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Der gläserne Großmarkt-Kunde

Sind Sie Kunde beim Großmarkt, der so heißt wie die U-Bahn in London? Dann haben Sie einen großen Vorteil: Sie können bis zu 10 Jahre nach einem Einkauf zum Großmarkt gehen und dort – vermutlich mit gewissen Aufwänden – nochmals ihre alte Rechnung einsehen. Vielleicht wollen Sie ja wissen, was Sie damals gekauft haben.

Aber dieser Vorteil ist nicht nur einseitig: Auch Kollege Wolfgang S. aus Berlin kann – mit Sicherheit – diese Einkaufslisten einsehen lassen, selbstverständlich ohne Ihr Einverständnis.

Irgendwie bekommt man da ein mulmiges Gefühl, wenn man weiß, dass die Einkaufliste beim Händler 10 Jahre lang gespeichert wird, ja sogar gespeichert werden muss. So zumindest der Datenschutzbeauftragte des oben genannten Unternehmens.

Gut, Sie fragen sich jetzt, was juckt mich das, ob Wolfgang S. sieht, was ich vor 2 Jahren eingekauft habe? Na stellen Sie sich einfach vor, Sie geben auf Ihrer Steuererklärung etwas an, was durch diese Großmarktrechnung eindeutig widerlegt werden könnte. Oder aber nach dem bevorstehenden Finanzcrash will jemand prüfen, wer sich denn im Vorfeld mit Lebensmittelvorräten eingedeckt hat, also Hamsterkäufe gemacht hat.

Selbst wenn Sie diese Tatsache einmal ohne Paranoia betrachten, auf Basis von mehrjährigen Einkaufslisten lassen sich unglaublich detaillierte Profile von Ihnen und anderen Kunden erstellen. Persönliches Marketing, genau auf Sie abgestimmte Angebote sind möglich. Macht Ihnen nichts aus? Was wenn Ihre Mitarbeiter oder Ihr Chef diese Informationen hätten, auch kein Problem? Ihre Frau, Ihr Mann? Ihr Nachbar? Ihr Wettbewerber?

Wer glaubt, dass dies nur beim obigen Großmarkt so ist, der irrt. Bezahlen Sie Ihren Einkauf in Supermärkten meistens mit EC-Karte? Diese Märkte haben zwar keine offizielle Kundenkartei von Ihnen, weil dort jeder ohne Gewerbeschein einkaufen kann. Aber EC-Karten können ebenfalls absolut eindeutig zugeordnet werden, Ihr Name und Ihre Bankverbindung genügen dafür schon. Da das Finanzamt ja durch die neue persönliche Steuernummer sowieso alle elektronischen Geldtransfers einsehen und überwachen kann, ist das ein vollkommen transparentes System. Grüße an George Orwell, der würde blass werden (Orwell starb 1950, warum ahnte er das damals eigentlich alles schon?)

Vielleicht gehen Sie ja jetzt gleich zur Bank und holen sich Bargeld, damit Sie in Zukunft im Supermarkt lieber in Bar bezahlen können? Das hat auch den Vorteil, dass man nicht so viel Geld ausgibt, wenn man das Geld aus dem Geldbeutel nehmen und abzählen muss.

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