In der Zwickmühle: Führt Palästinafrage zu Krieg oder Krieg?

21. September 2011 | Autor Wahrheiten.org | Kategorie Politik

Für den wenig Informierten stellt sich die Situation im Nahen Osten vermeintlich einfach dar, doch in Wahrheit ist sie äußerst verzwickt und brandgefährlich. Der Poker um den Antrag der Palästinenser am 23.09.2011 bei der UN-Vollversammlung sorgt derzeit für große Hektik in der Weltpolitik.

Warum ist es so schwierig, eine klare Grenze zwischen Israel und Palästina zu ziehen und beiden ein Recht auf einen eigenen Staat zu ermöglichen? Ganz einfach, weil es gar keine richtigen Grenzen mehr gibt, sondern nur eine Art Flickenteppich. Video in neuem Fenster ansehen [1]Video gelöscht?

Der Kern des Problem besteht darin, dass die Palästinenser über gar kein eigenes Staatsgebiet verfügen, denn bevor Israel 1948 das Land seiner Urväter wieder einnahm, gehörte es keinesfalls dem palästinensischen Volk [2]. 1967 wurden die übrigen Gebiete im Sechstagekrieg hinzugewonnen. Und inzwischen sind diese Gebiete im Westjordanland von zahlreichen israelischen Siedlungen durchzogen, es wurde ja immerhin erobert.

Eine Anerkennung von Palästina als Staat käme einer rückwirkenden Kapitulation von Israel und einem Verzicht auf die Eroberung gleich. Wozu hätten sie dann noch den Sechstagekrieg geführt?

Einmal davon abgesehen, dass ein friedliches Zusammenleben zwischen Israel und Palästina noch längst keine Akzeptanz des jüdischen Staates in der Region bedeuten und früher oder später weitere Konflikte provozieren würde, was soll denn mit den 350.000 israelischen Siedlern im Westjordanland geschehen? Die Palästinenser würden diese hochkant hinauswerfen und vertreiben, sobald ihnen das Staatsrecht offiziell anerkannt würde.

Ständig wird davon gesprochen, dass eine Zwei-Staaten-Lösung nur über Verhandlungen erreicht werden könnte. Doch wie soll diese aussehen? Zum einen müssten die Palästinenser von ihrer Forderung, das gesamte Westjordanland und den Gazastreifen besitzen zu wollen, Abstand nehmen, was sie aber überhaupt nicht wollen.

Zum anderen bedeutet ein Kompromiss für Israel einen erheblichen Nachteil, da selbst im günstigsten Fall noch immer große Teile der neuen Siedlungen geräumt werden müssten. Das ist verständlicherweise inakzeptabel für Israel, denn genausowenig haben die Russen die DDR nach dem Krieg geräumt oder Frankreich das Elsass an die BRD zurückgegeben.

Moment, das Deutsche Reich hat doch schließlich den Krieg verloren, natürlich kann dann Frankreich das Elsass für sich beanspruchen. Nun, warum sollte dann Israel nicht auch dasselbe tun dürfen, nämlich das eroberte Land nach seinem gewonnenen Krieg für sich zu beanspruchen?

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen und weite Teile der westlichen Bevölkerungen ignorieren schlicht die Tatsachen oder kennen sie gar nicht – Dank der Medien. Stattdessen wird in gutmenschlicher Manier das angebliche Opfer, die bemitleidenswerte palästinensische Minderheit betüttelt und gehätschelt. Hier geschieht genau dasselbe wie bei uns, wenn tagtäglich im großen Stil irgendwelche Minderheiten von Schwulen, Ausländern und Kriminellen geschützt werden. Wer möchte denn Derartiges unterstützen?

Dass es zudem völlig wahnsinnig wäre, wenn sich Israel auf die Forderungen der Palästinenser einlassen würde, zeigt die Denkweise der Moslems, allen voran Präsident Abbas. Dazu schrieb am 19.09.2011 die FAZ [3]:

Israel sei bereit, Flexibilität zu zeigen, um wieder Verhandlungen in Gang zu bringen [...]. Gleiches erwarte man aber auch von den Palästinensern. Wichtig bleibe für Israel die Anerkennung als „nationale Heimstätte des jüdischen Volkes“. Nach Informationen der Zeitung „Haaretz“ will das der palästinensische Präsident Abbas weiterhin nicht tun.

Unter diesen Voraussetzungen wäre jedes Entgegenkommen seitens Israels glatter Selbstmord. Denn was würde wohl als nächstes passieren?

Als erstes wird Palästina durch die UNO als souveräner Staat anerkannt. Gleichzeitig lehnt es jedoch Israels Anspruch ab, selbst ein legitimer Staat zu sein und Anspruch auf sein Territorium zu haben. Wie lange würde es dann wohl dauern, bis Palästina mit Unterstützung diverser israelfeindlicher Nachbarn gegen Israel losschlägt, um die 1948 eroberten Gebiete ebenfalls einzunehmen und “die Juden ins Meer zu treiben”?

Dieser Spruch stammt übrigens von Israels Nachbarn, wie haGalil [4] am 27.10.2005 erklärte:

Die Aufrufe zur Zerstörung Israels gehen bis in die Zeit vor der Staatsgründung 1948 zurück. [...] Der Krieg mit Beteiligung aller arabischen Länder gegen den eben erst verkündeten jüdischen Staat 1948 war die erste konzertierte Aktion der Araber, ihre Drohung umzusetzen. Dem Sechstagekrieg von 1967 gingen Massendemonstrationen in Ägypten und Drohungen des Präsidenten Gamal Abdel Nasser voraus, die Juden ins Meer zu treiben.

