Island: es geht weiter voran – mit der Megakrise

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Es ist eine faszinierende und spannende, jedoch auch beängstigende Entwicklung, die wir in den letzten wenigen Wochen in Island sehen können. Der einzige Vorteil dabei ist, dass wir uns anschauen können, was auf uns zukommen wird.

Besser kann man es eigentlich nicht mehr haben, als live und quasi hautnah mitzuerleben, was in einer so großen Krise passiert. Alternativ kann man auch in der deutschen Geschichte kramen, was dann jedoch viele Jahrzehnte alte Informationen sind.

Der Vorteil für uns hier ist, wir können uns die Angst dadurch nehmen, indem wir sehen, was auf uns zukommt. Wir können uns somit auf das Herannahende wissentlich vorbereiten.

Zugegeben, für einige Dinge ist die Vorbereitungszeit wahrscheinlich längst abgelaufen. Wer beispielsweise noch einen hohen Kredit hat oder von einem Arbeitsplatz mit großer Kündigungswahrscheinlichkeit abhängt – zum Beispiel im Bereich Automotive – für den dürfte es nun auf Notfallplanung hinauslaufen. Denn so kurzfristig den Kredit abzulösen, durch Hausverkauf oder ähnliches, oder sich einen neuen, krisensicheren Job zu suchen, dürfte schwierig werden.

Deutschland schafft sich ab: »Deutschland wird immer ärmer und dümmer!«

Geburtenrückgang, Bildungs-Misere, wachsende Unterschicht und mangelnde Integration . wenn nicht bald etwas passiert, schaffen sich die Deutschen selbst ab. So lautet die provokante These, die Thilo Sarrazin in seinem neuen Buch vertritt. »Ich möchte, dass auch meine Urenkel in 100 Jahren noch in Deutschland leben können. Ich möchte nicht, dass das Land meiner Enkel und Urenkel zu großen Teilen muslimisch ist, dass dort über weite Strecken türkisch und arabisch gesprochen und der Tagesrhythmus vom Ruf der Muezzine bestimmt wird.«

Dennoch, lassen Sie sich nicht entmutigen, sondern nutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, sich zu informieren über das, was uns blüht. Durch Schließen der Augen verpassen Sie einzig die Chance der vorbereitenden Maßnahmen, die Krise selbst findet auch bei verschlossenen Augen statt.

Jetzt werfen Sie einmal einen aktuellen Blick nach Island mit Hannes Gamillscheg von Die Presse.com:

Im Land der Geysire kocht die Wut über die Finanzkrise über. Doch ehe es besser wird, dürfte es noch schlechter werden.

In ihrer Garage hält Hrafnhildur Thorarinsdottir Ausverkauf: Alles kostet nur ein Viertel des Preises, den sie in ihrem Laden in Reykjaviks Einkaufsmeile verlangt hätte. „Ich bin mit hohen Schulden ausgestiegen, und die Schulden wachsen weiter“, sagt die 30-jährige Jungunternehmerin. Denn sie hat auf Anraten ihrer Bank einen Fremdwährungskredit aufgenommen, wegen der günstigen Zinsen. Jetzt, im Island der Finanzkrise, hat die isländische Krone zwei Drittel ihres Werts verloren, und die Kreditsumme hat sich verdreifacht. „Ich habe mein Haus verpfändet, also muss ich weiterzahlen, sonst nehmen sie uns das Haus weg.“

„Wie eine Naturkatastrophe“ habe die Krise Island getroffen, sagt Solveig Olafsdottir, Sprecherin des Roten Kreuzes. „Wir sind ein Volk im Schockzustand.“ Die Banken sind pleite, die Baukräne stehen still, die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt und wird im nächsten Jahr auf zehn bis 20 Prozent hochschnellen. Und das in einem Land, in dem „Arbeit heilig“ war, wie der Schriftsteller Einar Mar Gudmundsson meint.

Der Verfall der Krone macht das früher so teure Island zu einem Schnäppchenland für Touristen. Für die Isländer ist die Wirklichkeit eine andere. Die sehen eine Inflation, die auf 20 Prozent zusteuert, und Lebensmittelpreise, die sich teilweise verdoppelt haben. Die Isländer, die sonst wahllos kauften, was sie haben wollten, schauen jetzt auch beim Diskonter sehr genau auf die Kosten.

Samstag für Samstag strömen die Menschen zu den Protestkundgebungen vor das Parlament, zuletzt 6000. Das ist enorm in einem Land mit 320.000 Einwohnern. In Windjacken und Pelzmänteln, mit Hund und Kinderwagen, alt und jung, mit schwarzen Anarchistenfahnen und den blauen der EU. Alle sind sie da, alle ballen die Fäuste, alle stimmen jubelnd ein, wenn die Redner den Rücktritt von Notenbankchef und Ministerpräsident fordern.

