© berwis / PIXELIO

Unsere Gesellschaft – verkommen bis zum Anschlag

Obwohl inzwischen die Gutmenschen in fast allen wesentlichen Bereichen das Sagen haben, entwickelt sich immer mehr eine Kultur der fehlenden Verantwortung und des Einstehens für wahre Werte.

Liegt dies möglicherweise daran, dass Gutmenschen nicht gute, sondern lediglich egoistisch vorteilsnehmende, feige und bequeme „mit-dem-Strom-schwimmende“ Menschen sind?

Ist unsere Gesellschaft denn schon vollkommen verkommen?

Ein schier unerträgliches Ergebnis von übermäßigem Gutmenschlichkeitswahn sehen wir in Niedersachsen. Noch kurz vor seiner Flucht ins Schloss Bellevue hatte Christian Wulff seinen ehemaligen Regierungskollegen ein besonders nettes Ei ins Nest gelegt – vielleicht als letzten Beweis für seine „besonderen Fähigkeiten“ und den notwendigen blinden Gehorsam, den er in seinem neuen Amt benötigt?

Im System- und Gutmenschenblatt Spiegel wurde am 27.07.2010 noch äußerst gnädig mit der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan verfahren. Ein deutscher Politiker – darf man „deutsch“ in diesem Land überhaupt noch schreiben? – wäre längst aus dem Amt befördert worden:

Die von der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan vorgeschlagene Mediencharta wird es nicht geben. Die Charta, die unter anderem eine kultursensible Sprache vorsah, werde kein Gegenstand der geplanten Beratungen mit Chefredakteuren und Verlegern sein, sagte der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister am Dienstag in Hannover.

Mal sehen, wie lange ihr Ausländerbonus noch hält – Pardon, Migrationshintergrundsbonus sollte das selbstverständlich heißen. Um eine passende Ausrede war Özkan jedenfalls nicht verlegen:

Nach Kritik von Vertretern der Medien und der Opposition räumte Özkan Fehler in ihrem Ministerium ein und machte klar, dass sie keinesfalls beabsichtigt habe, den Medien einen „Maulkorb“ zu verpassen.

Natürlich, ganz allein das Ministerium war schuld an ihren eigenen Äußerungen und Plänen, aber doch niemals sie selbst als Cheffin des Ladens. Allerdings gilt diese verantwortungsbefreiende Regelung nur im Falle von Kritik. Sollte sie stattdessen tatsächlich noch versehentlich in den Genuss eines Erfolges – neben ihren ständigen Kamikaze-Leistungen – gelangen, wird sie diesen, wie alle Politiker übrigens, nur auf ihr persönliches Konto verbuchen.

Solche Politiker hätten doch vor 20 Jahren sofort die Fliege gemacht bzw. wären niemals in solch eine Position gekommen. Doch eine verkommene Gesellschaft braucht auch verkommende Führungspersönlichkeiten, da sie andere weder verdient hätte, noch richtig zu schätzen wüsste.

Diese Verkommenheit wurde auch nach der Katastrophe bei der größten legalen europäischen Drogen-, Sex- und Zudröhnveranstaltung, der Liebesparade, offenbar. Da maßte sich die von den systemgetreuen Massenmedien mehrfach ausgepeitschte Querulantin Eva Herman einfach an, diese unsägliche Sodom und Gomorrha-Party tatsächlich öffentlich als Sodom und Gomorrha-Party zu betiteln.

Ein Unding – zumindest in den Augen aller offiziell drogen- und exzessablehnenden Gutmenschen. Wie konnte es Frau Herman nur wagen, die seit vielen Jahren von allen Medien schöngeredete Scheinrealität dieses perversen Liebestheaters so mit ihren klaren und ehrlichen Worten zu beschmutzen? Sollen die jungen Leute doch ein bisschen Spaß haben in ihrem weltlichen Jammertal und ihr eigentlich sinnloses Leben mittels Modedrogen in bunten Farben schillern sehen, zumindest während einiger Stunden.

Besonders die liebe Bild-Zeitung holte am 26.07.2010 mächtig zum Schlag gegen Eva Herman aus:

Die Skandal-Moderatorin Eva Herman (51) verglich auf der Internet-Seite ihres Verlages das Loveparade-Drama mit Sodom und Gomorrha:

„Wer sich die Bilder der Loveparade ansieht, glaubt, in der Verfilmung der letzten Tage gelandet zu sein, wie sie in der Bibel beschrieben werden. […].“

Man spürt bei jedem Wort, wie sich die – namentlich offenbar lieber ungenannt bleibenden – Bild-Redakteure mit Genugtuung auf die engagierte Autorin des Kopp-Verlags gestürzt haben. Kein Wunder, hatte Frau Herman doch per Gerichtsurteil im Juli 2009 den Axel-Springer-Verlag klar in seine Schranken verwiesen.

