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Griechischer Strom: Zwei Lügen mit einer Klappe

Aus der Not eine Tugend zu machen, wird mehr und mehr zur wichtigsten Sportart im Bundestag. Da können dann schon mal höchst skurrile und äußerst lächerliche Vorschläge mit absoluter Ernsthaftigkeit präsentiert werden.

Anstatt nämlich unser hart verdientes Steuergeld immer nur ohne jegliche Gegenleistung ins Ausland zu verschenken, wartete unser oberster Schatzmeister jetzt mit einer wirklich grandiosen Idee auf: Geld gaben wir, Strom schenkten sie uns. Bald auch noch Oliven? Das ist das wahre Europa.

Es war kein verspäteter Aprilscherz, den Wolfgang Schäuble am 21.06.2011 verkündete. Lesen Sie, was die Welt über die jüngste Idee unseres Finanzzerstörungsministers berichtete:

„Griechenland hat eine viel höhere Anzahl von Sonnenstunden im Jahr als wir in Deutschland und könnte Strom zu uns exportieren“ […].

[…] Ohne solche Perspektiven tue er sich schwer, „dem deutschen Steuerzahler das erhebliche Risiko eines neuen Programms“ für Griechenland aufzubürden.

Genau, und weil Solarstrom ja so fürchterlich billig ist, darf die deutsche Solarindustrie in Griechenland zunächst einmal die notwendige Infrastruktur zum Einfangen des begehrten Sonnengutes aufbauen. Weil die Griechen jedoch pleite sind, wird dieses glorreiche Rettungsprojekt über eine weitere schmerzhafte Erhöhung der „Erneuerbaren Energien Gesetz“-Zulage finanziert, die wir alle dann brav bezahlen dürfen.

Wenn schon Rettung, dann aber mit Erleuchtung mag sich der verzweifelte Minister Schäuble gedacht haben, denn offenbar hat er inzwischen erkannt, dass er uns nicht noch weitere Gelder aus den Taschen ziehen und diese ohne jede Gegenleistung nach Griechenland überweisen kann. Das funktioniert nicht mehr, weil der Gegenwind immer schärfer wird.

Aber seine Idee war trotzdem nicht schlecht, denn damit hätte er gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen: Zum einen hätte er für die weitere Griechenland-Rettung eine Art Alibi und zum anderen trüge dies zur Sicherung unserer absichtlich destabilisierten Energieversorgung bei. Leider hat Herr Schäuble jedoch übersehen, dass Lügen nicht dadurch wahr werden, indem sie miteinander verquirlt werden.

Wir müssen das alles jedoch nicht immer so negativ sehen, schließlich ist Hellas doch ein großartiges Land voller Sonne, Oliven, Wein und Musik und unsere Steuergelder sind dort doch eigentlich ganz gut aufgehoben:

Der Originalrefrain lautet:

Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde.
Komm schenk dir ein,
Und wenn ich dann traurig werde, liegt es daran,
Dass ich immer träume von daheim, du musst verzeihen.

Griechischer Wein und die alt vertrauten Lieder,
Schenk nochmal ein,
Denn ich fühl die Sehnsucht wieder, in dieser Stadt,
Werd ich immer nur ein Fremder sein und allein.

In der überarbeiteten Rettungsfassung klingt der Liedtext nun folgendermaßen:

Griechischer Strom ist die Lösung unsrer Krise.
Komm zahl jetzt ein,
Und wenn wir dann auch arm werden, liegt es daran,
Dass wir alle retten müssen, stets, sollen wir zahl’n.

Griechischer Strom und die längst verlor’nen Gelder,
Zahl nochmal ein,
Denn ich fühl die Krise wieder, in der EU,
wird bald niemand außer uns der Zahlmeister sein.

Selbstverständlich hat Minister Schäuble in seiner neuen Rettungsidee auch die Entfernung von über 1.500 km von Griechenland bis ins gelobte Ökoland BRD mit einkalkuliert, denn auch der Bau der notwendigen Stromtrassen wird von heimischen Unternehmen gebaut und vom ökogutmenschlichen Schafsvolk ebenfalls anstands- und alternativlos bezahlt werden.

