Die allgegenwärtigen Augen des großen Bruders

© Gerd Altmann / pixelio.de

Wer sich nichts zu Schulden kommen lässt, braucht auch nichts zu befürchten.

Dieser typisch dümmliche Gutmenschensatz ist zwar im Prinzip richtig, aber wen geht es denn überhaupt etwas an, was eine Person tut und lässt, eben wenn sie absolut unschuldig und unauffällig ist? Können wir dieser penetranten Dauerkontrolle überhaupt noch entkommen?

Und schon sind wir bei der pauschalen Verdächtigung aller Bürger eines Landes angelangt: Woher sollen die Behörden – oder wer sonst noch Jagd auf vermeintliche Bösewichter macht – denn im Voraus wissen, ob eine Person tatsächlich unschuldig ist, wenn sie dies nicht überprüft haben?

Ein Staat, dessen oberste Führung Angst um ihren Hintern hat, sieht natürlich in jedem einzelnen Bürger eine potenzielle Bedrohung, denn diese Mächtigen schließen von sich auf andere und halten daher jeden für genauso kriminell, wie sich selbst. Da sie ja selbst wissen, wieviel Dreck am Stecken sie haben, gehen sie einfach davon aus, dass dies auch für die Bürger gilt. Es ist genau dasselbe Verhalten, wie bei notorischen Lügnern, denn diese vertrauen ebenfalls niemandem mehr, weil sie von sich selbst und ihren ständigen Lügenmärchen ausgehen.

Die allermeisten Anstrengungen zur Überwachung kommen daher inzwischen aus Richtung Staat. Ständig wird über die Vorratsdatenspeicherung diskutiert, welche sämtliche Internet- und Telefonteilnehmer unter Generalverdacht stellt. Dass diese Speicherung Anfang 2010 vom sogenannten Verfassungsgericht gekippt wurde und aktuell angeblich keine solchen Daten gespeichert werden, muss allerdings niemanden beruhigen, denn auch ohne diesen offiziellen Weg lassen sich unglaublich viele Dinge über einzelne Menschen herausfinden.

Das Internet vergisst nämlich von sich aus fast nichts. Zwar betrifft dieses Problem zumeist nur im Netz aktive Menschen, aber kaum jemand ahnt, was hier alles über ihn zu finden ist. In einem Artikel der Zeit vom 18.08.2010 demonstrierte der Autor in einem Selbstversuch, wie leicht es ist, über gängige Suchmaschinen eine Person auszuleuchten:

Mit ein paar Klicks findet man seine private Telefonnummer heraus […]. Noch ein paar Klicks, und man findet seine dienstliche E-Mail-Adresse. Das reicht, um in Suchmaschinen wie Google oder 123people.de oder Metacrawler seitenweise Informationen über den Redakteur F. aufzurufen.

[…]

Man stößt […] irgendwann auf F.s private E-Mail-Adressen. Solche von heute und solche von früher. Wenn man diese wiederum in die Suchmaschine füttert, lernt man noch vielmehr über ihn, zum Beispiel über seine Käufe bei Internet-Auktionen oder Wortmeldungen in dem Internetforum Cable Asylum, wo es um die optimale Verlötung hochwertiger Stereokabel geht.

Wozu brauchen wir da noch eine Vorratsdatenspeicherung oder sonstige zusätzliche Überwachungsmöglichkeiten, wenn all diese Informationen bereits heute so leicht zu finden sind? Kein Wunder, dass es immer mehr Stalker und Verleumder im Internet gibt, weil sie es so einfach haben, alle möglichen Informationen über eine gewünschte Person zusammenzutragen und diese Daten dann konzentriert wiederum im Internet anonym veröffentlichen zu können.

Natürlich funktioniert das nur dann in derart ausführlicher Form, wenn die betreffende Person mehr oder weniger selbst im Internet aktiv ist. Allerdings veröffentlichte eine jüngste Studie, dass bereits knapp 75% aller Deutschen „online“ sind. Selbst wenn sie dort nur einkaufen und ein bisschen „rumsurfen“, eine E-Mail-Adresse haben fast alle diese Personen, welche wiederum einen hervorragenden Schlüssel zur Identifikation darstellt.

Doch auch über Menschen, die selbst kein Internet nutzen, können unter Umständen zahlreiche Informationen gefunden werden. Beispielsweise stehen über Onlineausgaben von Gemeindeblättern Daten wie Standesamtstermine oder Vereinsaktivitäten zur Verfügung, über Onlinetelefonbücher die Wohnadresse und über Facebook und Co. sogar Fotos mit Namenszuordnung, ohne dass die Betreffenden überhaupt davon wüssten.

Wer selbst jahrelang Webseiten betreibt findet oft zahlreiche ältere Versionen seiner Seiten bei Archive.org in deren „Waybackmachine“. Es gibt zwar Wege, seine Daten dort unzugänglich zu machen, gelöscht wird aber offensichtlich nichts und das besonders Gefährliche: Kaum jemand kennt diesen Dienst, der seit weit über zehn Jahren das Netz quasi kopiert. Alte Sünden bleiben also für immer dort gespeichert und niemand weiß, wer dort alles hineinschaut.

Gar nicht erwähnen müssen wir die Selbstoffenbarungen von Millionen von Nutzern bei Facebook, Twitter, wer-kennt-wen und vielen anderen. Wie unüberlegt hier die Masse Details ihres Privatlebens offenlegt, ist mehr als erstaunlich. Der persönliche Geltungsdrang muss dem Schutz der eigenen Privatsphäre wirklich weit überlegen sein.

