{"id":9918,"date":"2010-05-04T00:03:17","date_gmt":"2010-05-03T22:03:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wahrheiten.org\/blog\/?p=9918"},"modified":"2017-04-16T21:22:07","modified_gmt":"2017-04-16T19:22:07","slug":"wo-die-welt-noch-in-ordnung-scheint-diktatorische-moral-trotzt-der-hyperinflation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.wahrheiten.org\/blog\/2010\/05\/04\/wo-die-welt-noch-in-ordnung-scheint-diktatorische-moral-trotzt-der-hyperinflation\/","title":{"rendered":"Wo die Welt noch in Ordnung scheint: Diktatorische Moral trotzt der Hyperinflation"},"content":{"rendered":"<p>Wir kennen Simbabwe aus der j\u00fcngsten Vergangenheit als Land mit gigantischer Inflation. Inzwischen ist die eigene W\u00e4hrung verschwunden, vermutlich rein physisch in den Kochstellen der Bev\u00f6lkerung. Und mit Verschwinden der alten W\u00e4hrung scheint auch pl\u00f6tzlich das Versorgungsproblem der Menschen gel\u00f6st zu sein.<\/p>\n<p>Das Land wird &#8211; laut unseren Medien &#8211; von einem Diktator beherrscht. Bei genauerer Betrachtung kommen allerdings Zweifel auf. Ist Pr\u00e4sident Robert Mugabe vielleicht einfach nur zu wenig Gutmensch, gemessen an unserem verkorksten Weltbild?<!--more-->Erinnern Sie sich noch an die unglaublichen Inflationszahlen und die vielen Nullen auf den Geldscheinen des Simbabwe-Dollars? Im <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,604974,00.html\">Spiegel<\/a> wurde am 02.02.2009 \u00fcber die Streichung vieler &#8222;Nullen&#8220; berichtet:<\/p>\n<blockquote><p>Im Kampf gegen die millionenfache Hyperinflation hat Simbabwes Zentralbank am Montag die Streichung von zw\u00f6lf Nullen bei der Landesw\u00e4hrung bekanntgegeben. Mitte vergangenen Jahres hatte sie bereits zehn Nullen gestrichen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist vorbei. Die alte W\u00e4hrung ist wertlos geworden und wird wie Altpapier behandelt. Jede Papiergeldw\u00e4hrung ist im Grunde nichts anderes als Altpapier, nur die Menschen akzeptieren sie als etwas Werthaltiges, bis, ja bis berechtigte Zweifel daran aufkommen. So geschieht es gerade mit dem Euro.<\/p>\n<p>Unsere Mitb\u00fcrger im In- und Ausland, die ebenfalls den Euro als gesetzliches Zahlungsmittel verwenden, werden fast t\u00e4glich skeptischer gegen\u00fcber unserer W\u00e4hrung. So f\u00e4ngt ein W\u00e4hrungszusammenbruch immer an, das Vertrauen ins Geld sinkt. Denken Sie an das Kartenspiel &#8222;Schwarzer Peter&#8220;, bei dem man eine Karte loswerden will und sie am Ende des Spiels nicht mehr besitzen sollte. Auch den Euro sollte man am Ende dieses realen Spieles besser nicht mehr in der Tasche haben.<\/p>\n<p>Was geschah in Simbabwe, nachdem deren W\u00e4hrung nun endg\u00fcltig zusammenbrach? Es ging aufw\u00e4rts, die Regale in den Superm\u00e4rkten waren wieder voll und die Preise f\u00fcr Lebensmittel sanken, so die <a href=\"http:\/\/www.az.com.na\/afrika\/neue-whrung-alte-probleme-simbabwe-dollar-abgeschafft.83467.php\">Allgemeine Zeitung<\/a> am 14.04.2009:<\/p>\n<blockquote><p>In Simbabwe ist in den letzten Wochen etwas Bemerkenswertes passiert: Die zu Jahresbeginn noch leeren Regale in den Superm\u00e4rkten haben sich mit Waren gef\u00fcllt. Zeitgleich sinken die Preise der