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Sand im Getriebe – unsere knirschende Aufgabe

Bei einem Uhrwerk genügt schon ein Körchen Sand und die ganze Uhr steht still. Ein LKW-Getriebe dagegen verkraftet einige Handvoll Sand, bis es den Geist aufgibt.

Wieviel Sand benötigt wohl das Getriebe unserer Politik, um zum Stillstand zu kommen?

Lassen Sie uns jeder ein Sandkörnchen sein, um gemeinsam unser Fahrzeug noch rechtzeitig zu stoppen, was unsere Lenker in der Regierung mit Höchstgeschwindigkeit gegen die nächste Mauer setzen werden.

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich den Satz „was kann ich denn schon bewegen?“ in den vergangenen Monaten hören musste. Da klingt neben Hoffnungslosigkeit vor allem die Bequemlichkeit durch. Ein Familienvater in einem Entwicklungsland wird diesen Satz vermutlich nicht kennen, während es uns hier offenbar noch viel zu gut geht, bevor die Menschen erkennen, was auf sie zukommt.

Dabei kann jeder von uns sogar in zweierlei Hinsicht agieren. Zum einen kann man aktiv etwas unternehmen und versuchen, andere Menschen aufzuwecken und zu motivieren. Dann kommt man ganz schnell aus dem „allein schaff ich das nicht“ heraus und wird zum „gemeinsam sind wir stark“. Themen gibt es dafür wirklich mehr als genug. Und im Moment ist die Aufklärung mit das Wichtigste. Es geht noch gar nicht darum, auf die Straße zu rennen und Transparente hochzuhalten, denn zuallererst muss unser Umfeld informiert und aufgeweckt werden.

Zum anderen kann jeder auch auf andere Weise aktiv sein, indem er passiv agiert. Wie das geht? Seien Sie ein Sandkorn oder gar ein Kieselstein. Streuen Sie sich ins Getriebe des Systems, damit dort mehr Energie verbraucht wird. Je mehr Sand zwischen den Zahnrädern knirscht, desto langsamer wird unser Vehikel. Am Ende bleibt die Kiste sogar ganz stehen.

Wie wird man denn nun zum Sand im Getriebe? Nehmen Sie es wörtlich, was ich mit „passiv“ meinte. Werfen Sie den Systemgetreuen den Ball zu und beschäftigen Sie diese mit Ihren Fragen und Denkaufgaben. Sie können z. B. Ihr Finanzamt nach dem Geltungsbereich des Kraftfahrzeuggesetzes fragen, Ihren Bürgermeister nach dem Geltungsbereich des Grundgesetzes und bei passender Gelegenheit können Sie einem Polizeibeamten die Frage stellen, ob er sich bewusst ist, dass er seinen Dienst mit privater Haftung ausführt.

Auch können Sie die Lehrer Ihrer Kinder in der Schule fragen, was die Geschichte vor und nach 1945 angeht, denn unseren Kindern wird hier viel Müll beigebracht. In Sachen Naturwissenschaft ist es ähnlich. Trotz des Fehlens eines isolierten HI-Virus wird das Thema AIDS groß und breit behandelt. Fragen Sie konkret nach. Und was ist mit dem Klima, was wissen die Lehrer über CO2 und Klimawandel? Können diese Ihre Fragen umfassend beantworten?

Oder beim Arzt, auch sehr schön. Fragen Sie, warum der Arzt meint, dass seine Diagnose richtig ist. Verschreibt er Ihnen ein Medikament, hinterfragen Sie die Wirkungsweise und die Gefahr von Nebenwirkungen. Fragen Sie, ob er das Medikament schon selbst genommen hat oder seiner Familie verabreichen würde.

Wenn Sie Post von den BRD-Behörden bekommen, fragen Sie nach, auf welcher rechtlichen Grundlage dies geschieht, lassen Sie sich die Gesetze konkret nennen und lesen Sie diese selbst nach. Bohren Sie tiefer. Sie müssen nicht einfach blind etwas hinnehmen:

Jedermann muss, um sein eigenes Verhalten darauf einrichten zu können, in der Lage sein, den räumlichen Geltungsbereich eines Gesetzes ohne weiteres feststellen zu können. Ein Gesetz, das hierüber Zweifel aufkommen lässt, ist unbestimmt und deshalb wegen Verstoßes gegen das Gebot der Rechtsicherheit ungültig (BVerwGE 17, 192=DVBl 1964, 147).