Freilich wird es dadurch etwas eng werden mit der Strompreiskalkulation und es steht uns allen dann ausnahmsweise einmal wieder eine klitzekleine Preiserhöhung ins Haus. Dabei sind 35 Cent pro Kilowattstunde immer noch ein Schnäppchen, wenn wir an den prognostizierten Preis von über 50 Cent im Jahr 2020 denken.

Übrigens liegen wir laut aktuellen Zahlen des europäischen Energieportals wider Erwarten gar nicht an der Spitze der Strompreise in Europa, denn in Dänemark müssen die Bürger noch etwas tiefer in die Tasche greifen, um das kostbare Gut aus ihren Steckdosen nutzen zu können. In Bulgarien dagegen kostet die Kilowattstunde nur ein gutes Drittel und in Griechenland deutlich weniger als die Hälfte von uns:

  • Dänemark: 26,3 Cent
  • Deutschland: 24,5 Cent
  • Italien: 20,8 Cent
  • Österreich: 20,3 Cent
  • Luxemburg: 20,1 Cent
  • Niederlande: 19,5 Cent
  • Belgien: 19,2 Cent
  • Irland: 18,5 Cent
  • Spanien: 18,5 Cent
  • Ungarn: 17,9 Cent
  • Portugal : 17,7 Cent
  • Zypern: 17,6 Cent
  • Slowakei: 16,3 Cent
  • Malta : 15,8 Cent
  • Tschechien: 15,5 Cent
  • Schweden: 15,3 Cent
  • Polen: 14,5 Cent
  • Großbritannien: 14,4 Cent
  • Finnland: 14,0 Cent
  • Slowenien: 13,6 Cent
  • Frankreich: 13,0 Cent
  • Lettland: 12,0 Cent
  • Griechenland: 11,3 Cent
  • Rumänien: 10,8 Cent
  • Litauen: 10,6 Cent
  • Estland: 10,1 Cent
  • Bulgarien: 9,7 Cent

Industriestrom für Großabnehmer kostet in Estland sogar nur 4,8 Cent und in Frankreich 5,6 Cent pro kWh. Auch die deutschen Großkunden dürfen sich über immerhin 9,2 Cent freuen, doch wir sehen schon auf den ersten Blick das Problem: Warum sollte sich energieintensive Industrie überhaupt noch bei uns niederlassen, wo es fast ringsherum deutlich günstigeren Strom gibt?

In diesem Zusammenhang ist noch interessant, dass der durchschnittliche Steueranteil am Strompreis bei uns ebenfalls der zweithöchste der EU ist, er beträgt nämlich satte 40,8%, Stand 2009. Nur Dänemark wiederum schlägt uns derzeit noch mit 56,1% Steuern. In Großbritannien dagegen kassiert der Staat nur 4,8% und in Griechenland geringe 8,7%.

Das alles ist jedoch nur der heutige Ist-Stand. Wenn die Auswirkungen der sogenannten „Energiewende“ spürbar werden, dann quälen die BRD-Bürger nicht nur die mit Abstand teuersten Endkundenstrompreise, sondern auch die Kosten für die Industrie werden mit Sicherheit europäische Rekordmarken erklimmen. Und das alles zusätzlich mit dem Risiko von Stromausfällen behaftet, sollte der Fokus wie geplant vorrangig auf Wind und Sonne gelegt werden.

In den anderen Teilen der Welt gibt es Strom von ganz billig bis hin zu „immer noch billiger als bei uns“. Den Rekord in Asien halten offenbar die Philippinen mit 18,1 US-Cent pro kWh, gefolgt von Japan mit 17,9 US-Cent.

Die USA liegen mit rund 11 US-Cent nach wie vor sehr niedrig, obwohl auch dort die Strompreise in den vergangenen Jahren deutlich angezogen haben. Linderung könnte in jedem Falle die Einführung von Lichtschaltern schaffen, welche bis heute ein Schattendasein fristen – bei der Festbeleuchtung aller Orten auch kein Wunder. Kanadische Stromkunden können sich sogar über Preise ab knapp 7 US-Cent freuen. Da lohnt der Kauf von Lichtschaltern noch nicht ganz.

