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Wohin mit all den vielen neuen Karren? 2010 – Todesjahr der Autoindustrie?

Saab stirbt, schlimme Aussichten beim Export, Schrumpfkur und Vorzeichen eines grausamen Jahres lauten die aktuellen Schlagzeilen zum Thema Auto.

Was im kommenden Jahr auf diese Branche zukommen wird, spottet jeder Beschreibung. Wenn die Medien bereits jetzt so laut schreien, was kommt dann in Wahrheit auf uns zugerollt?

Hat sie nun doch nicht den gewünschten Erfolg gebracht, die tolle Abwrackprämie? Sogar Wort des Jahres 2009 wurde der seltsame Begriff. Dabei hatte diese – aus der Nazizeit stammende – Idee doch wunderbar unsere Regierung über die letzte Wahl hinweggerettet – ein Erfolgmodell? In RP-Online wurde am 20.04.2009 berichtet:

Schon Hitler setzte auf Abwrackprämie

In Zeiten der Krise die lahmende Wirtschaft anzukurbeln, indem die Bürger für Neuanschaffungen vom Staat finanziell belohnt werden – das ist in Deutschland schon vor 76 Jahren versucht worden. Und auch damals ging es zunächst um die darbende Automobilindustrie.

Wie damals auch war diese Aktion nichts anderes als ein Strohfeuer. Jeder, der sich konkret oder mittelfristig mit dem Gedanken befasste, sich einen neuen Wagen zuzulegen, um seine alte Mühle loszuwerden, der nutzte die scheinbar günstige Gelegenheit, um die 2.500 Euro Sonderbonus mitzunehmen.

Dabei ist es doch schon mittels einfachem Preisvergleich möglich, diesen Betrag – selbst bei Kleinwagen – rauszuholen. Wer noch dazu gut verhandeln kann, der bekommt sogar glatt das Doppelte an Rabatt. Insofern, die Abwrackprämie war nichts anderes als Augenwischerei, um von den großen Problemen abzulenken, welche auf die Autoindustrie in Kürze zukommen werden.

Wir reden hier von katastrophalen Auswirkungen. Daher handelt es sich bei der Schließung von Saab auch nur um einen kleinen „Appetithappen“. Das schwedische Unternehmen brachte es auf 72 Jahre. Dazu die Zeit am 18.12.2009:

General Motors gibt Saab auf

Der schwedische Hersteller schließt endgültig: Er stellt die Geschäfte ein und kündigt den 3400 Mitarbeitern. Der Teil-Verkauf an den chinesischen Konzern Baic aber gilt.

Wo es langgehen wird, zeichnet die Welt am 21.12.2009 auf:

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet ein katastrophales Jahr für die Autoindustrie. Er rechnet damit, dass bis zu 4000 Händler aufgeben müssen und befürchtet einen Verkausrückgang von bis zu 50 Prozent.

Grund für den scharfen Rückgang sind die guten Geschäfte im Jahr 2009, wo mit Hilfe der Abwrackprämie Hunderttausende Fahrzeuge zusätzlich verkauft werden konnten. […] Entsprechend groß dürften der Prognose zufolge die Einbrüche ausfallen.

Natürlich ist das vorgezogene Geschäft von 2009 nicht der einzige Grund für den kommenden Einbruch. Die gesamte Wirtschaft fährt momentan gegen die Wand, insbesondere die Autohersteller sind davon betroffen. Lassen Sie sich einmal diese Zahlen auf der Zunge zergehen: 50% Verkaufsrückgang. Meinen Sie, wir können der Welt glauben oder wird es in Wahrheit noch einen viel schlimmeren Einbruch geben?

Es gibt natürlich wie überall auch unbeirrbare Optimisten. Die Rundschau-Online schrieb am 20.12.2009:

Der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes in Bonn will in die Rufe der Warner allerdings nicht einstimmen. Die Zahl der Insolvenzen sei in den vergangenen Jahren stabil gewesen, sagt Sprecher Ulrich Köster. Auch in diesem Jahr sehe es nicht nach einem Ausreißer aus. Für 2010 sei zwar noch keine Prognose möglich, bei den Neuzulassungen verspreche es nach dem guten Jahr 2009 aber zumindest ein solides Jahr zu werden.

Die gehen also davon aus, dass 2010 „ein solides Jahr“ wird. Das nennt sich doch mal eine ordentliche Strategie, einfach die Fakten zu ignorieren und von etwas Unwirklichem auszugehen. Na dann viel Spaß beim Ausgehen. Vermutlich werden diese Damen und Herren ab 2010 viel Zeit für ihren großartigen Optimismus haben.

Auch im Spiegel sprachen die Warner bereits am 02.12.2009 von einer „radikalen Schrumpfkur“:

In diesem Jahr sind es 3,7 Millionen Pkw, im kommenden Jahr dürften es nur noch 2,7 Millionen sein: Die deutsche Autoindustrie warnt vor einem dramatischen Absatzeinbruch.[…]

Im Vergleich zum laufenden Jahr ist der Absturz besonders schmerzhaft. Denn dank Abwrackprämie rechnen die Hersteller 2009 mit einem Absatz von 3,7 bis 3,8 Millionen Fahrzeugen.

