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Mercedes-Benz fordert staatliche Hilfe – zehntausende Arbeitsplätze in akuter Gefahr

In einem Telefongespräch mit der Zentrale des LKW-Werks von Mercedes-Benz in Wörth erhielt ich – neben der Bestätigung einiger mir bereits bekannten dramatischen Zahlen – noch weitere interessante Informationen über die aktuelle Lage.

Insgesamt kann man von einer massiv angespannten Situation sprechen, welche sehr wahrscheinlich gerade eskaliert. Entsprechende Pressemeldungen der vergangenen Tage lassen dies stark vermuten.

Gibt es hier demnächst die ersten Massenentlassungen?

Das LKW-Werk von Mercedes-Benz in Wörth am Rhein beschäftigt etwa 11.000 Mitarbeiter. Bedingt durch die aktuelle Lage gibt es bis Ostern noch 4 und nach Ostern bis Ende April weitere 4 Brückentage.

Das Werk befindet sich zudem derzeit in Kurzarbeit. Laut Zentrale wäre diese Situation andererseits jedoch auch gut, da in der letzten Zeit bis Ende 2008 die Produktionsauslastung so groß war, dass die Mitarbeiter eine gewisse Pause brauchen würden. Das würde auch mal gut tun – solange es keine Dauerlösung wird.

Die LKW-Produktion der Typen ATEGO, ACTROS, AXOR, UNIMOG und ECONIC betrug Ende 2008 noch insgesamt 432 Stück pro Tag. Über Monate wurden auch am Samstag Schichten gefahren und Sonntagabends mit bestimmten Arbeiten begonnen, also fast ein 7-Tage-Betrieb.

Genau seit dem Beginn der sichtbaren Finanzkrise im September 2008 brach die Anzahl der Bestellungen derart massiv ein, dass die aktuellen Bestellzahlen bei teilweise weniger als 10 LKW pro Tag lagen. Das entspricht einem Einbruch von 97% – gibt es einen anderen Bereich, der das noch toppt?

Grund für diesen massiven Einbruch liegt in der fehlenden Finanzierungsmöglichkeit – keine Kredite bedeutet auch keinen Kauf von LKW. Dies wird klar bei einem typischen Preis von rund 80.000 €. Wer kann das schon bar aus der Firmenkasse bezahlen?

Die tägliche Produktion liegt derzeit bei etwa 280 LKW. In Anbetracht der Bestellzahlen wird klar, dass hier massiv auf Lager gebaut wird. Sowieso schon sind ständig 6.000 LKW ab Lager verfügbar in den gängigsten Modellen – man schaue sich nur einmal die Luftaufnahme des Werksgeländes an. Sonder- oder Wunschmodelle haben dagegen in etwa eine Lieferzeit von 5-6 Monaten.

Wörth hat den Vorteil, dass alle obigen Typen dort gebaut werden, alles Modelle ab 7,5 Tonnen. Daher kann der Einbruch ein bisschen ausgeglichen werden, zumal UNIMOG noch gute Verkaufszahlen habe. Die kleineren LKW-Modelle unter 7,5 Tonnen werden in Bremen produziert, beispielsweise die Sprinter. Für diese gibt es noch eine hohe Nachfrage. Ebenfalls die Busproduktion in Mannheim „geht noch“ nach Aussagen der Zentrale.

Interessant ist auch der Anteil des Exportes. Nur 13% der LKW werden in die BRD verkauft, der Großteil geht ins Ausland. Früher wurden beispielsweise noch sehr viele Fahrzeuge in den Irak und den Iran verkauft, das wäre heute komplett weggefallen.

Der Einbruch mache zudem Zulieferern wie Bosch und Becker ebenfalls zu schaffen. Im eigenen Unternehmen müsse man noch niemanden entlassen – abgesehen von den 900 Zeitarbeitskräften Ende 2008. Man würde die Mitarbeiter in den Ruhestand schicken, sofern das möglich wäre.

Der Mitarbeiter der Zentrale meinte zudem, dass es in seiner 30jährigen Betriebszugehörigkeit immer wieder auf und ab ging und er davon ausgehe, dass in einem halben Jahr die Nachfrage wieder deutlich anziehen werde. In der PKW-Produktion in Stuttgart, in der 44.000 Menschen arbeiten, sähe es dagegen noch viel schlimmer aus, denn wer könne sich heute noch ein Auto für 80-90.000 € leisten?

Man hörte ihm deutlich die Hoffnung an, dass es bald wieder aufwärts gehen würde. Immerhin wären die Bestellzahlen auch wieder etwas angestiegen in den letzten Wochen.

Der Vorstand von Mercedes indes dürfte die Lage realistischer einschätzen. Nicht ohne Grund wurden am 22.2.2009 Forderungen aus Stuttgart laut, für Nutzfahrzeuge ebenfalls staatliche Fördergelder ähnlich der Abwrackprämie anzubieten:

Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Andreas Renschler hat einem Zeitungsbericht zufolge staatliche Fördergelder auch für Lastwagenkäufer gefordert.