In diesem Zusammenhang sollten Sie auch unbedingt den von Bild.de auf fast jeder zweiten Seite verwendeten Blick- und Klickfang-Untertitel beachten:

Alle Infos +++ Alle Bilder +++ Alle Videos

Ergänzt werden müsste dieser Dumpfbacken-Spruch um:

Keine Skrupel +++ Keine Grenzen +++ Keine Wahrheit

Ist Ihnen eigentlich aufgefallen, dass in sämtlichen Medienberichten lediglich davon die Rede ist, wer denn nun die Verantwortung für das Unglück trägt? War es der Veranstalter, die Polizei, die Stadt oder der Bürgermeister? Sind denn etwa diese Leute über die armen Opfer drübergetrampelt? Warum wird mit keinem Wort erwähnt, dass diese 21 Menschen durch die anderen Partyteilnehmer und deren ungeduldigem Gedränge umkamen? Trägt die Menschenmasse also überhaupt keine Verantwortung, weil sie ja schließlich in Panik verfiel?

In der modernen Gutmenschenwelt werden immer öffentliche Opfer verlangt, die man medienwirksam hinrichten kann. Das war zu Zeiten der Inquisition nicht anders. Damals waren eben die Hexen am Unglück der Menschen schuld.

Heute trägt nicht mehr das Individuum die Verantwortung, sondern das System mit jeder Menge von Institutionen, z.B. dem Staat, unzähligen Versicherungen für jeden nur denkbaren Fall, sämtliche Organisationen und Einrichtungen usw.

Fällt Ihnen im Sommer ein reifer Apfel auf den Kopf, können Sie den Baumbesitzer verklagen, ebenso, sollten Sie im Winter auf seinem nicht ordentlich geräumten Gehweg stürzen. Der Hausbesitzer wiederum hat dafür eine Versicherung, die ihrerseits nicht einfach so bezahlt, sondern lieber einen Gutachter beauftragt und die Forderungen dann vor Gericht ablehnen lässt. Auf diese Weise finden sich genügend Schuldige, denen die Verantwortung untergeschoben werden kann.

Selbstverständlich ist es tragisch, wenn einem ein Missgeschick oder auch ein größeres Unglück widerfährt. Aber das hat unser Leben nun mal so an sich, es ist und bleibt lebensgefährlich. Immer nur jegliche Verantwortung abzuschieben, ist gleichfalls eine Ausprägung der Verkommenheit.

Dabei sind wir explizit als eigenverantwortliche Individuen geschaffen worden und nicht als eine kompakte Einheit, die immer insgesamt den Mist ausbaden muss, den jeder Einzelne ihr zugefügt hat. Diese Verdrehung zu einer verantwortungsfreien Mentalität des Individuums passt interessanterweise perfekt auf die New Age Lügenlehre des „wir sind alle Eins“ und „wir sind alle Gott“. Ach wirklich? Frage an die Esoteriker: Waren Sie auch Eins mit den Drogen-Liebesparade-Wahnsinnigen, als diese ihre Mitmenschen erdrückt haben?

Auch in den kleinen Dingen erleben wir jeden Tag wieder neu diese verkommene und v.a. verlogene Gesellschaft. Gerade hat Mobilfunkbetreiber O2 einem Freund einen Brief geschickt mit dem Inhalt:

Wir reden nicht nur vom Umweltschutz, sondern tun auch etwas dafür. Ab September 2010 finden Sie Ihre Rechnung online…

Wir würden uns freuen, wenn Sie die Online-Rechnung nutzen und uns dabei helfen, die Umwelt und ihre Ressourcen zu schonen.

Eine glatte Lüge. O2 ist jedoch nur eines von vielen Unternehmen, welche grundsätzlich diese zitierte oder ähnliche Ausreden verwenden, um schlicht und ergreifend viel Geld für Papier, Druck und Versand zu sparen. Dieser Preisvorteil wird selbstverständlich nicht an die Kunden weitergegeben.

Dabei ist die Absicht, Kosten und Aufwand einzusparen, als solche überhaupt nicht verwerflich. Doch warum schreiben diese Berufslügner im Marketing nicht offen und ehrlich, dass sie aus Kostengründen gerne den postalischen Rechnungsversand einstellen möchten? Warum nur muss immer gelogen werden?

Der Vergleich mit Sodom und Gomorrha ist in der Tat nicht besonders weit hergeholt. Er passt auf die heutige korrupte Politik, die sittenlose Kultur, die Ellenbogengesellschaft, die Abzockerwirtschaft – auf alles um uns herum in einer mehr oder weniger starken Ausprägung. Wohin wird diese Verkommenheit noch führen?

Viele Menschen erhoffen sich durch den sehr wahrscheinlich unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch der Börsen, der Wirtschaft und des weltweiten Finanz- und Währungssystem eine Chance des völligen Neubeginns. Aber schauen Sie doch einfach einmal zurück in der Geschichte. Finden Sie ein derartiges Ereignis, bei dem die korrupten Banditen, die immer nur von allem profitierten, auch nur ein einziges Mal vernichtet oder ihrer Macht enthoben wurden?

Freilich, wessen Zukunft sich allein in seinem jetzigen Leben und auf dieser Erde abspielt, der hat vermeintlich gar keine andere Wahl, als wenigstens auf einen Neubeginn – am liebsten 2012 – und ein gutes Ende zu hoffen. Schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Richtig, aber sie stirbt eben zum Schluss auch. Und was bleibt dann?

31 Kommentare zu “Unsere Gesellschaft – verkommen bis zum Anschlag

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.