Aufgewacht und trotzdem weiterschlafen? Die Gefahr des blinden Glaubens
Bei den einen ist es die schockierende Wahrheit über 9/11, bei anderen kommen Zweifel an der angeblichen Klimaerwärmung. Beides und viele weitere Themen führen in manchen Fällen dazu, dass einzelne Menschen beginnen nachzudenken, Fragen zu stellen und dann schließlich aufzuwachen.
Vor lauter Schock-Euphorie wird man immer weiterer Lügen gewahr und merkt, wie man allmählich den Boden unter den Füßen verliert. Insbesondere, wenn das Umfeld mit den eigenen Erkenntnissen herzlich wenig anfangen kann und immer weniger davon wissen will. Im Gegensatz zum „Erwachten“, der nämlich an fast nichts anderes mehr denken kann.
In dieser Phase wäre die Unterstützung durch Gleichgesinnte sehr wichtig, und wer diese Unterstützung tatsächlich erfährt, kann sich als Ausnahme glücklich schätzen. Die meisten erleben dieses Gefühlstal nämlich leider alleine und völlig isoliert von Familie und Freunden.
Bedingt durch diese Hilflosigkeit kann das frisch erwachte – nun schon fast schwarze – Schaf nur sehr schwer unterscheiden zwischen wahren Lügen und falschen Verschwörungstheorien. Es ist sehr schwer, ohne Maßstab und andere Meinungen von erfahrenen Aufgeklärten zu entscheiden, welche Dinge man glauben kann und bei welchen man besser vorsichtig ist.
Viele Neulinge treffen Gleichgesinnte zunächst nur im Internet, in Foren und auf diversen Webseiten. Meist gelingt es erst nach und nach, dass man persönliche Kontakte per Telefon oder echte Treffen vereinbaren kann. Beim derartigen Austausch, zumeist eben schriftlich, werden dann die eigenen Erkenntnisse mit denen des Gegenübers abgeglichen.
Wer viel weiß, gilt schnell als Profi und wirkt glaubwürdig. Doch welches Wissen steckt wirklich dahinter? Ist der andere auf diesem Gebiet ein gelernter Fachmann oder ein selbsternannter Theoretiker? Aus Mangel an eigener Erfahrung kann das der Neuling eigentlich gar nicht richtig einschätzen.
Nun kann ein solcher Pseudoprofi schnell dafür sorgen, dass unser Neuling vor lauter Begeisterung über die neuen Informationen vergisst, sein eigenes Gehirn anzustrengen. Dabei hat er es doch gerade erst gelernt gehabt.
Soweit ist das noch kein richtig großes Problem, denn das eben noch Geglaubte kann beim nächsten Denk- oder Prüfprozess ja genauer unter die Lupe genommen und dann wieder verworfen werden. Es sei denn, man ist zu bequem oder – was auch häufig der Fall sein dürfte – man hat nicht genug Zeit, all die angeblichen Erkenntnisse der anderen mal eben auch noch selbst zu überprüfen.
Was ist das Ergebnis? Ein aufgewachtes Schaf, das genauso nachplappert wie vor seinem Aufwachen. Schlimmer noch: Als aufgeklärter Mensch wird man von Gleichgesinnten grundsätzlich glaubwürdiger betrachtet im Vergleich zu den Tiefschlafschafen. Damit sind Tür und Tor dafür geöffnet, dass ungeprüfte Meinungen verbreitet und als neue Wahrheiten betrachtet werden.
Meine Beobachtung ist, dass fast jeder Selbstdenker ein oder zwei Themenbereiche hat, in denen er sich sehr gut auskennt und wirklich Bescheid weiß. Ich kenne dagegen niemanden, der uneingeschränkt in wirklich allen Belangen so vollständig und perfekt die Dinge erkannt und durchschaut hat, dass man in ihm einen Universalaufgeklärten sehen könnte. Dies ist meiner Ansicht nach so auch gar nicht möglich, denn jeder dieser Themenbereiche hat alleine bereits einen so unglaublichen Tiefgang, dass man schon mit dem vollständigen Erforschen eines Themas vollständig ausgelastet wäre.
Darum ist es wichtig, die angeblichen Themenprofis genau einschätzen zu können oder eben zumindest soweit in ein Thema selbst einzusteigen, dass man sich eine eigene Meinung bilden kann. In den meisten Fällen merkt man dann schnell, was wirklich dran ist.
Es bilden sich hierbei manchmal höchst interessante Auswüchse, die sich am Ende kaum mehr vom Verhalten der Mainstreamer unterscheiden. Wer lange und oft genug eine angebliche Tatsache gehört hat, der hinterfragt sie irgendwann nicht mehr. Das haben ja andere schon für ihn getan. Mit aufgewacht hat das absolut nichts mehr zu tun.
