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Esoterik als vermeintliche Lebenshilfe?

Viele kennen sie als „Licht und Liebe“-Mystik oder als „moderne Spiritualität“, aber die wenigsten machen sich Gedanken darüber, was wirklich hinter der Esoterik steckt.

Es ist daher kaum verwunderlich, dass sich diese Lehre in ihren schier unzähligen Facetten immer weiter ausbreitet und längst auch die Kirchen unterwandert hat. Doch auf was lässt sich der Esoteriker tatsächlich ein, wenn er die scheinbar großartigen Möglichkeiten einer vermeintlichen Bewusstseinserweiterung und die vielschichten Lebensverbesserungen nutzen möchte? Kann Esoterik vielleicht sogar gefährlich sein?

Dr. Lothar Gassmann, Theologe und Buchautor, war am 14.11.2009 zu Gast in der Sendung Treff am Kreuz des Offenen Kanals Berlin zum Thema „Esoterik als Lebenshilfe?“, zu dem er auch schon ein gleichnamiges Buch veröffentlichte. Die rund einstündige Sendung befasste sich mit der Frage, ob Esoterik eine Verbesserung unserer persönlichen Lebenssituation bieten kann und welche Täuschungen aus christlicher Sicht dabei die wesentliche Rolle spielen.

Esoterische Vielfalt erklärt Herr Gassmann gleich zu Beginn sehr anschaulich. Er vergleicht diese mit dem Effekt eines Prismas, bei dem alles auf eine gemeinsame Wurzel zurückgeht: Die vielen unterschiedlichen Farben stammen alle aus demselben Ursprung, dem weißen Licht, welches am Prisma in das Spektrum des Regenbogens aufgebrochen wird.

Nach Herrn Gassmanns Meinung beschreibt die Bibel diesen Ursprung in den vier Lügen der Schlange, welche diese im Paradies aufstellte, siehe 1. Mose 3,1-5:

  1. „Sollte Gott gesagt haben?“:
    Hier wird zunächst die grundsätzliche Autorität des Schöpfers in Frage gestellt.
  2. „Ihr werdet keineswegs sterben“:
    Die Leugnung der Endgültigkeit des Todes wird heute von allen möglichen Religionen und Glaubensrichtungen, v.a. den fernöstlichen, in Form der Reinkarnationslehre betrieben. In Hebräer 9,27 schrieb Paulus jedoch, dass der Mensch genau einmal stirbt und danach vor das göttliche Gericht kommt.
  3. „Ihr werdet sein wie Gott“:
    Der Mensch habe angeblich das göttliche Wesen in sich, er könne selbst göttliche Potenziale freisetzen. Gott wird dabei nicht als Person betrachtet, sondern lediglich als eine Kraft oder Energie, welche in allem enthalten sei, was uns umgibt. Die Bibel sagt jedoch klar, dass Gott der Schöpfer ist. Auch schon rein logisch betrachtet ergibt sich daraus, dass der Schöpfer nicht identisch mit seiner Schöpfung sein kann, sonst hätte er sich selbst erschaffen müssen.
  4. „Eure Augen werden aufgetan“:
    Damit wird versinnbildlicht, dass die Menschen versuchen, eine Erleuchtung zu erlangen, sich quasi von unten nach oben entwickeln sollen. Dies könne durch übersinnliche Techniken erreicht werden, beispielsweise über „Bewusstseinserweiterungsprogramme“ oder Meditation.

Esoteriker glauben also, sie seien selbst Gott bzw. göttlich? Betrachten wir einmal ein plakatives und vielleicht etwas plumpes Beispiel. Stellen Sie sich vor, Sie sind Softwareentwickler an einer Universität und arbeiten zusammen mit hochqualifizierten Spezialisten an einem komplexen System für künstliche Intelligenz.

Möglicherweise werden Sie der Software tatsächlich eine rudimentäre Art menschlicher Züge beibringen können, sodass dieses pseudeointelligente System in der Lage ist, bestimmte Aufgaben zu übernehmen, etwa eine automatisierte Hotelrezeption, vielleicht sogar in Form eines menschlich aussehenden Roboters.

Doch selbst wenn das System eines Tages so ausgereift wäre, dass auf einem gewissen Niveau rudimentäre Unterhaltungen möglich sind, so würde es doch niemals von sich behaupten, sich selbst erschaffen zu haben. Und falls dies dennoch geschehen würde, so wüssten Sie natürlich, dass dies nicht den Tatsachen entspricht, weil Sie schließlich die im Hintergrund arbeitenden neuronalen Netze entsprechend programmiert haben.

