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Die „Ossis“ haben den besseren Durchblick

Gut, bezogen auf Luxus-Limousinen trifft das nicht ganz zu. Diese kleinen „Rammmmmmm-dammm-dammm-dammm-PENG“-Autos waren zwar so begehrt, dass man um die 15 Jahre darauf warten musste, aber die Nachfrage rührte nicht von der Qualität oder der komfortablen Ausstattung.

Es gibt jedoch einen wesentlichen Vorteil, den unsere Mitbürger von „drüben“ – wie man vor 20 Jahren so liebenswürdig meinte – haben:

Sie wussten, dass sie im großen Stil belogen wurden. Zumindest viele wussten das. Wodurch? West-Fernsehen.

Haben Sie schon mal West-Fernsehen gesehen? Wie, Sie verstehen die Frage nicht? Sie sehen das jeden Abend? Nun, wir im Westen haben das Fernsehen konsumiert, wir hatten keinen Vergleich. Für uns war – und ist – das Fernsehen Maß der Dinge.

Für die damaligen Bewohner der DDR war das West-Fernsehen eine Mischung aus Unwirklichkeit, Wunschtraum und propagandistischem Feindbild, v.a. natürlich in Bezug auf die Konsum-Möglichkeiten.

Meine Familie hatte seit Anfang der 80er Jahre eine befreundete Familie im Osten, die wir damals vor der Maueröffnung immer wieder besucht haben. Sie kannten das West-Fernsehen und erzählten uns immer, wie gut es uns doch ginge und wie toll es doch im freien Westen sein müsse. Nun klar, im Vergleich muss das einfach so gewirkt haben. Sie wussten also, dass es zwei Wahrheiten gab: Die eine wurde ihnen antrainiert und die andere sahen sie heimlich.

Umgekehrt haben wir uns im Westen nie Gedanken darüber gemacht, ob unser Fernsehen, unser Weltbild tatsächlich der Realität entspricht. Es wurde nie in Frage gestellt, im Gegenteil, wir erleben es nun schon 20 Jahre länger als die Ostdeutschen und die wenigsten denken überhaupt noch darüber nach.

Das ist meiner Ansicht nach auch der Grund, warum es den meisten Wessis nicht möglich ist, unser System grundsätzlich überhaupt in Frage zu stellen. Die meisten Menschen hier fragen nur zurück, warum sie etwas in Frage stellen sollten. Die Medien wären doch frei und wir würden doch in einem freien Land leben – natürlich, in einem freien Land auf einer flachen Erde, die in Wirklichkeit eine Scheibe ist.

Meine Erfahrung ist, dass unsere ostdeutschen Mitbürger daher zum Großteil viel wachsamer und offener sind, was Politik und Medien angeht. Sie lebten in der DDR häufig in ständigem Misstrauen und waren dadurch in der Lage, die Dinge zu unterscheiden. Diese Fähigkeit kommt ihnen heute zu Gute, denn so durchschauen sie unsere verlogene Westpropaganda.

Kommt die nächste Revolution also wieder von den Ossis?

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9 Kommentare zu “Die „Ossis“ haben den besseren Durchblick

  1. Ja, es wird eine Revolution geben. Denn alle Zeit hat ein Maß. Und das ist voll. Noch nie hat ein Reich 1000 Jahre gehalten. Sobald eine kritische Masse erreicht ist, wird es beginnen. Dazu braucht es weder Kommunisten noch Kapitalisten. Noch sonstige selbsternannte Genies. Es beginnt von selbst. Freuen wir uns darauf.

  2. Die Ossis haben den besseren Durchblick? Würde ich nicht so sagen, denn es hat sich vieles im Osten verändert nicht nur graue Fassaden sind neu gestaltet wurden sondern auch das Denken und Handeln vieler Ossis hat sich verändert sie haben sich sehr schnell dem Westdeutschen Lebensstil angepasst und denken, das die Medien heute nur noch die pure Wahrheit schreiben oder über die Mattscheibe flimmern lassen.

    Die nächste Revolution wird es nicht geben und schon gar nicht aus dem Osten, die Charaktereigenschaft seinem Gegenüber nichts zu gönnen ist im Osten inzwischen weiter verbreitet als im Westen. Also wird wohl der Wessi mal ran müssen.

