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„Politisch korrekt“ fällt – brutaler Ersatz steht schon in den Startlöchern

Thilo Sarrazin scheint einen Stein ins Rollen gebracht zu haben. Die politisch korrekte Meinung bröckelt oder steht gar vor dem Zusammenbruch – Krise sei Dank.

Im Hintergrund jedoch braut sich tiefschwarz etwas zusammen, was von viel schlimmerer Machart herrührt. „Gutmenschlichkeit“ wird durch Gesetze ersetzt, die uns Dank EU-Vertrag in Windeseile überrollen könnten.

Seit Sarrazin trauen sich immer mehr Menschen – auch die Prominenz – bisher undenkbare Äußerungen von sich zu geben. Der Philosoph Peter Sloterdijk beispielsweise ergreift direkt Partei für Thilo Sarrazin. Er wird von RP Online am 19.10.2009 folgendermaßen widergegeben:

„Sobald einmal ein scharfes Wort aus einem anderen Narrenkäfig laut wird, bricht auf der Stelle eine abgekartete Gruppendynamik los“, kritisierte Sloterdijk weiter. Dabei gehe es zu, „als gelte es, einen Wettbewerb in Empörungsdarstellung zu gewinnen“. Auch Bundesbank-Chef Axel Weber habe sich „gegen die Epidemie des Opportunismus als nicht immun“ erwiesen.

Solche Worte wären vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen – in der öffentlichen Meinung und den Medien auf jeden Fall. Doch dieses große politisch korrekte Bollwerk hat breite Risse bekommen und ist an einigen Stellen bereits im Begriff, einzustürzen.

Auch Die Presse titelte mutig am 19.10.2009:

Die eigene Welt der Türken

„Integrationsunwillig“ – lautet der Vorwurf, mit dem sich die türkische Gemeinde konfrontiert sieht. Viele halten das für übertrieben. Doch manche Türken kritisieren selbst, dass eine Parallelgesellschaft entsteht.

Es geht allerdings noch krasser. Die Welt lehnte sich in unserem politisch höchst korrekten Land am 19.10.2009 weit aus dem Fenster:

Deutschland braucht keinen Moslem-Minister!

Die gemeinhin als „Integrationsprobleme“ bezeichneten Schwierigkeiten mit Migranten sind überwiegend im Zusammenhang mit Einwanderern aus moslemischen Ländern zu beobachten. Ein eigenes Ministerium würde die Probleme mit ihnen nicht lösen – und stattdessen ein weiteres, großes Problem schaffen.

Besonders aussagekräftig – sagen wir besser krass – ist das Umfrageergebnis im selben Artikel:

Wie zufrieden sind Sie mit der deutschen Integrationspolitik der letzten Jahre? Vergeben Sie Schulnoten.

1: 4%
2: 1%
3: 2%
4: 3%
5: 11%
6: 78%

17.685 abgegebene Stimmen (Stand 21.10.2009)

Da fällt einem nichts mehr ein. Das Volk spricht eine deutliche Sprache, traut sich aber aufgrund des politischen Drucks einfach nicht, das laut zu äußern. Man kann sich denken, welche Bombe hier platzen würde, wenn der öffentliche Druck diesbezüglich nachlassen wird.

Und er wird es wohl, denn der Gegendruck auf die Politik durch die massenhaft zunehmenden Arbeitslosen steigt momentan steil an. Da braut sich etwas zusammen.

Allerdings braucht niemand Sektkorken knallen zu lassen, weil nun das politisch korrekte Zwangsdenken zusammenbricht. Denn im Gegenteil, diese quasi „freiwillige Einschränkung“ wird derzeit durch gesetzliche Rahmenbedingungen ersetzt. Dann hat es sich schnell wieder ausgetobt mit politisch unkorrekten Äußerungen.

Die DVCK – Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur e.V. – versendet dieser Tage Briefe, in denen sie über einen „unbarmherzigen Angriff auf die Moral sowie die christlichen Werte und Prinzipien“ informieren.

Es geht um Homophobie. Das Europäische Parlament hat in einer Entschließung am 17.09.2009 Litauen verurteilt, „weil das dortige Parlament Minderjährige vor Propaganda für Homosexualität schützen will“.

Das mag auf den ersten Blick harmlos anmuten – und bei den meisten von uns kommt dabei automatisch der politisch korrekte Gutmensch durch, der es natürlich in Ordnung findet, dass Randgruppen nicht diskrimiert werden dürfen.

Doch was passiert hier? Durch solche Hetzkampagnen wird es in Zukunft immer schwieriger werden, „sich für christliche Positionen einzusetzen“. Jeder Gegner wird mit entsprechendem Druck zermalmt werden – EU-Verfassung sei Dank.

Lesen Sie sich das Schreiben von der DVCK mit dem Titel „Kinder in Gefahr“ und anhängendem Petitionsschreiben an das Europa-Parlament durch und machen Sie sich selbst ein Bild davon.