Der Zorn wächst. „Wie die DDR vor dem Fall der Mauer“, meint Gudmundsson, der Dichter, einer der führenden Köpfe des Aufruhrs. „Das politische System hat alle Glaubwürdigkeit verloren.“ Mit der Liberalisierung der Banken habe es begonnen, als die Politiker „den Reichtum des Volks ihren Freunden schenkten“, die Banken dem Land über den Kopf wuchsen, das Zwölffache des Sozialprodukts war ihre Bilanzsumme zuletzt. Bis alles zusammenkrachte wie ein Kartenhaus.

Der Traum vom schnellen Geld

Ein „nationaler Zustand der Verleugnung“ habe Island geprägt in den Boomjahren, sagt der Nationalökonom Gylfi Magnusson, einer der wenigen, die damals schon warnten. Doch damals wurden die Warner als Neider abgestempelt. Man gab weiter Vollgas. „In einer so kleinen Gesellschaft breiten sich Epidemien rasch aus“, sagt Magnusson. Wenn der frühere Klassenkamerad plötzlich Milliardär ist, denken andere: „Der war nicht klüger als ich, das kann ich auch.“

Ganz normale Arbeitnehmer luden sich Schulden auf, die sie nicht tragen können. In Reykjavik gibt es mehr dicke Schlitten als in Londons City, schicke Häuser, wo man vor einer Generation noch sehr primitiv wohnte, rasanten Lebensstil, alles auf Pump. Doch die Kredite wachsen mit der Inflation, der Leitzins beträgt 18 Prozent, die Schulden auf den Häusern sind höher als deren fallender Wert, und jetzt bangen alle um den Job.

„Wäre Island ein Mensch, er wäre längst mit Nervenzusammenbruch in der Klapsmühle“, sagt Gudmundsson. Es gibt momentan nur ein Thema: Wer hat Schuld an „Kreppa“, der Krise?

Die Schwefelquelle im Freiluftbad – von oben prasselt der Schneeregen, unten brodelt das heiße Wasser – hat hier die Funktion des Stammtisches. Da brodelt auch der Volkszorn gegen die Obrigkeit, und der den Isländern eigene Galgenhumor blüht. Einer fragt, ob wir wissen, wie man einen Bankier vorm Ertrinken rettet. Nein? „Gut so!“ Und noch so ein Witz: „Was haben Islands Banken und Islands Nudisten gemeinsam? Alles Wertvolle ist eingefroren.“

Ehe es besser wird, wird alles noch viel schlimmer. Das nächste Jahr wird hart, ein Einbruch um zehn Prozent ist realistisch, jeder Dritte denkt daran abzuwandern. Benedikt Stefansson, der als Chefvolkswirt der Landsbanki miterlebte, wie die Regierung bis zuletzt Warnungen überhörte, hat sich an die Spitze einer Bewegung gesetzt, die sich „Novemberaufruhr“ nennt. Drei Forderungen hat Stefansson: erstens einen Wechsel an der Spitze der Zentralbank. Dann eine unabhängige, von ausländischen Experten geleitete Untersuchung, was geschah. Und schließlich „brauchen wir den Euro, und dazu müssen wir in die EU“.

Panik nützt uns allen nichts. Den Kopf in den Sand zu stecken ebensowenig. Augen auf, einmal kräftig schlucken und dann damit beginnen, sein eigenes Lebensumfeld genau zu prüfen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

Wenn es doch nicht so schlimm kommen sollte, dann freuen Sie sich einfach. Falls es übel wird, dann wussten Sie es schon vorher und haben zumindest einiges dafür getan. Packen wirs an!

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Literatur zum Thema

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2 Kommentare

  1. am 1. Dezember 2008 um 07:43 1Farrier

    Ob die Flucht in den Euro etwas nutzen wird? Ich bin da skeptisch, weil auch dem Euro nachgesagt wird, er sei inzwischen ausgehöhlt.

    Im übrigen gehören alle sogenannte “Eliten” des Westens abgelöst! Sie haben alle mitgemacht oder gekuscht oder nur weggesehen. Wenn ich nur sehen muß, wie unsere Neocons Merkel und Steimeier – nebst ihrem unappetitlichen Anhang – versuchen ihr perfides System zu retten wird mir schlecht und Wut macht sich breit.

  2. am 1. Dezember 2008 um 21:01 2Holsten

    Gebot der Stunde wird wohl sein, Schrebergärten anzulegen und langsam wieder autark werden, wem solches möglich ist.