Ganz offensichtlich schwelt hier nach wie vor ein unglaublich großer Hass gegen Israel in der gesamten Region, sodass jedwedes Entgegenkommen seitens Israel unter den derzeitigen Voraussetzungen lediglich zu Gebietsverlust, aber niemals zu Frieden führen würde.

Trotzdem sieht sich Israel großem internationalen Druck ausgesetzt und will mit aller Macht verhindern, dass die Palästinenser vor der UNO vollendete Tatsachen schaffen und damit den Stein ins Rollen bringen.

Warum dies eine Lawine der Gewalt lostreten und kurzfristig zu einem unmittelbaren Krieg führen kann, zeigen die Ankündigungen der Palästinenser [5], ihr Land “von Juden säubern” zu wollen. Wird der Staat Palästina also diese Woche tatsächlich Wirklichkeit, dann wissen wir, was auf uns zukommen wird.

Dabei ist die Fraktion um Mahmud Abbas noch scheinbar gemäßigt im Vergleich zu den Hamas aus dem Gazastreifen. Die Thüringer-Allgemeine [6] veröffentlichte dazu am 16.09.2011 eine AFP-Meldung:

Auch die radikalislamische Hamas [...] kritisierte Abbas’ Vorhaben. Die von ihm angestrebte Anerkennung eines Palästinenserstaates durch die UNO sei einseitig und bringe “große Risiken” mit sich [...].

Wer glaubt, dass sich diese Gruppierung auch nur im Ansatz mit Israel auf einen echten Frieden einlässt, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann.

Kein Wunder also, dass die USA derzeit wie verrückt darum bemüht sind, die Anerkennung eines palästinensischen Staates zu verhindern. Solange es keine Friedenszusage der Palästinenser gegenüber Israel gibt, bedeutet die Anerkennung als Staat nämlich direkt die offizielle Legitimation für militärische Maßnahmen gegenüber Israel, bis hin zum Krieg – quasi mit indirektem Freibrief durch die UNO.

Um nicht zum Buhmann durch Einlegen ihres Vetos zu werden, versuchen die USA derzeit, einen Block von sieben Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates zu gewinnen, welche die Aufnahme Palästinas als UN-Vollmitglied verhindern könnte.

Wie die Kleine Zeitung [7] am 20.09.2011 berichtete, versucht auch Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu, Präsident Abbas von seinem Vorhaben abzubringen:

Der palästinensische Präsident Abbas hat dem Vorschlag des israelischen Regierungschefs Netanyahu zu einem Treffen am Rande der UNO-Vollversammlung in New York zugestimmt. [...]

Netanyahu hat Abbas nach israelischen Medienberichten zu direkten Gesprächen aufgerufen. Sie könnten in New York beginnen und in Jerusalem und Ramallah fortgesetzt werden [...].

Wie wird sich die Situation weiterentwickeln? Selbst wenn der Vorstoß der Palästinenser doch noch scheitern sollte, werden sie ihr Vorhaben mit Sicherheit nicht aufgeben, denn jetzt haben sie Lunte gerochen und werden notfalls Gewalt anwenden.

Währenddessen bereitet sich Israel bereits auf das Unvermeidliche vor. Die Wiener Zeitung [8] zitierte am 19.09.2011 zwei israelische Verantwortliche:

Nicht weniger als ein “noch nie da gewesenes Blutbad” erwartet Außenminister Avigdor Lieberman. Und der für die passive Verteidigung verantwortliche General Eyal Eisenberg befürchtet, dass der “arabische Frühling” bald von einem “islamistischen Winter” gefolgt werden könnte.

Egal wie sehr nun hin oder her überlegt wird, die Lage ist kompliziert und verfahren und es bedarf keines großen Auslösers mehr [5], bis sie vollständig eskaliert. Dieses Pulverfass steht unter ähnlich hohem Druck wie unser Weltfinanzsystem und wird höchstwahrscheinlich bald von einem der Beteiligten gezündet werden.


Adresse: http://www.wahrheiten.org/blog/2011/09/21/in-der-zwickmuehle-fuehrt-palaestinafrage-zu-krieg-oder-krieg/

Links in diesem Artikel:

[1] Video in neuem Fenster ansehen: http://www.youtube.com/view_play_list?p=jDmvCe3mqB14TzZ2uMXGHtxxZsqp_RHM

[2] gehörte es keinesfalls dem palästinensischen Volk: http://www.youtube.com/watch?v=XGYxLWUKwWo

[3] FAZ: http://www.faz.net/artikel/C31384/un-vollmitgliedschaft-fuer-palaestina-abbas-mission-in-new-york-30689232.html

[4] haGalil: http://www.hagalil.com/archiv/2005/10/ins-meer.htm

[5] Ankündigungen der Palästinenser: http://www.wahrheiten.org/blog/2011/09/16/nahost-krieg-feindliche-parteien-beziehen-politische-startposition/

[6] Thüringer-Allgemeine: http://www.thueringer-allgemeine.de/startseite/detail/-/specific/Abbas-will-UN-Vollmitgliedschaft-von-Palaestinenserstaat-992763412

[7] Kleine Zeitung: http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2834743/netanyahu-abbas-kuendigen-treffen.story

[8] Wiener Zeitung: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/welt/397721_Israels-Armee-probt-den-Ernstfall.html


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