Das alles funktioniert natürlich nur, wenn Sie sich in einem oder mehreren dieser Themengebiete auch wirklich gut auskennen. Sie stellen Ihre Fragen ganz scheinheilig und spielen den Unwissenden. Da Sie ja überall die Fachleute ansprechen, wollen Ihnen diese das auch beweisen. Zeigen Sie echtes Interesse und lassen Sie nicht durchblicken, dass Sie die Person nur vorführen bzw. beschäftigen möchten und in Wirklichkeit besser Bescheid wissen.

Seien Sie sich bewusst, dass Sie in Wirklichkeit mehr Knowhow als diese „Amtsträger“ besitzen, weil Sie nämlich selbst nachgeschaut haben und daher die Fakten kennen.

Als ich vergangene Woche mit einer Justizbeamtin des Verwaltungsgerichts Frankfurt telefonierte, meinte diese auf meine Nachfrage, dass sie sich in Rechtssachen nicht auskennen würde. Meine Frage war, ob sie denn nicht wissen würde, dass Sie als Nicht-Beamtin und normale Justizangestellte keine Urkundsbeamtin sein kann. Die Leute wissen wirklich überhaupt nicht Bescheid und glauben alles blind.

Durch Nachfragen bekommen jedoch einige dieser Leute den Antrieb, sich selbst zu informieren, weil sie Ihre Behauptung nicht glauben und Ihnen natürlich beweisen wollen, dass sie selbst der Fachspezialist sind. Wenn Sie es schlau angestellt haben, merken diese Menschen bei ihren Nachforschungen, dass sie eigentlich gar nicht richtig Bescheid wissen.

Machen Sie andere zu aktiven Aufklärern, indem Sie ihnen ihre Wissenslücken klarmachen. Das funktioniert dann am besten, wenn diese Leute von selbst auf das Kernproblem stoßen und sie das nicht von außen erzählt bekommen. Manchmal werden genau diese Leute dann selbst zu Aktiven.

Kurz gesagt: Ärgern Sie unsere Behörden und Unterdrücker nicht, beschäftigen Sie sie stattdessen und zwar ständig und ausdauernd. Stellen Sie viele Fragen, aber kommen Sie dabei nicht selbst ins Getriebe. Bleiben Sie unbedingt immer höflich und verhalten Sie sich korrekt. Stellen Sie sich unwissend, stellen Sie halbdumme Fragen, so, dass es nicht auffällt. Behaupten Sie nichts, sondern fragen Sie immer nur. Lassen Sie Ihren Gegenüber seinen Standpunkt behaupten und fragen Sie dann gezielt und konkret nach. Lassen Sie nicht locker, bis Sie eine Antwort bekommen. Das ist mehr als Ihr gutes Recht.

Haben Sie dabei aber bitte nicht den Anspruch einer 95% Erfolgsquote. Wenn Sie 5% der Angesprochenen erfolgreich ein Fragezeichen in deren Kopf bringen, sind Sie bereits sehr gut. Und wenn jeder 5% seines Umfeldes aufklärt, dann ist das schon eine ganze Menge. 5% der BRD-Bevölkerung sind etwa 4 Mio. Menschen. Na, ist das nichts?

10 Kommentare zu “Sand im Getriebe – unsere knirschende Aufgabe

  1. WECKRUF

    Der chilenische Dichter Sergio Vesely
    schreibt in dem Buch „Aller Menschen Würde“ :

    Weder der Krieg,
    noch der internationale Rüstungshandel,
    weder der Staatsterrorismus,
    noch das Fernsehprogramm,
    weder die Millarden der arabischen Ölpotentaten,
    noch der Generalstab einer südamerikanischen Armee,
    weder die russische Mafia,
    noch die Pornoindustrie,
    weder die Central Intelligence Agency,
    noch die Glacehandschuhdiplomaten,
    weder die islamische Inquisition,
    noch die durchgeknallten Sektierer,
    weder die Präpotenz des Weissen Mannes,
    noch die Korruption der Stammesfürsten,
    weder die Parteifunktionäre,
    noch die Pressezensur,
    weder der Rassismus,
    noch die ethnischen Säuberungen,
    weder der Kapitalismus,
    noch der Kommunismus,
    noch der Imperialismus,
    noch der Neoliberalismus,
    noch der Faschismus,
    noch sonst irgend eines
    der zahllosen Übel des 20. Jahrhunderts
    hat grösseren Schaden angerichtet
    als die elende Gleichgültigkeit
    des kleinen Mannes auf der Strasse.