Auch ist für viele ein Zurück irgendwann aus dem Grund nicht mehr möglich, weil sich womöglich ein ganzes Geschäftsmodell in nichts auflösen würde. Stellen Sie sich jemanden vor, der irgendwann zu Beginn seiner Wahrheits-Entdeckungsphase davon hörte, dass bittere Aprikosenkerne in manchen Fällen Krebs heilen können. Er war so begeistert von dieser Idee, dass er zig angebliche Bestätigungen dafür fand und dann selbst begann, das Zeug zu verkaufen.
Eines Tages läuft ihm ein anderer Aufgeklärter über den Weg und erzählt ihm, wie Krebs entsteht und wie die biologischen Zusammenhänge wirklich sind. Glauben Sie, unser Aprikosenkernfreund wird sich mit dem Thema wirklich näher befassen? Wird er nicht viel eher damit beginnen, nach Haaren in der Suppe der Erklärungen des anderen zu suchen, um sich damit gar nicht beschäftigen zu müssen, weil es ja überhaupt nicht sein kann?
Aus Angst, sein eigenes Geschäftsmodell oder zumindest sein Gesicht zu verlieren, wird er wohl an seiner bisherigen Linie festhalten. Er wird quasi dazu gezwungen. Es sei denn, er steht über den Dingen und kann zugeben, sich geirrt zu haben und nutzt die neue Erkenntnis, sogar seinen Kunden davon zu erzählen und sich so selbst wieder weiterzuentwickeln. Neben der Chance, im persönlichen Wissen und den Erkenntnissen nicht stehenbleiben zu müssen, kommt vielleicht sogar eine neue Geschäftsidee dabei heraus, wer weiß.
Wer jedoch diesen Schritt nicht gehen kann oder will, der muss sich die Frage gefallen lassen, worin er sich hier noch vom Mainstream unterscheidet. Vom Konzept her jedenfalls gar nicht mehr. Das gilt auch für Aufklärungswebsites. D. h. je größer ein Medium oder eine Website wird, desto größer ist die Versuchung und auch die Gefahr, einer bestimmten Linie treu bleiben zu müssen, auch wenn sie sich irgendwann als Fehler herausstellen mag.
Wie würde wohl das jeweilige Umfeld auf eine Richtungsänderung reagieren? Würden die anderen erkennen, dass derjenige einen großen Schritt für sich vollbracht hat oder würde man ihn plötzlich nicht mehr ernst nehmen, ihn als Einknicker oder Überläufer betiteln? So haben wir das doch gelernt, oder nicht? Richtungsänderungen sind immer ein Eingeständnis für einen Fehler und da muss man dann draufhauen. Wirklich?
Derjenige, der nie verlernt, selbst zu prüfen und auch Dinge in Frage zu stellen, die bislang als Fakt galten, wird für sich mehr Wahrheiten erleben als die anderen, die meinen, sie wüssten 100% über alles Bescheid. Schade nur, dass diese auch meist noch versuchen, ihrem Umfeld das eigene Denken abzugewöhnen, damit diese schön der eigenen Meinung hinterherlaufen.
Wir haben als Aufgewachte leider – oder besser zum Glück – das Schicksal, zu wissen, dass wir nicht alles wissen. Viele Dinge bleiben uns vielleicht sogar für immer verborgen und wir kommen nie dahinter, was die wirkliche Wahrheit ist. Es ist im Zweifelsfall besser, von einer Sache zu wissen, dass man sie nicht weiß, als zu glauben, man wüsste darüber Bescheid.
Bleiben Sie skeptisch.

Tei 2
Lieber Rolf,
vieleicht solltest Du dir die Mühe machen die entsprechende Literatur zur Wirkungsweise von Vitamin B17/Amygdalin/Laetril zu lesen.
Diese GNM-Dogmatik gefällt mir nicht !!!
Deine Ausführungen über den Aprikosenkernfreund halte ich für ziemlich unglücklich.
Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich die Therapie mit o.g. Wirkstoffen für die wesentlich besser gegründete als die GNM halte.
Ich halte die GNM höchstens für einen Teilaspekt der Lösung.
Ich kann das bei Interesse auch ausführlich begründen.
Gut, dass diese Wahrheit mal jemand ausspricht!
Mir fällt schon seit längerem auf, dass viele „Aufgeklärte“ einfach nur das nachplappern, was auf „alternativen“ websites und blogs geschrieben steht.
Ich war lange Zeit auch so!!
Irgendwann fiel mir aber auf, dass die Alternativen auch ziemlich „gleichgeschaltet“ sind.
Alle schreiben voneinander ab.
Wenn Freeman von Schall und Rauch einen Artikel veröffentlicht, gilt das in unserer Szene ja fast schon als allgemeingültige Wahrheit!
Wobei ich ihn wirklich für sehr kompetent halte, keine Frage.