Eine Form von künstlicher Intelligenz, welche sogar lügen kann, wäre zwar eine technologische Sensation, aber damit würde weder dieses System zu einer echten Persönlichkeit mit eigenem Bewusstsein, noch würde sie Ihnen jemals auch nur annähernd gleichgestellt sein. Es ist schlichtweg unmöglich, denn die alleinigen Schöpfer dieses „Wesens“ waren Sie und Ihre Kollegen. „Intelligenter“ als Sie alle zusammen kann dieses System am Ende daher niemals sein, genausowenig wie es sich selbst erschaffen haben kann.

Obwohl anhand eines solchen konkreten Beispiels die Sache völlig klar und logisch erscheint, hindert dies die Esoterik nicht daran, die Schöpfung grundsätzlich mit dem Schöpfer zu verwechseln. Dieser Irrglaube ist zwar in sich vollkommen unlogisch, weil Schöpfung nicht aus sich selbst heraus entstanden sein kann, aber leider befasst sich offenbar kein Esoteriker mit diesem Denkfehler.

Herr Gassmann erwähnte nach einem Filmausschnitt über einen Handleser, dass die Kirchen sämtliche okkulte Praxis ablehnen würden, wie Wahrsagerei, Hellseherei, Magie, Zauberei usw. Im Prinzip mag das stimmen, aber in der Realität sieht die Lage längst ganz anders aus.

Heute ist es in immer mehr Kirchen und Gemeinden sehr wohl üblich und sogar erwünscht, Meditation zu praktizieren. Auch „christliche“ Hochschulen bieten Meditationsräume, häufig sogar ökumenisch. Die Katholische Hochschulgemeinde Konstanz z.B. schreibt auf ihrer Website:

Meditationsraum der Universität Konstanz: K 328

An der Universität Konstanz gibt es einen Raum der Stille für alle, die hier arbeiten, um ihnen in der Betriebsamkeit des Hochschulalltags die Möglichkeit für eine spirituelle Unterbrechung zu geben.

Universitätsgeschichtlich waren solche Räume der Meditation früher selbstverständlicher als heute, denn nicht selten wurden die Hochschulen in Europa unmittelbar um eine Kirche oder Kapelle angelegt.

Der Verein zur Förderung der Meditation in der Evang.-Luth. Kirche e.V. in München treibt es brutal auf die Spitze, indem er folgende Absichten ganz offen äußert:

Warum Meditation fördern?

Die mystische Spiritualität ist in der derzeitigen kirchlichen Praxis in den Hintergrund geraten. Die Evangelische Kirche hat sich zu einer Kirche des Wortes entwickelt. Im Zentrum des Gottesdienstes steht die Predigt. Sie hat den Charakter der Unterweisung für die Gläubigen.

Heutzutage reichen aber vielen Menschen Worte allein nicht mehr aus, um ihre spirituelle Sehnsucht zu stillen. Sie suchen nach unmittelbarer Glaubenserfahrung und diese Suche führt zur Meditation.

Unter Meditation verstehen wir innerlich still zu werden, um sich für die letzte Wirklichkeit – für Gott – öffnen zu können. Das kann auf die unterschiedlichste Weise eingeübt werden, z.B. durch wache aufmerksame Betrachtung des Atems oder durch „innerliches Sprechen“ eines Wortes oder Namens (Mantras). Immer geht es dabei um das Finden der eigenen Mitte.

Was hat dieser fernöstliche Mantra-Okkultismus denn bitte in christlichen Kirchen zu suchen? Gibt es dafür gar einen biblischen Hintergrund? Wenn nicht, warum toleriert dann diese Kirche solchen unübersehbar esoterischen Einfluss und fördert ihn sogar noch? In seinem Flyer offenbart der Verein, wessen Geistes Kind er ist. Darin heißt es:

Es gibt viele Wege zu Gott.

[…]

Leider ist mystische Spiritualität, wie sie beispielsweise im Christentum des Mittelalters lebendig war, in der derzeitigen kirchlichen Praxis in den Hintergrund geraten. Hier sieht der Verein seine Hauptaufgabe: Meditative Übungswege weiterzugeben und wieder neu zu beleben.