Ergänzend dazu erklärt Mathias v. Gersdorff von der DVCK, warum die Homophobie der Einstieg in eine Religionsverfolgung ist:

Betrachten Sie die auffälligen Parallelen zum Thema „Prächtige neue Schulen„. Was wir bisher als idiotisch amerikanische Ideologie abgetan haben, bricht mit kleiner Verzögerung, aber voller Macht, nun auch bei uns durch. Und das ist erst der Anfang. Lesen Sie dazu das Buch „Brave new Schools„, welches von Dagmar Schubert ins Deutsche übersetzt wurde.

Im Irak beginnt parallel eine Christenverfolgung katastrophalen Ausmaßes. Die Berner Zeitung berichtete darüber am 20.10.2009:

Experten behaupten, dass noch nie in der Geschichte so viele Christen verfolgt worden sind wie heute. Schätzungsweise 200 Millionen – also jeder zehnte Christ – werden wegen ihres Glaubens diskriminiert: in Nordkorea von den kommunistischen Machthabern, in Indien von fundamentalistischen Hindus. Vor allem in muslimischen Ländern wie Irak, Iran oder Jemen sind Menschenrechtsverletzungen offensichtlich.

[…]

Die Skala reicht von sozialer und rechtlicher Benachteiligung bis zur Einengung der Kultusfreiheit auf die Privatsphäre, vom Verbot der Mission bis zum Verbot von theologischen Bildungseinrichtungen, Bibeln und christlichen Symbolen, von Vertreibung und Entführung bis zu Inhaftierung und sogar Tötung von Christen.

[…]

Eine besondere Einschränkung der Religionsfreiheit ist in Eritrea festzustellen und in Saudiarabien, wo der zur Staatsdoktrin erhobene fundamentalistische Wahhabismus die Religionsfreiheit prinzipiell ablehnt. Verboten ist die öffentliche und selbst die private Ausübung der christlichen Religion. Das Königreich will als Heimatland des Propheten den Islam in religiöser Reinheit bewahren.

Jetzt mag sich der Atheist oder der aus der Kirche Ausgetretene zwar sagen „betrifft mich eh nicht“. Aber was kommt danach? Bleibt diese Verfolgung in der Ferne oder kommt sie auch zu uns? Bleibt die Antidiskriminierung auf Homosexualität beschränkt oder wird das ausgedehnt auf beliebige weitere Themen und Randgruppen?

Es sind keine guten Anzeichen zu erkennen, ganz im Gegenteil. Wenn die EU demnächst zum Staat wird und die bisher souveränen Staaten ihre Unabhängigkeit verlieren und die Gesetze direkt aus Brüssel kommen, dann wird es hier richtig, richtig ungemütlich werden für jeden, der sich der neuen Moral-Gewalt nicht unterordnen will.

Ist es daher das Beste, das böse Spiel mitzuspielen und dem äußeren Druck bequem nachzugeben? Oder bietet es sich an, vor den aufkommenden dunklen Wolken am besten den Abflug zu machen?

17 Kommentare zu “„Politisch korrekt“ fällt – brutaler Ersatz steht schon in den Startlöchern

  1. Abflug? Aber wohin? Ja es wird bereits darüber gesprochen dass es mögliche Bürgerkriege geben wird. Ebenso soll es bereits Sondertruppen geben die einschreiten wenn es zu Ausschreitungen kommt. Die Regierung bereitet sich jedenfalls schon darauf vor.

  2. 10cnt
    „Abflug? Aber wohin?“

    Sehr gute Frage!

    „Ja es wird bereits darüber gesprochen dass es mögliche Bürgerkriege geben wird. Ebenso soll es bereits Sondertruppen geben die einschreiten wenn es zu Ausschreitungen kommt. Die Regierung bereitet sich jedenfalls schon darauf vor.“

    Ich höre aus so etwas immer nur, da steht die Regierung und hier steht der Bürger, den es zu unterdrücken gilt. Sollte die Regierung den Bürger nicht nur vertreten? Wählen die Leute die Regierung, damit die ihnen eins auf die Mütze geben darf? Wann erkennt der Bürger, dass diejenigen die sie gewählt haben, nur in die eigene Tasche wirtschaften und sich als etwas besseres ansehen? Demonstrationen entstehen daurch, dass Bürger unzufrieden sind und um das nicht ausufern zu lassen, setzt man eben die Staatsgewalt ein. Für nichts anderes ist diese Gewalt da. Der einzelne Bürger hat immer nur schön brav zu sein.

  3. Ich bekomme aus den offiziellen Medien eigentlich nur mit, dass Christentum was ganz Tolles ist und Atheismus was Schlimmes. Auf Phoenix lief zum Beispiel mal ein Film, der die Frage stellte, ob Wissenschaft gefährlich sei. Und die Spiegel-Zeitschrift bringt immer wieder mal prochristliche Artikel raus, die sich indirekt formuliert gegen „Gottlose“ wenden.
    In Berlin wurde vor relativ kurzer Zeit abgestimmt, ob Religionsunterricht Pflichtfach werden soll, wollte natürlich keiner. http://www.zeit.de/2009/18/Lsp-Pro-Reli
    http://www.berlin.de/sen/kultur/bkrw/religionsunterricht.html

    Statt das man den in Niedersachsen mal abschafft, wird gefragt ob das Pflichtfach werden soll. Genau das was keine Sau will. (Wird irgendwann in Berlin vermutlich trotzdem durchgesetzt werden.)

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