Lebensmittel, nachdem sie sich noch vor zwei Monaten fast t\u00e4glich verdoppelt hatten. Vor Banken, Tankstellen und B\u00e4ckereien schwinden die Warteschlangen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Welch interessante Wendung, nachdem die Inflationsrate in Simbabwe im Sommer 2008 noch bei etwa 230 Milliarden Prozent lag. Wie aus dem Nichts tauchten nun pl\u00f6tzlich \u00fcberall US-Dollars auf, sogar die Regierung bezahlte ihre Staatsbeamten auf einmal mit den gr\u00fcnen Banknoten. In Anbetracht der extrem hohen Arbeitslosigkeit von 80-90% deutete dies alles auf eine enorme Schattenwirtschaft hin, so die Allgemeine Zeitung weiter.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich waren mit der Einf\u00fchrung des US-Dollars l\u00e4ngst nicht alle Probleme gel\u00f6st, beispielsweise wurden die Preise f\u00fcr Telefon und Strom massiv erh\u00f6ht. Dennoch zeichnet sich ein gro\u00dfes Potenzial an &#8222;Aufschwung&#8220; ab. Bei <a href=\"http:\/\/boersenradar.t-online.de\/Aktuell\/Boerse\/Simbabwes-Wirtschaft-wartet-auf-Mugabes-Abgang-22119742.html\">T-Online<\/a> wurde gerade ein Jahr sp\u00e4ter am 26.04.2010 gar von &#8222;Bl\u00fchenden Landschaften&#8220;, bedingt durch eine &#8222;wachsende, konsumfreudige Mittelschicht&#8220;, gesprochen:<\/p>\n<blockquote><p>Bl\u00fchende Landschaften nach dem wirtschaftlichen Kollaps.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Im Februar 2009 wurde die Landesw\u00e4hrung offiziell abgeschafft und die gesamte Wirtschaft dollarisiert. Seitdem sei die Inflation kein Thema mehr und die Warenregale sind wieder voll &#8211; genau wie nach der W\u00e4hrungsreform in Deutschland. [&#8230;] Ein weiterer positiver Effekt: Alle Schulden, die im Land in Simbabwe-Dollar bestanden, seien durch die W\u00e4hrungsreform verschwunden.<\/p><\/blockquote>\n<p>W\u00e4re das nicht toll, wenn auch bei uns schlagartig alle Schulden verschwunden w\u00e4ren? Sicherlich. Aber die Medaille hat noch eine Kehrseite, denn gleichzeitig mit den Schulden verschwinden auch alle Geldverm\u00f6gen. Das ist zwingend und logisch, weil unser <a href=\"\/blog\/geld-luege\/\">ungedecktes Geld<\/a> erst durch Kreditvergabe gesch\u00f6pft wird. Ohne Schulden gibt es auch kein Geld.<\/p>\n<p>An Simbabwe wird \u00fcberdeutlich sichtbar: Nur reale G\u00fcter \u00fcberleben eine W\u00e4hrungsreform. Alles an Geldtiteln wird dabei vernichtet und liegt am Ende im wahrsten Sinne des Wortes als Altpapier auf der Stra\u00dfe und in den M\u00fclltonnen.<\/p>\n<p>Bedeutet das nun zwangsl\u00e4ufig, dass es bei uns genauso ablaufen wird? Das kann niemand voraussagen, denn wie eine W\u00e4hrungsreform abl\u00e4uft, wird willk\u00fcrlich von den Herrschenden festgelegt. Die Staatsschulden werden gel\u00f6scht, was einem Staatsbankrott gleichkommt. Was mit den privaten Schulden geschieht, ist immer ein gro\u00dfes Risiko. Besser, man hat keine und besser, man hat auch nur wenig Verm\u00f6gen in Euro- und Papiergeldw\u00e4hrung angelegt.