Das ist absolut unbiblisch, denn die Bibel beschreibt nur einen einigen Weg zu Gott und nicht „viele Wege“. Noch krasser ist das – völlig willkürlich herausgegriffene – Angebot der katholischen Pfarrei St. Bernhard in Karlsruhe. Dort wird auf der Gemeindewebsite unter dem Titel „Spiritualität“ Esoterik pur geboten:

Exerzitien im Alltag – Gott suchen und finden in allem

[…]

Mitmachen kann jede/r, der/ die bereit ist, sich täglich eine gewisse Zeit für Meditation und Gebet freizuhalten und an den wöchentlichen Gruppentreffen teilzunehmen.

„Gott suchen und finden in allem“ ist eins zu eins die esoterische Bewusstseinslehre, von der auch Lothar Gassmann sprach – angeboten von einer „christlichen“ Kirche? Diese Gemeinde hat sogar einen eigenen Meditationsraum. Allerdings ist dies keine Ausnahme mehr, sondern offenbar längst die Regel. Fast alle Kirchen hängen inzwischen ganz stark dem Trend „Meditation“ und „moderne Spiritualität“ an, was auch immer sie wohl darunter verstehen mögen. Mit dem Gott der Bibel und seinem Wort hat das alles jedoch nichts mehr zu tun.

Aber sicher beschränken sich diese esoterischen Auswüchse nur auf die ach so böse katholische Kirche? Von wegen, selbst kleine Freikirchen – die allerdings erwiesenermaßen freimaurerischem Einfluss unterliegen – sind von diesen Einwirkungen betroffen, z.B. die Evangelisch-methodistische Kirche in Fürth berichtete über ihr Angebot:

Irische live Musik, Clownerie, Lagerfeuer, Stockbrot, Meditationsraum und Snacks waren unser Angebot. Und das Angebot wurde rege genutzt.

Auch die Einrichtungen dieser Kirche, wie etwa die „Swiss Methodist Hotels„, bieten Meditationsräume. Ob sich die Mitglieder dieser Gemeinden überhaupt dessen bewusst sind, was ihnen da untergejubelt wurde? Im Gespräch mit diesen Leuten zeigt sich immer wieder, dass die wenigsten sich darüber Gedanken gemacht haben und einfach ahnungslos einem Trend nacheifern.

Bemühen Sie einfach einmal eine Suchmaschine und suchen Sie nach „Meditationsraum“. Sie werden über das breite Angebot erstaunt sein, denn von den meisten Kirchen, vielen Heilpraktikern und Yoga-Studios, über unzählige esoterische Anbieter bis hin zu ganz offensichtlich okkultem Treiben ist alles mit von der Partie.

Wundern müssen wir uns darüber natürlich nicht, denn die „christlichen“ Kirchen und Religionen haben mit dem Glauben an unseren Schöpfer und die Bibel nur noch formal gewisse Ähnlichkeiten. Leider vermischen jedoch die meisten Nichtgläubigen diese Tatsachen und meinen, ein bibeltreuer Christ stünde gleichbedeutend auch für den kirchlichen Glauben. In der Regel ist das längst nicht mehr der Fall, da die Kirchen kaum noch weiter von dem entfernt sein könnten, was die Bibel eigentlich lehrt.

Die allermeisten Menschen in den Kirchen ahnen gar nicht, was sie da tun, wen sie in Wirklichkeit verehren und auch die Anbieter von Meditation und Co. in den Gemeinden sind sich nicht wirklich bewusst, welchem Geist sie hier folgen. Allen gemein ist jedoch, dass ihre Unwissenheit nicht Gottgegeben ist, sondern sie ganz leicht die Täuschung erkennen könnten, würden sie das Wort ihres Schöpfers einfach mal selbst studieren.

Meditation ist nur eines der vielen Elemente der Esoterik, jedoch eines der wichtigsten. In seinem Interview spricht Lothar Gassmann noch weitere Themen an, die alle für sich abendfüllend wären und daher immer nur kurz angerissen werden. Der Kern all dieser Täuschungen ist jedoch immer derselbe, wie anhand des Vergleichs mit dem Prisma klar wird.

Lassen Sie sich nicht von esoterischen Phänomenen oder irgendwelchen Bewusstseinssprüngen in 2012 in die Irre führen, denn diese ganzen Behauptungen stehen auf dünnem Eis und entstammen zumeist nur diversen Channelings. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird, der wahre Plan der Dinge hat ein absolut solides Fundament, dem Sie vertrauen können.

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