Wer rechnen kann, der erkennt, wir sprechen hier von 25% weniger Autos. Und das ist nur deswegen ein so moderater Rückgang, weil die Konzerne auf das Auslandsgeschäft hoffen. Nun frage ich mich, welches Ausland die wohl meinen. Vielleicht das Geschäft mit Außerirdischen? Sieht es denn im Ausland mit der wirschaftlichen Lage so viel besser aus als bei uns? Wer sich nur ein bisschen auskennt weiß, dass wir hier in der BRD sogar noch relativ gut dastehen im Vergleich zum Rest der westlichen Welt.

In einem Artikel vom 14.12.2009 berichtete der Spiegel in einem Interview mit dem Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, von „beängstigenden Aussichten“:

Ich erwarte mehr Arbeitslose, im Schnitt 4,1 bis 4,2 Millionen. Das ist besser als lange gedacht – aber einige Branchen wird es hart treffen. Im Handwerk und in der Bauwirtschaft sieht es recht gut aus, beim Export dagegen schlimm. Und damit ausgerechnet bei unseren Hightech-Firmen, im Maschinenbau oder in der Autoindustrie. Dort sind derzeit Hunderttausende Mitarbeiter auf Kurzarbeit gesetzt, das wird auf Dauer nicht durchzuhalten sein…

Kurzarbeit ist schließlich nur als Übergangslösung gedacht gewesen und nicht als grundlegendes Beschäftigungsmodell. Doch wir dürfen gespannt sein, was sich unsere grandiose Regierung dazu noch einfallen lassen wird – außer dem Gelddrucken, was sie offenbar in großem Stil in die Wege geleitet haben.

Selbst die Firma Swatch zieht sich aus dem Geschäft mit der Autoindustrie zurück und glaubt, mit Uhren besser überleben zu können. In der Swiss-Press stand am 21.12.2009:

Die Swatch Group AG mit Sitz in Biel/Bienne (Schweiz) und die Firma Juken Technology mit Sitz in Singapur unterzeichneten den Vertrag für den Verkauf der Schrittmotorenherstellung für die Autoindustrie der Firma Microcomponents AG an die Firma Juken Technology.

Bei der Zeit konnten wir am 20.12.2009 lesen, dass Daimler das Jahr 2010 ohne Kurzarbeit beginnen wird:

Daimler stoppt wegen der anziehenden Nachfrage nach Luxuslimousinen die Kurzarbeit in seinem größten Pkw-Werk.

Soso, anziehende Nachfrage nach Luxusautos. Da würde mich doch wirklich interessieren, woher diese Nachfrage kommt. Eine unglaubliche Fata Morgana. Und es geht noch weiter im selben Artikel:

«Bis Ende 2011 gibt es eine hohe Sicherheit für die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen durch die bestehende Beschäftigungssicherungsvereinbarung», sagte Klemm.

Betriebsratschef Erich Klemm spricht von hoher Sicherheit und lässt die armen Mitarbeiter im falschen Glauben. Er muss das tun, denn sonst würde er seinen eigenen Job gefährden und das will er ganz bestimmt nicht. Mal sehen, was passiert, wenn seine Genossen die bittere Wahrheit zu spüren bekommen.

Machen Sie sich eines klar: Wenn schon in den Medien in solch dunklen Farbtönen über die Automobilbranche berichtet wird, dann ist es in Wahrheit noch viel, viel schlimmer. Ich hoffe, Sie sind weder direkt noch indirekt in dieser Branche beschäftigt, denn die Gefahr besteht, ab 2010 viel unbezahlte Freizeit zu bekommen.

4 Kommentare zu “Wohin mit all den vielen neuen Karren? 2010 – Todesjahr der Autoindustrie?

  1. Gibt’s genug Leihfirmen, dort gehören bald alle hin. Sklaven werden gebraucht und das wird großgeschrieben!

    Es juckt doch keinen, ob 20 Jahre Berufserfahrung und langjährige Erfahrung. Ein Sklave fängt ab dann von Null an!

    Unsere Volksverbrecher erreichen damit, was sie wollen.

  2. Wer bitte soll denn auch die ganzen Autos kaufen? Immer kürzere Modell-Lebenszyklen, immer mehr Varianten und Sondereditionen, auf der anderen Seite verdienen die Menschen inflationsbereinigt immer weniger und wollen auch vielfach gar nicht das, was von der Autoindustrie angeboten wird: wo ist er denn hin der 3-Liter-Lupo? Der wird heute zu Sammlerpreisen in engen Kreisen weitergegeben, weil er eine echte Alternative zu den Spritsaufenden Groß-Karossen ist, die so viele Menschen gar nicht mehr wollen und/oder sich leisten können! Also selbst schuld würde ich sagen. Traurig ist nur, dass das Auto in Deutschland anscheinend so ein Heiligtum ist (wenn ich mir nur mal anschaue wieviele Tonnen Beton und Asphalt jedes Jahr für Straßenbau in die Landschaft gekippt wird…). Man kommt uns doch immer mit der Marktwirtschaft: also solls der Markt eben regeln!

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