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Klimawandel am Schreibtisch

Statistik ist eine eigene Welt in jeder Branche. Über Statistiken kann der Optimist Gewinne ebenso vorhersagen wie der Pessimist einen großen Verlust. Und das in beiden Fällen auf Basis der selben vorhandenen Daten.

„Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast“ ist nicht umsonst das Lieblings-Sprichwort aller Politiker.

Was man mit Statistiken und der geeigneten Wahl des Zeitfensters und der Eckdaten anstellen kann, erklärt Ingo Gutjahr:

Klimawandel am Schreibtisch

Wenn man einen großen Fluss 1.000 Jahre beobachtet, hätte man statisch gesehen 20 HW50 (für Nicht-Hydrologen: 50 jähriges Hochwasser), 10 HW100, 2 HW500 und ein HW1000-Ereignis. Man könnte auch gut erkennen, diese Ereignisse müssen nicht zwangsläufig regelmäßig auftreten. So kann z.B. ein HW100 ausfallen oder gleich dreimal hinterenander auftreten. Bezogen auf die 1.000 Jahre könnte man vielleicht einen Zyklus erkennen aber keine dramatische Änderung.

Bei meinem „virtuellen Fluss“, tritt in den Messjahren 870 – 990 kein HW100, sondern nur ein HW50 auf. Zudem weisen die Messjahre 960 – 990 einen unterdurchschnittlichen Mittelabfluss auf. In den Messjahren 990 – 1000 gibt es höhere Mittelabflüsse und es treten 2 HW100 auf.

Da ab 870 industrielle Ballungsgebiete am Fluss entstanden, treten jetzt zunehmend Probleme in Form von Hochwasser auf. Die statistische Auswertung des Zeitraumes ab 870 zeigt, dass sich das Abflussverhalten ab dem Jahr 990 gravierend geändert hat. Anhand des Referenzzeitraumes 960 – 990 werden die Jahre mit 990 verglichen und bestätigen die Annahmen. Es werden Computermodelle erstellt, die auf eine Sintflut ab dem Jahr 1.000 hindeuten. Internationale Wissenschaften suchen Ursachen… der Rest ist Geschichte.

Ich habe dieses  Beispiel sehr stark vereinfacht. Worauf ich hinweisen möchte ist das „Zeitfenster“. Je kleiner das Zeitfenster ist, desto grösser ist die Gefahr einer Fehlinterpretation.

Die Frage stellt sich, wie groß muss ein Zeitfenster sein. Beim Klima redet man ja gerne von 30 Jahren – in der Geowissenschaft ist dies sehr unrealistisch.

Als Beispiel möchte ich den Eifelvulkanismus nennen. Bislang ging man davon aus, 10.000 Jahre Ruhe sei gleichbedeutend mit „die Vulkane sind erloschen“. Heute ist man anderer Meinung. Untersuchungen ergaben, dass die Vulkane binnen Monaten wieder ausbrechen können und die derzeitige Pause sehr trügerisch ist (es gibt kleinere Beben und erhöhte Bodentemperatur im Bereich Laacher See). Die Geschichte des Eifelvulkanismus ist 600.000 Jahre alt.

Beim Yellowstonepark – ein sogenannter Supervulkan – betrüge ein Zeitfenster schon mehrere Millionen Jahre.

Wie sieht es nun beim CO2 aus?

Bislang gilt die These, mehr CO2 bedeutet höhere Temperatur und das Abschmelzen der Eismassen in den polaren Gebieten. Man nimmt dabei die letzten 250 Jahre (Beginn der industriellen Revolution) als Zeitfenster.

Als Musterbeispiel für tropische Verhältnisse gilt die Kreidezeit. In der Kreide war der CO2-Gehalt sechsmal so groß wie heute, die Meere waren erheblich wärmer. Kurz gesagt, es hat gedampft wie in der Sauna.

Nun gibt es aber Hinweise darauf, dass es in der Kreidezeit eine kleine Eiszeit gegeben hat (der Meeresspiegel sank um 40m) Dies wurde auch von den CO2-Gurus registiriert, es gab dann etwas nebulöse Äußerungen. 40m Absenkung entspricht einer Eismasse kleiner der Antarktis.
In diesen Zusammenhang eine kleine Info am Rande: In der Kreidezeit lage der Meeresspiegel 170m höher, die Meere waren offenbar bedeutend flacher als heute. Die Landoberfläche war erheblich kleiner. Ich schätze, man braucht da ein bisschen mehr Inlandeis, um das Meer global um 40 Meter abzusenken.

Wenn man das größere Zeitfenster nimmt, also die Kreidezeit mit einbezieht, dann sieht das „böse CO2“ ganz anders aus. Man gewinnt den Eindruck, das CO2 ist bei Klimaerwärmung und Klimaabkühlung beteiligt, oder anders gesagt, der CO2-Gehalt der Atmosphäre ist dem Klima ziemlich egal.

Nebenbei bemerkt, vor kurzem gab es einen Bericht aus Neuseeland: Dramatischer Rückgang der Gletscher in Neuseeland. Noch nie wurde so ein starker Rückgang beobachtet. Es wurde gleich der Hinweis auf Klimawandel gegeben. In einem Nebensatz stand der Hinweis: Die Messungen werden seit 32 Jahren durchgeführt… (jeder Kommentar ist hier wohl überflüssig).

Das Problem an den Zeitfenstern ist die zum Teil gewaltige Größe. Für den Menschen sind 30 Jahre eine Ewigkeit, die Natur rechnet im Jahrmillionenbereich.

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