<\/p>\n<p>In den <a href=\"http:\/\/www.westfaelische-nachrichten.de\/lokales\/kreis_borken\/region_bocholt\/1308875_Turbulente_Zeit_in_Simbabwe.html\">Westf\u00e4lischen Nachrichten<\/a> vom 25.04.2010 erz\u00e4hlte ein Ehepaar aus Bocholt \u00fcber seine Erlebnisse der vergangene Jahre in Simbabwe:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eMit Taschen und S\u00e4cken voller Geld sind wir einkaufen gegangen\u201c, berichtet Lange. \u201eVorher haben wir die Scheine gez\u00e4hlt und geb\u00fcndelt, sonst h\u00e4tten wir an der Kasse ewig gebraucht.\u201c Die Hausangestellte und den G\u00e4rtner h\u00e4tten sie zum Teil mit Naturalien bezahlt, weil der Simbabwe-Dollar zu schnell an Wert verlor.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Die L\u00e4den seien zeitweise leer gewesen, berichtet Weisensee und zeigt entsprechende Fotos.<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>\u201eDas Hauptnahrungsmittel in Simbabwe ist Maismehl. [&#8230;] \u201eAber es gab Zeiten, in denen es noch nicht einmal das Maismehl gab.<\/p><\/blockquote>\n<p>Naturalien zum \u00dcberleben sind eben wichtiger als Geld, das ist die Realit\u00e4t. Daraus resultierte wohl auch die gute Laune der B\u00fcrger. Es geht aber leider vielen heutigen &#8222;Untergangspropheten&#8220; bei ihrer Verm\u00f6gensumschichtung in erster Linie um zuk\u00fcnftigen Reichtum, den sie durch Kauf von Edelmetallen erzielen wollen. Wer unbedingt meint, damit endg\u00fcltig gl\u00fccklich zu werden, der soll das tun.<\/p>\n<p>Diejenigen, welche einfach nur ihr weniges Hab und Gut in Form von kleinen Sparguthaben oder Lebensversicherungen gegen den vollst\u00e4ndigen Verlust durch eine W\u00e4hrungsreform <a href=\"http:\/\/www.shop.midainvest.net\/index.php?flz_ref=http%3A%2F%2Fwww.wahrheiten.org\">absichern<\/a> wollen, handeln mit der besseren Absicht. Wer diese Art von Grundvorsorge im Wissen um die kommende Finanzkatastrophe jedoch nicht betreibt, handelt grob fahrl\u00e4ssig. Nicht Gier, sondern Verantwortung sollte uns in der kommenden Zeit &#8211; bzw. grunds\u00e4tzlich immer &#8211; leiten.<\/p>\n<p>Wer etwas zum Tauschen oder Handeln besitzt, der steht im Ernstfall ganz einfach besser da als derjenige, der sein Verm\u00f6gen den Banken anvertraut hat. Simbabwe demonstriert diese Tatsache sehr eindr\u00fccklich. Der Bauer in der Nachbarschaft wird Ihnen eher Kartoffeln f\u00fcr ein wertvolles St\u00fcck Silber geben als f\u00fcr einen Stapel farbigen Papiers.<\/p>\n<p>Ein seltsames Ph\u00e4nomen ist trotz der exorbitant hohen Arbeitslosigkeit in Simbabwe zu beobachten. Laut <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/international\/:exekutionen-unmoeglich-simbabwe-findet-keinen-scharfrichter\/50100493.html\">Financial Times Deutschland<\/a> vom 14.04.2010 findet sich kein Scharfrichter im Lande:<\/p>\n<blockquote><p>Simbabwes Todeskandidaten warten seit Jahren auf ihre Hinrichtung. Schuld ist nicht die Justiz &#8211; es findet sich einfach niemand f\u00fcr den Job.<\/p>\n<p>Einschl\u00e4gige Erfahrung? W\u00e4re gut, muss aber nicht sein. Lese- und Schreibkenntnisse? Nicht n\u00f6tig. Eine gewisse Fingerfertigkeit soll der Bewerber mitbringen. Und eine ausgepr\u00e4gte Kaltbl\u00fctigkeit. Alles Weitere l\u00e4sst sich schnell von den Kollegen lernen.