Parallelwelt ohne Bodenhaftung, lediglich die Intensität ihrer Blindheit variiert.

Ursächlich liegt das Problem vermutlich weniger an der generellen großen Vergesslichkeit der Menschen und ihrer Leithammel, sondern an allgemeinem Unwissen über den Fehler im Geld- und Finanzsystem. Wie bei allen großen Lügen der Welt würde der systemkonforme Gutmensch schließlich niemals auch nur auf die Idee kommen, dass er nicht die Wahrheit kennt und deren Erkenntnis eine der bittersten Erfahrungen seines Lebens werden könnte.

Einen Generalschlüssel zum Verständnis und zum Aufwachen gibt es nicht. Wer auf welche Weise ins Grübeln und zum Selbstdenken gebracht werden kann, ist individuell anders. Es ist daher nicht sinnvoll, jeden unserer Mitmenschen pauschal mit einem bestimmten Thema aufwecken zu wollen. Aber jeder von uns kennt bestimmte Menschen eben besonders gut und kann sich aus dem „Bauchladen“ der Lügen diejenige aussuchen, bei der das entsprechende Schlafschaf plötzlich beginnt, sein Hirn zu benutzen.

Definitiv gehört das Aufklären über das Geldsystem mit zu den erfolgversprechensten Methoden, aber nur wenn der Empfänger auf derselben Frequenz funkt. Versuchen Sie’s einfach, auf welche Weise Sie es sinnvoll halten: ironisch, ernst, platt, tiefgehend oder auch nur beiläufig. Seien Sie auch nicht enttäuscht, wenn ein Schaf lieber weiterschlafen will und verschwenden Sie keine Zeit damit, sondern suchen Sie sich ein anderes. Es gibt nämlich noch immer genug davon.

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11 Kommentare zu “Gedächtnisprobleme? Beste Voraussetzung für die Zukunft

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