  3. Ich lebe seit 26 Jahren im Westen und bis zum 11. September 2001 hatte ich mein heiles Weltbild von der einzigen und seligmachenden Gesellschaftsordnung. Doch lief am 11.9. bekanntlicherweise einiges etwas seltsam ab und wenn der Ossi einmal mißtrauisch wird, beginnt er zu wühlen. Und Dank des Internets wurde ich dann auch fündig. Der Höhepunkt war erreicht, als die Amis in den Irak einfielen und ich in ein großes, schwarzes Loch. Mein Weltbild ist also 2 Mal zusammengebrochen und ich habe es überlebt. Als ich das DDR-Regime durchschaute war das nicht so tragisch. Da gab es ja noch den Westen, an den man sich hoffnungsvoll klammern konnte. Aber beim 2. Mal tat das schon richtig weh, denn da war nichts mehr. Und alles formte sich neu und schloß sich zu einem klaren und logischen Kreis zusammen. Ich verstehe heute nur zu gut, wenn die meisten Menschen sich vor der Wahrheit schützen und lieber beide Augen zu machen und den Kopf in den Sand stecken. Nehmt mir bitte nicht mein heiles Weltbild weg. Ich kann es verstehen, aber ich kann es nicht tolerieren. Denn das Erwachen wird für viele schrecklich sein.

    Gruß aus Augsburg

    PS: Über Mozilla Firefox bekomme ich beim Abschicken eine Fehlermeldung. Probiere es mit dem IE.

  4. Es tut mir leid, aber ich sehe die Sache etwas anders. Das die Ostdeutschen den besseren Durchblick haben möchte ich stark anzweifeln. Meine Erfahrung sit leider eine andere als Deine. Ich erfahre eher das Gegenteil. Von Wachsamkeit und kritischer Betrachtungsweise verspüre ich in letzter Zeit bei den Ostdeutschen immer weniger.

    Nur weil sie aus enttäuschten Wohlstandshoffnungen nun die DDR glorryfizieren sind sie noch lange nicht kritisch. Es ist eher traurig, auf welchem geistigen Niveau sich Ostdeutschland derzeit befindet.

    Es hat nichts mehr mit den philpsophischen Rotweinrunden der Wendezeit zu tun. Heute prägen MDR und Superillu das Bild.

  5. Ja Blimp, das ist der Jammer-Ossi, den Du beschreibst. Es gibt eben solche und solche. Trotzdem glaube ich, dass Ossi von Natur aus neugieriger, wißbegieriger und offener ist als der Wessi.

  6. Nun dirk, eventuell sehe ich die Sache tatsächlich etwas einseitig. Aber als weggegangener Ossi nimmt man das Zurückbleiben der Anderen, manchmal zu wörtlich.

  7. Der Ossi is nur ein Wessi zweiter Klasse. Aber er jammert nicht, er meckert. Und man kann es ihm nicht verübeln. Solange er für mehr Arbeit weniger Geld bekommt, wird er allem neuen und bunten misstrauischer gegenüberstehen als sein westdeutsches Pendant.
    Ich muss auch zugeben, dass sie über ein breiteres Allgemeinwissen als wir. Ich finde es schon ziemlich peinlich, wenn einer meiner Mitwessis einen Ossi fragt:
    1. wie dort Weihnachten gefeiert wird?
    2. ob es dort auch Druckspülkästen gibt?
    3. ob Magdeburg in Thüringen liegt oder die Hauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern ist oder Brandenburg die Hauptstadt von Brandenburg?

    Das schreibe ich ohne zu übertreiben. So geschieht es jeden Tag. In 18 Jahren hat sich kaum einer von uns die Mühe gemacht mal rüber zu fahren, aber trotzdem wissen wir alle bestens über den Osten bescheid. Was wird der Ossi dabei über uns denken? Red du nur.

  8. hey.. ich bin ossi und denke der höhere grad der wachheit junger im osten lebender menschen ist in vielen Fällen, auf die eltern zurück zu führen. so bekam ich und viele meiner freunde vorgelebt, den status quo zu kritisieren und darüber zu schimpfen, machthaber skeptisch zu beäugen und politische ereignisse zu reflektieren. es war einfach gängiger standart. die menschen waren einfach viel wacher und hatten den blick für die ungetrübte realität. man war zumindest über die schwächen und nachteile des systems klar informiert. die vorteile wurden erst sichtbar als der kapitalismus mit erbarmungsloser kraft über die ostdeutschen industrien fegte und sie in zum teil unfähige westdeutsche hände übereignete, welche es im westen zu nichts gebracht hatten. heute ist es genau umgekehrt, die masse denkt sie kennt die realität und lebt in ihr, was wie wir wissen nur eine theaterinzinierung ist. erst der vergleich macht stärken und schwächen sichtbar. meine eltern sind heute wacher als jemals zuvor

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