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Wahlkampf oder Torschlusspanik? Warum Multikulti gerade stirbt

Ohne echte Not windet sich die Politik in der aktuellen Migrationsdebatte und schwenkt ihre Fähnchen hin und her.

Planloses und dennoch durchschaubares Verhalten scheint die parteilichen Diskussionen zu bestimmen, während die dahinterstehenden Absichten sich garantiert nicht geändert haben.

Geht es um die Gunst der Wähler? Oder ist es lediglich die Angst ums politische Überleben?

Am 16.10.2010 zitierte der Spiegel die Kanzlerin mit ihren deutlichen Worten:

„Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“, sagte Kanzlerin Angela Merkel auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Potsdam. Man müsse Migranten nicht nur fördern, sondern auch fordern.

Die rote Fahne unserer Madame de Nation muss ab und zu im Wind neu ausgerichtet werden, damit sie sich nicht um den Fahnenmast wickelt und jemand anderes seine Fahne stattdessen hisst. Wobei es im Grunde für unser Land egal ist, weil die Parteifahnen aller „Volksparteien“ denselben dunkelroten Farbton mit unterschiedlichen Nuancen besitzen:

Vor wenigen Tagen zunächst nach vorn geprescht, dann wieder zurückgerudert, kam Horst Seehofer Angela Merkel mit seiner „Häng die Fahne in den Wind, Matrose“-Aktion bereits zuvor. Nun legte er nach und stellte seinen „7-Punkte-Plan zur Integration“ vor – Bild dazu am 16.10.2010:

Grundsätzlich forderte der CSU-Chef ein klares Ziel der Integration: „Integration heißt nicht nebeneinander, sondern miteinander leben auf dem gemeinsamen Fundament der Werteordnung unseres Grundgesetzes und unserer deutschen Leitkultur, die von den christlich-jüdischen Wurzeln und von Christentum, Humanismus und Aufklärung geprägt ist.“

Ein typisch inhaltsloses, unverfängliches und populistisches Politikergequatsche. Seehofer hat offenbar keine Lust mehr, sich in der aktuellen Debatte nochmals die Finger zu verbrennen. Aber wer mit dem Feuer spielt, der muss eben auch mit Brandblasen rechnen – im schlimmsten Fall mit dem Abfackeln seiner gesamten Hütte.

Der Zentralrat der Juden, der in diesbezüglichen Zusammenhängen grundsätzlich eine Meinung hat und diese auch stets kundtut, sagte am 16.10.2010 in der tagesschau:

Die Hemmschwelle, mit fremdenfeindlichen und zudem sachlich falschen Aussagen auf Stimmenfang zu gehen, sei selbst unter Politikern demokratischer Parteien deutlich gesunken, sagte Generalsekretär Stephan Kramer der „Rheinpfalz am Sonntag“: „Das ist nicht nur schäbig, sondern geradezu verantwortungslos.“ Ihm bereite das „Unbehagen und Angst“, so Kramer weiter. Die Debatte sei „unverhältnismäßig, scheinheilig und hysterisch“. Seehofer wolle mit seinen populistischen Äußerungen offenbar Wählerstimmen gewinnen.

Tja, da hat Herr Kramer wohl den Nagel auf den Kopf getroffen, wenn wir uns den aktuellen „DeutschlandTrend“ von Infratest dimap betrachten. Die CDU hat seit April 2010 rund 5% verloren, die Wassermelonen – gemeint sind die Grünen mit dunkelrotem Kern – dagegen 7% zugewonnen. Die FDP hat seit der Wahl vor gut einem Jahr sogar um die 10% abgespeckt, aber in dieser Partei tut sich in keinerlei Hinsicht irgendetwas, obwohl das Nichtstun doch eigentlich das Markenzeichen der Kanzlerin ist.

Während die Rückwärts- und Seitwärtsruderer der Parteien der BRD in Hoffnung auf die Wiedererlangung der Gunst der Wähler wild und planlos mit allen Paddeln in meist politisch korrekter Verpackung um sich schlagen, kommt auch aus anderer Richtung eine Meldung in geduckter Haltung. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül beschwichtigt. Warum? Aus welchem Grund? Wovor hat er Angst? Der Focus am 16.10.2010:

Türkische Migranten in Deutschland sollten Deutsch lernen, „und zwar fließend und ohne Akzent“ sagte Gül der „Süddeutschen Zeitung“ vom Samstag. Den Fußballer Mesut Özil, der türkische Eltern hat und in der deutschen Nationalmannschaft spielt, nannte Gül, „ein sehr gelungenes Beispiel für Integration“.