Auch ohne die völlig überzogene und vorschnelle Reaktion der Ökofaschisten in unserer Regierung haben wir seit Jahren mit immer schneller steigenden Strompreisen zu kämpfen, gar nicht zu reden von Heizöl, Gas und Kraftstoffen. Wenn die Abschaltung der Kernkraftwerke im deutschen Alleingang und der nachfolgende Umstieg Fahrt aufnimmt, dann müssen wir mit einem nochmals drastischeren Energiepreisanstieg rechnen.

Zwar behauptet die Regierung, die Energiewende werde bezahlbar und nicht so teuer werden, doch das wäre das allererste Projekt einer Regierung überhaupt, welches während seiner Umsetzung nicht um Faktoren teurer wurde, als ursprünglich geplant. Seltsamerweise fällt die Masse der Bürger immer wieder neu auf diese Täuschung herein und wählt dasselbe Lumpengesindel bei jeder Wahl tatsächlich nochmal.

Wir befinden uns aktuell noch weit im Wohlfühlmodus „Brot und Spiele“. Erst wenn große Teile der Bevölkerung von der noch bevorstehenden neuen Krisenwelle erfasst und unerwartet in den Abgrund gespült werden, dürfte sich das Bild ändern. Ob es danach noch eine Diskussion um den Strompreis gibt? Es könnte sich in diesem Fall dann vielleicht nur noch um das grundsätzliche Vorhandensein von elektrischer Energie drehen, wer weiß.

Bis dahin läuft alles seinen gewohnten Gang. Dennoch sollten wir schon jetzt theoretisch und praktisch über die Umstände nachdenken, wenn es einmal keinen Strom geben sollte. Ob nun kürzer oder länger, aus technischen Gründen oder wegen finanziell schwieriger Situation, die ein oder andere Kerze, Taschenlampe oder was auch immer, sollte in jedem Haushalt für den Notfall vorhanden sein.

Wer eine Regierung hat, wie die unsrige, braucht weder Feinde noch Terroristen. Diese Wahnsinnigen in Berlin richten uns sehenden Auges zu Grunde. Was jedoch das Schlimmste daran ist: Die große Meute trottet treu und brav mit stets geöffnetem Portemonnaie hinterher.

Gute Nacht, Deutschland. Der letzte macht das Licht aus – falls es nicht vorher von selbst ausgeht.

Dänemark:26,3 Cent
Deutschland:24,5 Cent
Italien:20,8 Cent
Österreich:20,3 Cent
Luxemburg:20,1 Cent
Niederlande:19,5 Cent
Belgien:19,2 Cent
Irland:18,5 Cent
Spanien:18,5 Cent
Ungarn:17,9 Cent
Portugal :17,7 Cent
Zypern:17,6 Cent
Slowakei:16,3 Cent
Malta :15,8 Cent
Tschechien:15,5 Cent
Schweden:15,3 Cent
Polen:14,5 Cent
Großbritannien:14,4 Cent
Finnland:14,0 Cent
Slowenien:13,6 Cent
Frankreich:13,0 Cent
Lettland:12,0 Cent
Griechenland:11,3 Cent
Rumänien:10,8 Cent
Litauen:10,6 Cent
Estland:10,1 Cent
Bulgarien:9,7 Cent

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8 Kommentare zu “Griechischer Strom: Zwei Lügen mit einer Klappe

  1. Alles sehr interessant, aber wie sieht es denn in dieser Situation, in der die Griechen stecken, mit dem alternativen Strom aus der kalten Fusion aus? Wäre das nicht der ideale Einstieg (beziehe mich da auf einen anderen Artikel deiner Seite) dafür – oder ist das nur ein Märchen?
    Klaus

  2. @klaus

    Die Kalte Fusion sehen die Raffkes aus Konzernen und Politik als Bedrohung. Bevor die auf den Markt kommt werden die Erfinder entweder:

    a)gekauft
    b)verschleppt
    c)vergeselbstmordet

    Schöne Grüße aus FKAG ( Formerly Known As Germany)