Allerdings: wirklich wissen, was stimmt, kann man nicht, ohne es selber zu überprüfen.
Und wir im Hamsterlaufrad haben meistens keine Zeit, auch nur eine einzige Sache zu überprüfen.
Ich habe im Laufe der letzten Jahre so viele Weltbilder in meinem Kopf neu augebaut- und wieder verworfen,
dass ich nur noch sagen kann:
Ich weiß, dass ich nichts weiß!
Ich schaue mir alles an, halte alles für möglich,
aber wissen tu ich gar nichts :-)
Kurze Zwischenfrage: http://www.mmnews.de ist seit gestern Abend nicht erreichbar, weiss jemand mehr?
Wieder ein Artikel der mir aus der Seele spricht. Danke!
Das sogennante Aufwachen darf nicht als finaler Zustand sondern als ständiger Prozess verstanden werden, leider verfällt man nach langem Suchen und Hinterfragen leicht wieder dem alten Fehler, sich auf einmal gemachten Schlussfolgerungen auszuruhen und hat plötzlich wieder die Scheuklappen auf. Deine Artikel zeigen dein Bemühen, weiterhin offen und kritisch zu bleiben, auch gegenüber eigenen Aussagen und ihrer Relativierung. Schade, dass der Benesch das nicht so gut kann und daher gerade meint, diese Seite angreifen zu müssen.
wirklich ein sehr guter Artikel.
@marco & enderling
Ihr habts erkannt und trefft den nagel auf den kopf!
Volle Zustimmung…
Marco vorallem dein Motto am Ende deines Kommentars entspricht meiner Einstellung zum Leben.
Tragedy ans hope von Carol Quigley ist ein sehr Interessantes Buch. Vor allem weil Quigley 2jahre lang die Archive von die CFR durchstoebere konnte. Wenn man es lesen moechte kann ich sehr empfehlen das Original zu lesen und nicht die deutsche Fassung weil die zensiert ist.
Originales Buch 1348 Seiten
Deutsche Fassung 540 Seiten
Das sagt doch genug oder?
Ich habe schon gedacht ich bin die grosse Skeptikerin und kann nichts so richtig glauben, doch offenbar ist das nicht falsch.
Wenn mich ein Thema gepackt hat dann suche und suche ich bist das Bild einigermaßen rund ist. Dabei ist es hilfreich auch in anderen Themen mal herumzustöbern.
Mein erstes Erwachen begann mit dem Thema Gesundheit, Pharma und durch Dr.Rath wurde es plötzlich (für mich ) politisch.
Mit Politik hatte ich bisher nichts am Hut, aber Geschichte ist mein Ding und so wurde es sehr interessant wenn auch schockierend.
Meine Meinung ist überall gibt es Wahrheiten und Lügen, wenn wir es auch nicht erkennen können.
hier ist immer die Rede von „nichts glauben – alles selber prüfen“
wie soll dieses „selber prüfen“ denn funktionieren???
In Bezug auf die Ereignisse im Iran momentan kann ich mir das ja noch theoretisch vorstellen – Urlaub nehmen – hinfliegen – nachschauen…
Aber alles nicht direkt überprüfbare wird immer von der eigenen Grundvorstellung und Fantasie beeinflusst sein…
Gruß Morfessa
18morfessa
hier ist immer die Rede von “nichts glauben – alles selber prüfen”
wie soll dieses “selber prüfen” denn funktionieren???
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Wenn man zumindest das überprüft was man selber weiterplappert, ist ja schon etwas positives geschehen. Alles andere, naja, viele nehmen gewisse Vorgänge zu wichtig, wo es besser wäre die Dinge einfach laufen zu lassen. Es wird sich zur rechten Zeit schon alles von selbst klären. Ob da eine unwissenede verrückte Horde dagegen anrennt oder nicht spielt absolut keine Rolle! (Auch wenn es sich um eine wissende Horde handelt- nur wird diese dann nicht wie verrückt in die Welt hinausreiten. Warum? Wenn man die Dinge/Vorgänge versteht verlieren diese an Schrecken…..) LG
Das Problem ist einfach, das diese ganze Community sich immer mehr in ihren Verschwörungen verstrickt und den Blick fürs wesentliche verliert. Es wird immer schwerer zwischen Wahrheit und Desinformation differentieren zu können.
Das wäre die gunst der Stunde da einzuhacken, anstatt sich immer mehr in die Höhle des Löwen zu begeben und sich noch darüber zu beschweren.
Aber da habt ihr nunmal schon die Scheuklappen auf, und seid kein Stück besser als die „schlafenden“
Ihr sucht euch Hilfe bei gleichgesinnten , wobei ihr euch nur noch mehr verstrickt in das WirrWarr der Desinformationsflut, dabei solltet ihr den wahren Retter erkennen.
Ihr wisst wen ich meine.