Gül lobte auch „Bundesgrüßaugust“ Wulffs Islamophilie, aber er äußerte ebenfalls Angst vor einer „wachsenden antiislamischen Stimmung“ in der BRD. Die heimliche Unterwanderung des Westens durch den Islam steht offenbar vor dem Aus, das dürfte vermutlich der wahre Hintergrund für Güls eigenartige Äußerungen im Vergleich zu denen seines Kollegen Erdogan gewesen sein.

Wie ein lächerliches Alibi wirkt dabei die Begleitmeldung zu Merkels Kapitulation bezüglich Multikulti. Gemeint ist das Thema Zwangsehen. Die Presse schrieb dazu am 16.10.2010:

Zwangsehen sollen demnach mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

[…]

Über das Ausmaß von Zwangsverheiratungen existieren in Deutschland keine repräsentativen Erhebungen. Die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes verweist jedoch auf Studien in einzelnen Ländern. Demnach werden in Berlin jährlich etwa 370 Frauen zur Hochzeit gezwungen, in Hamburg und Baden-Württemberg jeweils etwa 200.

Eine wirklich höchst dringliche Angelegenheit für unsere Gutmenschen, denn die 4.000 Verkehrstoten oder die 120.000 Abtreibungen pro Jahr fallen gegenüber den muslimischen Zwangsehen nun wirklich nicht ins Gewicht, oder?

Um es klar zu sagen: Niemand sollte zwangsweise verehelicht werden, das ist ein Unding, aber diese kulturelle bzw. religiöse „Besonderheit der Religion des Friedens“ ist das Problem der Anhänger dieser Religion und nicht das Problem einer inzwischen verratenen und verkauften christlich abendländischen Gesellschaft.

Dennoch ist der Gedanke von CDU und FDP raffiniert und höchst fragwürdig zugleich, denn mit der Thematisierung der Zwangsehen wollen sie einerseits ihren Wählern gegenüber Aktionismus in Bezug auf Straftaten durch Ausländer demonstrieren, während sie damit gleichzeitig Punkte bei den Opfern unter den Ausländern selbst sammeln wollen. Diese Rechnung dürfte allerdings nicht aufgehen, das Vorhaben ist viel zu plump und feige, wie eben so üblich in der Parteipolitik.

Doch all diese Äußerungen und Auftritte seitens der Politik sind sehr seltsam. Der einzige Schauplatz dieser Anti-Multikulti-Kampagne sind nämlich die Medien. An den Stammtischen wurde die stetige und hohe Zuwanderung von Ausländern schon seit jeher hitzig kritisiert, während in pseudo-elitären und akademisch-gutmenschlichen Kreisen in politisch korrekter Weise – ebenfalls seit jeher – das daraus resultierende Problem während dem Essen beim Nobelitaliener kleingeredet wurde.

Warum zeigen diese Politfiguren auf einmal alle solch eine panische Angst? Wissen sie etwa mehr, kommt da noch etwas auf uns zu, ein großer Knall? Oder sind es wirklich nur bereits die Vorwehen des Wahlkampfs für die Wahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im März 2011? Oder ist es die nackte Panik vor der Volkswut? Von dieser Wut ist allerdings noch nichts zu sehen.

Irgendwer hat diese undurchschaubare und offensichtlich inszenierte Anti-Multikulti-Kampagne sicherlich nicht ohne Grund gestartet und treibt diese unvermindert voran. Thilo Sarrazin ist längst zum Nebendarsteller geworden.

Ob es nun Trittbrettfahrerei oder ein gewollter Volksaufstand ist, lassen Sie sich nicht instrumentalisieren. Gehen Sie den unbeeinflussten Weg, ohne sich von den Medien manipulieren zu lassen, verwenden Sie Ihren gesunden Menschenverstand anstatt politisch korrektem Verhalten und lesen Sie zwischen den Zeilen unserer linken Journaille.

17 Kommentare zu “Wahlkampf oder Torschlusspanik? Warum Multikulti gerade stirbt

  1. @Warum Multikulti gerade stirbt

    Stirbt Multikulti ? Oder geht es nur seiner Verwendung zu?

    Multikulti ist ein Element der macht in der Strategie „Teile und herrsche“.

    Es dient dazu, in der Gesellschaft weitere Gruppen zu erzeugen, die man zu passender Gelegenheit gegeneinander hetzen kann!

    Wenn die „Elite“ es jetzt für zweckdienlich hält, etwas mehr Streit zu organisieren, wird es doch passend.
    Man sollte eher überlegen, warum die Hochfinanz jetzt in Europa einen mehr oder weniger großen Bürgerkrieg für sinnvoll hält – denn da geht es hin.
    mfg zdago

  2. Ich muss zdago recht geben: Die wirklich interessante Frage ist, warum uns die Finanzelite auf Teufel komm raus in einen Bürgerkrieg treiben will. Denn anders kann ich das momentane Chaos der bundesrepublikanischen Geschäftsleitung nicht erklären.