„Ich könnte mir vorstellen, dass ein Anreiz in der gleichen Größenordnung wie beim Pkw, also etwa zehn Prozent des Anschaffungspreises, Kaufimpulse setzen würde“, sagte Renschler der Münchner Wirtschaftszeitung „Euro am Sonntag“.

Ich finde das immer ziemlich krass, dass hier nicht von „Bitten“, sondern von „Forderungen“ gesprochen wird. Welches Recht bitte haben diese selbstherrlichen CEOs, etwas zu fordern? Es geht um Steuergelder von uns Bürgern und wenn, dann kann man darum höchstens bitten oder betteln – aber nicht fordern!

Anhand der „Ideen“ von Rentschler sieht man, dass er im Panikmodus arbeitet:

Renschler sagte, neben staatlichen Kaufanreizen könnten „verbesserte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten, aber auch die Unterstützung von Technologieentwicklungen oder eine Förderung für den Einbau modernster Fahrzeugsicherheitssysteme helfen“.

Gleichzeitig plädierte Renschler gegenüber der Wirtschaftszeitung für eine „befristete Aussetzung der jüngsten Mauterhöhung“.

Daimler hat wohl Angst vor dem Bankrott seiner Zulieferer. Fallen wesentliche Elemente der ausgelagerten Produktion aus, ist natürlich auch Schicht im Schacht bei Daimler selbst. Dazu muss der Gigant selbst noch gar nicht in Existenznöten stecken – trotzdem könnte es für ihn den Tod bringen.

Die Lage von Mercedes bzw. Daimler zeigt, dass wir uns bereits in stark fallendem Sturzflug befinden. Wann kommt der Aufprall? Ich weiß schon, wie es die Medien betiteln werden:

Völlig unerwarteter Zusammenbruch eines Großunternehmens…

Total unerwartet, niemand hatte es kommen sehen, keiner hat damit gerechnet – drum lasst schnell den Staat einspringen. Darauf kommt es bei den paar Milliarden jetzt auch nicht mehr an. Und wo wir gerade dabei sind – MAN geht es auch nicht gut…

5 Kommentare zu “Mercedes-Benz fordert staatliche Hilfe – zehntausende Arbeitsplätze in akuter Gefahr

  1. Pingback: blog von mattin
  2. @Mercedes-Benz fordert staatliche Hilfe
    Klar – warum sollen die Finanzinvestoren auch eigene Gegenleistung erbringen, wenn sie das Geld auch so erhalten.
    Politiker, Gutachter und Medien sind eh unter Kontrolle, kosten also zur Unterfütterung nichts zusätzlich.
    Da noch Gegenleistungen für das Geld zu erbringen, würde den Prinzipien kapitalistischer Gewinnmaximierung nicht entsprechen.
    mfg zdago

  3. Ich hatte zwei Pleiten mit Handwerksbetrieben und habe die Schulden mit Lohnsklavenarbeit abgezahlt.

    Ich hatte keinen Schlips und keinen Anzug auf der Arbeit an, das war mein Problem und ist mir heute klar.

    Als ehrenwerter Sklavenhalter kann man sich einen Anzug leisten, kann auf Arbeit verzichten und lässt sich die Finger maniküren.
    Dicke Aristokraten sind die Leibgarde.

    Meine speziellen Dank an:
    -Krankenkasse
    -Handwerkskammer
    -GEZ
    -Schornsteinfeger
    -Müllmafia
    -und die ganzen Beamtenkletten die für jedes popelige Formular mehr verdienen als ich den ganzen Tag.

    Unsere Werte werden uns durch das TV vermittelt.
    Alle sind Ultraverstrahlt und brauchen unserer Hilfe.

  4. Hallo zusammen,
    ich war selbst bei Mercedes Benz als PKW Verkäufer beschäftigt in der Zeit von 2002 – 2005. Ich bin damals vom Glauben abgefallen als ein gewisser Herr Schremp bei der Hauptversammlung in Berlin den Aktionären sowie allen anwesenden mitteilte, dass er (Schremp) 2 Milliarden in den Sand gesetzt hat und immer noch da steht – unglaublich. In den großen Niederlassungen sind welche entlassen worden, weil sie irgendwelche Führungspersönlichkeiten nicht gegrüßt haben – das kann doch alles nicht sein und bei der Modell politik bin ich in Lachanfällen verfallen wie Daimler verkündet hat, dass man stolz ist jetzt Hybrid anschieben zu wollen – In der S – Klasse ab 2009. Das ist auch bestimmt der richtige Wagen für jedermann und ich prophezeite damals: Wenn Ihr so weitermacht bekommt ihr in ein paar Jahren richtig große Probleme und siehe heute. Und wehe wenn ein Mitarbeiter den Stern nicht eingraviert in der Stirn hat. Soviel dazu – ich habe kein Mitleid mit denen. Gruß an alle

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