    Dieser Text bezeugt die Ohnmacht,
    die Trauer und die Angst,
    die eine Minderheit von mitfühlenden
    und selbst denkenden Menschen
    angesichts der herrschenden ‚Normalität‘
    einer bewusstlosen Mehrheit
    zu ertragen hat.

    Der chinesische Volksmund sagt :

    „Es ist besser, eine Kerze anzuzünden,
    als über die Dunkelheit zu fluchen.“

    Johann Wolfgang von Goethe meint :

    „Man muss das Wahre immer und immer wiederholen,
    weil auch der Irrtum um uns herum
    immer wieder gepredigt wird.
    Und zwar nicht nur von Einzelnen,
    sondern von der Masse –
    in Zeitungen und Enzyklopädien,
    in Schulen und Universitäten.
    Überall ist der Irrtum obenauf,
    und es ist ihm wohl und behaglich
    im Gefühl der Majorität,
    die auf seiner Seite ist.“

    Goethe weiter :

    „Jeder, der in sich fühlt,
    dass er etwas bewirken kann,
    muss ein Plagegeist sein !
    Er darf nicht warten, bis man ihn ruft.
    Er muss nicht achten, wenn man ihn fortschickt.
    Er muss sein wie eine Fliege,
    die, gerade verscheucht,
    den Menschen wieder und wieder
    von einer anderen Seite anfällt.“

    Dem ist eigentlich nichts mehr hinzu zu fügen………
    nun, vielleicht noch das hier,
    von George Bernhard Shaw :

    Die besten Reformer,
    die die Welt je gesehen hat,
    sind die,
    die bei sich selbst anfangen.

  2. Im vergangenen Jahr hörte ich im Radio einen Mann davon reden, daß der Mensch nur seinen Kuckuck wiederfinden braucht, seine Stimme, und sich damit hörbar machen kann. (Leider habe ich diese Ansprache nicht nachlesen und verlinken können).
    Ich weiß , daß es so ist.
    Finden wir unsere eigene Stimme wieder und stellen die Fragen, die uns bewegen an die, die uns vorstehen.

  3. Wie wahr, wie wahr !

    „Die da oben“ , das sind nur 600 Leute. Wir, das Volk, sind 84 Millionen. Noch Fragen ?

  4. Sehr guter Artikel!
    Und gleich zu Anfang möchte ich als positives Beispiel erwähnen, daß ich hier über diese Seite http://www.wahrheiten.org vor einiger Zeit jemanden kennen gelernt habe, mit dem nun eine gute Zusammenarbeit stattfindet[http://schluff.cwsurf.de/ oder http://schluff.cwsurf.de/wordpress/%5D und -wir- zur Zeit Bekannte, Freunde, Betreiber von Internetseiten, etc…, im vorliegenden Falle speziell aus dem Raum NRW zu o.g. Thematik ansprechen zum Zwecke der weiteren Vernetzung und gegenseitigen Information, um gemeinsam umfassende Informationen in Zukunft weiter verbreiten zu können, und um nach Möglichkeit auch zukünftig Treffen, so wie sich Vereine sich 14 tätig oder monatlich zur Besprechung zusammenfinden, organisieren zu können.
    Nun hatte wir auch bereits einige, die sagten, sie würden das alles nicht schaffen, weil sie beruflich zu sehr eingespannt seien, andere haben schlechte Erfahrungen gemacht, usw. .
    Ich sage aber aus eigener Erfahrung: Viele Jahre war ich selbst Mitglied in Vereinen und dort ist die Problematik sehr ähnlich. Niemand muß befürchten direkt zu 100% eingespannt zu werden!
    Wichtig ist: Wenn jeder nur einen kleinen Teil mit zu beiträgt ist in der Gesamtheit ein größeres Ziel schnell erreicht.
    Es ist durchaus möglich aus seiner Lethargie vom dem Computer herauszukommen(„Was soll ich denn da schon machen können?“) oder aus der Hilflosigkeit („Ich habe schon drei Prozesse, ich schaffe das alles nicht mehr!“) oder, oder, oder.
    Es ist wie mit KAIZEN: Jeden Tag eine kleine Verbesserung, Schritt für Schritt, führt zu einem guten Ergebnis.

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