    Grüsse aus dem Südharz

  3. @ 1zdago
    du sprichst mir aus dem Herzen das denke ich auch es wird zu ethnischen säubeungen kommen (wie damals in Jugoslavien)moslems werden christen jagen ,christen werden moslems jagen und die elite lacht sich eins in fäustchen und verg.kleine kin…er(aus gründen der gesetzlichen zensurwächter gekürzt)!!

  4. Multikulti?

    Hier in Kambodscha bin ich der Ausländer.
    Es ist doch selbstverständlich, das ich als Ausländer froh sein kann zu leben und das dies nur geht, wenn mein Aufenthalt Vorteile für die einheimische Bevölkerung hat.

    Das ist überall auf der Welt so.

    Überall in Deutschland gibt es chinesische Restaurants. Viele Chinesen leben in Deutschland.

    Gab es Probleme mit Chinesen in Deutschland?
    NEIN! Fragt einen Kriminalbeamten WER Probleme in Deutschland macht.

    Eines kann ich mit Sicherheit sagen.
    Wenn die Türken in Deutschland in Japan, Thailand oder Korea wären und sich dort so verhalten würden wie in Deutschland
    die würde man entweder liquidieren oder sofort aus dem Land werfen.

    Wer gegen die Interessen eines Landes handelt als Ausländer fliegt raus überall auf der Welt.

    Das hat nichts mit Rechter oder Linker zu tun.

    Ich glaube das Ausländer in Deutschland willkommen sind wenn sie den Interessen des Landes dienen. Wer sich aber asozial verhält fliegt raus.

    OK?

  5. Ich persönlich halte die Debatte für völlig abgehoben, und realitätsfern.

    Überall wo ich (in Westdeutschland) türkische Nachbarn hatte, gab es Austausch und trotz Kopftuch und Islam und allen trennenden Eigenschaften,.. die Gemeinsamkeiten sind größer.

    Es sind im Allgemeinen nette Menschen, die sich gerne unterhalten, die Kinder lieben und wertschätzen, die sich für Arme engagieren, mit üblicherweise mindestens 1 Verdienen in der Familie, und sie identifiezen sich mit der Kultur in die sie hineingewachsen sind.

  6. Die Willkommenskultur kommt hoffentlich an ihr Ende. Wer sich nicht als Gast gut benimmt wird in aller Welt herausgeworfen, hoffentlich auch bald in Deutschland. Das Trauma von der bösen Vergangenheit kann doch nicht ewig fortdauern. Deshalb den Blick nach vorn, lieber eigene Kinder zeugen statt Millionen hereinlassen oder Millionen Abtreibungen zulassen. Familie sollte wieder in Mode kommen.

  7. Das einzige Beständige an der Merkel ist die Unbeständigkeit. Das Wendehälschen richtet sich immer nach dem Wind aus wie eine Ökowindmüle. Der Abnickpräsident ihrer Gnaden ist einfach nur peinlich! Wie konnte der Mann diesen dummen Spruc nur lassen“Der Islam gehört zu Deutschland“. Hat er auch nur eine Ahnung ansatzweise was im Koran steht?- Ich glaube nicht.
    Wegen des hin und her wg Multikulti. Jeder Ausländer, der wirklich um Integration bemüht ist, einen Job nachweisen kann,oder gar hier eine Firma gründen will ist herzlichs eingeladen und willkommen. Ich denke, die meisten hier sehen das auch so. Wir pfeifen aber auf Sozialschmarotzer, Radikale, Zuhälter, Religiöse Fanatiker und Kriminelle. Es ist unser Land, auch wenn es zz eine Firma, gegründet von einer korrupten, selbsternannten Elite ist. Ich verbitte mir von denen das Wort Populismus und rechtsradikal im Zusammenhang mit unserer berechtigten Forderung als ethnische Deutsche an erster Stelle zu stehen!

  8. Ist ja interessant: xxx Frauen werden zwangsverheiratet.
    Wie üblich wird so argumentiert und zwischen den Zeilen „böseböse Männer“ gerufen.
    Weil anzunehmen ist, dass Homosexualität nicht geduldet ist werden genausoviele Männer zwangsverheiratet.

    Es wäre schön, wenn wir die Debatte um Ausländer/Muslims nicht jetzt führen müssten: wir hätten sie schon lange sachlich führen müssen.
    Was mit MultiKulti, PC und Nazivorwürfen unterdrückt wurde kommt jetzt hervor.
    Merkel & Co scheinen gemerkt zu haben, dass sich mit dem Thema Zustimmung und Wähler gewinnen lassen.
    Ich rechne damit, dass die Politik bald ins alte Fahrwasser zurücksteuert und überrascht sein wird, wenn das Volk aufsteht.

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