<\/p><\/blockquote>\n<p>50 Todeskandidaten warten im knapp 12 Millionen Einwohnerstaat auf ihre Hinrichtung. Diese Zahl und die vergebliche Suche nach einem Henker passen so gar nicht in das Bild einer angeblichen Diktatur. Auch die folgenden Punkte aus <a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1269449650524\/Gesetz-gekippt-Simbabwe-gibt-Nationalisierung-der-Wirtschaft-auf\">der Standard<\/a> vom 14.04.2010 geben Anlass zum Nachdenken:<\/p>\n<blockquote><p>Ein Gesetz, demzufolge alle Firmen k\u00fcnftig mindestens zu 51 Prozent schwarzen Simbabwern geh\u00f6ren m\u00fcssen, sei von der Koalitionsregierung f\u00fcr &#8222;null und nichtig&#8220; erkl\u00e4rt worden&#8230;<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>Das Gesetz geht auf eine Initiative des international ge\u00e4chteten Pr\u00e4sidenten Robert Mugabe zur\u00fcck. Geplant war, dass gr\u00f6\u00dfere Unternehmen nicht mehr von Wei\u00dfen oder Asiaten dominiert werden d\u00fcrfen. [&#8230;]<\/p>\n<p>Mugabe hatte die weitgehende Enteignung der wei\u00dfen Farmer durchgesetzt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Initiative von Mugabe klingt stark nach dem Versuch, sich aus den F\u00e4ngen des Westens befreien zu wollen, indem die einheimischen Unternehmen nicht durch ausl\u00e4ndische Firmen kolonialisiert werden sollen. Aus Sicht der westlichen M\u00e4chte muss Mugabe dann nat\u00fcrlich ein Diktator sein, denn er versucht die &#8222;\u00dcbernahme&#8220; durch das Ausland zu verhindern. War nicht auch Deutschland einmal aus diesem Grunde im Visier eines Weltkrieges?<\/p>\n<p>Mugabe scheint zudem nicht an der bei uns schon seit Jahrzehnten grassierenden Massenkrankheit zu leiden: Der toleranten und Kultur-zerst\u00f6renden Gutmenschlichkeit. Seine in <a href=\"http:\/\/www.pride1radio.com\/index.php\/pride1aktuell\/1209-simbabwe-homosexualitaet-gefaehrdet-zusammenhalt-der-nationen\">Pride1Radio<\/a> vom 05.04.2010 zitierte \u00c4u\u00dferung l\u00e4sst eindeutig darauf schlie\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Bei einem Fest anl\u00e4sslich des Frauentages bezeichnete Mugabe Homosexualit\u00e4t als &#8222;Idiotismus&#8220; und &#8222;Irrsinn&#8220;, der den Zusammenhalt der Nation gef\u00e4hrden k\u00f6nne, so eine Meldung des Infomagazins \u201eGGG.at\u201c.<\/p>\n<p>Wer sich der Homosexualit\u00e4t ergibt, vernichtet die nationale Einheit&#8220;, so der Pr\u00e4sident. Gleichgeschlechtliche Liebe sei eine &#8222;ausl\u00e4ndische Praxis\u201c, die in sein Land importiert wurde, sagte er weiter.<\/p><\/blockquote>\n<p>Sogar Mugabes eben erw\u00e4hnter st\u00e4rkster Konkurrent Tsvangirai sprach sich in gleicher Weise gegen die Homosexualisierung seiner Gesellschaft aus. Er fragte sich, warum man sich nach M\u00e4nnern umschauen solle, wo doch 52% der Bev\u00f6lkerung Frauen seien und es &#8222;so wenige M\u00e4nner&#8220; g\u00e4be.<\/p>\n<p>Ein seltsamer Diktator, der sein Land offensichtlich vor dem Ausverkauf und der Ausbeutung durch ausl\u00e4ndische Konzerne sch\u00fctzen will und anscheinend auch h\u00f6here moralische Werte besitzt, als die meisten unserer westlichen Politiker.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir kennen Simbabwe aus der j\u00fcngsten Vergangenheit als Land mit gigantischer Inflation. Inzwischen ist die eigene W\u00e4hrung verschwunden, vermutlich rein physisch in den Kochstellen der Bev\u00f6lkerung. 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