  3. Den Herrn Schäuble mag ich ja überhaupt nicht, aber es ist trotzdem besser mit Rettungsgeldern Solaranlagen in Griechenland zu bauen (geschätze Stromproduktionskosten, wenn nicht zuviele Köche (Preistreiber) den Preis verteuern um/unter 10 cents), als die Großanleger mit den fetten Zinsen weiter zu füttern und strukturelle Schwächen weiter auszubauen, so daß Griechenland Zwangsversteigert wird für Konzerne, Großanleger und sonstige fette Aussaug Brut.
    Solarstrom von Griechenland nach Deutschland zu transportieren ist natürlich Mumpitz, aber man nehme Solarstrom+Batterien („Windgas“) und sage adiuos Stromkonzerne, Preistreiber und Sklavenhalter.

  4. „…Wenn es einmal keinen Strom mehr geben sollte…“

    Wer sich heute mit seinem Ersparten eine Photovoltaik.Anlage auf das Dach schraubt, hat dann ein Problem weniger.

    Mit anderen worten, Gerade weil der Strompreis steigen wird (wegen Erwirtschaften von Gewinnen für die EVUs, Steuern, steigende Produktions-Kosten für Öl Gas Kohle Uran, steigende Entsorgungskosten,..), lohnt sich jetzt der Umstieg auf EE ganz generell, und für Privatpersonen speziell auf die Photovoltaik.

    Zurück zum Thema (Griechenland). Der Deal kann sein:

    1. Der deutsche Steuerzahler gibt Griechenland das Geld.
    2. Griechenland gibt den deutschen Banken das Geld.
    3. die Banken geben das Geld deutschen PV-Herstellern und griechischen Installateuren (Investition in Griechenland und deutsche PV-Industrie)
    4.Deutsche und Griechiches Verbraucher kriegen den Strom und bezahlen die Banken.

    Effektiv gewinnen alle weil,
    5. In Griechenland arbeitet die Sonne kostenlos und verläßlich für die deutschen Banken (keine Streiks).

  5. zu #5:

    Schon mal drüber nachgedacht, daß 1500 km Stromleitungen an jeder beliebigen Stelle gekappt oder umgeleitet werden können? Sollen wir die etwa bewachen, damit der Strom hier sicher ankommt?
    Genauso idiotisch wie das Desertec-Projekt in Ägypten ist der Vorschlag von unserem Schwachmaten Schäuble.
    Oder glaubt irgend jemand ernsthaft, daß im Krisenfall (der jederzeit eklatant eintreten kann) noch eine einzige kw/h bei uns ankommt – egal ob aus GR oder ÄG.

    Insofern gewinnen eben nicht alle, wie von Gould beschrieben – im Gegenteil – die deutschen Verbraucher sind erneut die Ver…armten.

    Und zudem: In der Reihenfolge von #5 werden wir auf jeder Stufe, eine Überhöhung der Entstehungskosten eines solchen Projektes erfahren -entweder als Zins oder als Profit. Und wer steht nochmals an 5. Stelle?

    Tschigong – aber das ist Schwachsinn!

  6. Es wird in der Regel vollkommen verkannt, dass mit einer heutigen Investition in Solarkraftwerke die Grundlage für günstige Strompreise in der Zukunft geschaffen wird. Ähnlich wie Atomkraftwerke kann mit der Investition in Solarkraftwerke Strom über die ersten 20 Jahre hinaus produziert werden. Die Anlagen haben sich zu diesem Zeitpunkt amortisiert und werden nicht durch weitere Abschreibungen belastet. Auch sind Solarkraftwerke in vollem Umfang „repowering“-fähig. Das bedeutet, dass nach Ablauf von 25 oder 30 Jahren nur die Solarmodule mit geringem Aufwand getauscht werden müssen. Die restlichen Investitionen in Unterbau und Infrastruktur können gegen geringe Wartungskosten weiterverwendet werden. Hiermit schaffen wir die Grundlage für Stromproduktionskosten aus erneuerbaren Energien von unter fünf Cent pro Kilowattstunde. .

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