Weil das Internet eine Art unsichtbare, aber durchaus gefährliche Parallelwelt darstellt, insbesondere für unsere Machtelite, suchen diese immer wieder nach Möglichkeiten, dort einen Riegel vorzuschieben. Welche Idiotien dabei von diesen weltfremden Regierungsmarionetten mitunter gesponnen werden, zeigte der folgende Artikel des Spiegel vom 27.05.2011:

Alle Beteiligten, Regierungen, Unternehmen und Nutzer, sollten zu einem „ausgewogenen Internet“ beitragen, hießt es […] im Entwurf der Abschlusserklärung […] zu Beginn des zweitägigen G-8-Gipfels[…].

Diese fadenscheinige Ausrede vom „ausgewogenen Internet“ zeigt, um was es diesen Leuten in Wahrheit geht: Sie wollen vollständige Kontrolle, notfalls auch ohne Rücksicht auf die Freiheit der Bevölkerung.

Doch nicht nur im Internet – dort allerdings besonders leicht – werden wir beobachtet und unsere Aktivitäten gespeichert, sondern auch in der realen Welt werden immer mehr Möglichkeiten geschaffen, uns auf Schritt und Tritt zu verfolgen.

Wenn Sie beispielsweise häufig bargeldlos bezahlen, hinterlassen Sie eine breite Spur überall dort, wo Sie Produkte und Dienstleistungen bezogen haben. Allein schon Ihre Bank kann auf diese Weise ein erstaunliches Konsumentenprofil über Sie erstellen und möglicherweise sogar Prognosen über Ihr zukünftiges Verhalten abgeben.

Die Verwendung eines Mobiltelefons ist nicht minder problematisch, denn im Gegensatz zur Bank weiß der Mobilfunkprovider sogar, wann Sie sich wo wie lange aufhielten und mit wem Sie wann gesprochen haben. Zwar kennt er Ihre Gesprächsinhalte nicht, aber er könnte mittels intelligenter Verfahren dennoch gewisse Rückschlüsse ziehen.

Führt ein Teilnehmer z.B. zunächst zwei Anrufe zu häufig gewählten Rufnummern und anschließend zu einem Restaurant durch, lässt dies möglicherweise ein Treffen vorausahnen. Sind dann zu einem späteren Zeitpunkt diese drei Teilnehmer mit ihren Mobiltelefonen in denselben oder nahe dem Restaurant befindlichen Mobilfunkzellen eingebucht, ist der Fall klar.

Solche Verhaltensmuster sind mittels diversen computerisierten Automatismen leicht zu erkennen, während die Teilnehmer selbst wohl nicht die geringste Ahnung von derartigen Möglichkeiten haben. Und Sie können sicher sein, dass dies bereits in vielerlei Hinsicht angewandt wird, vornehmlich vermutlich aus kommerziellem Hintergrund.

Weniger unsichtbar ist die Überwachung per Videokameras. Der Spiegel berichtete am 05.07.2011 über ein neues und riesiges Projekt aus China:

Die Machthaber in der Millionenmetropole Chongqing im Südwesten Chinas haben große Pläne. […] Umgerechnet 1,8 Milliarden Euro (17 Milliarden Yuan) werde man für moderne Überwachungstechnik ausgeben, kündigte Sicherheitschef Wang Zhijun damals an. Bis 2012 sollen 500.000 Videoüberwachungskameras neu installiert und so vernetzt werden, dass sie zentral steuer- und auswertbar sind.

Der gutgläubige Bürger vermutet dahinter sicherlich nur das böse Regime in China, wobei ähnliche Installationen in westlichen Ländern längst vorhanden sind. Außerdem rechnet er kaum damit, dass die gigantischen Datenmengen der Kameras tatsächlich sinnvoll auswertbar sind, denn wer sollte die ganze Zeit auf diese tausenden von Monitoren schauen?

Gar niemand natürlich, die Auswertung erfolgt computergestützt und vollautomatisch. Sowohl das Erkennen von kritischen Situationen, z.B. ein Menschenauflauf oder sonstige ungewöhnlichen Ereignisse, ist seitens der Technik keine besondere Herausforderung mehr, als auch die vollautomatische Identifikation und Verfolgung bestimmter Personen.

All das mag im Detail und bei Betrachtung einzelner Datensätze nicht unbedingt spannend sein, werden allerdings diese vielen Daten miteinander verknüpft, entsteht ein erstaunlich exaktes Bild einer beliebigen Person. Egal, zu was diese durchaus wertvollen Informationen hinterher verwendet werden, es geschieht immer ohne das Wissen des Betreffenden und es dürfte wohl kaum zu seinen Gunsten eingesetzt werden.

Wir befinden uns hier auf einem gefährlichen Weg, von dem die allermeisten Menschen kaum etwas erahnen, weil das Geschehen weitestgehend unsichtbar abläuft und durch Computer gesteuert wird. Während der Gesetzgeber hin und wieder einzelne Details in der Öffentlichkeit diskutiert, werden parallel Fakten geschaffen. Am Ende müssen die Daten nur noch offiziell zusammengefügt werden und fertig ist der Orwell-Staat der neuesten Generation.

Aus allem können wir uns nicht heraushalten, aber wer sich der Gefahren bewusst ist, kann zumindest Teilbereiche ganz meiden oder einschränken und damit die über ihn gesammelten Daten reduzieren. Wer dagegen die Chance hat, sich ohne jegliche technische Anbindung auf eine einsame Almhütte in den Schweizer Bergen zurückzuziehen, sollte sich das mittelfristig vielleicht einmal konkreter überlegen.

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Literatur zum Thema Überwachung

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7 Kommentare

  1. am 18. Juli 2011 um 13:53 1 LOYOLA IGNAZ

    Nur mal so nebenbei, solange die Menschheit nicht kapiert, wer eigentlich wen zu ueberwachen hat, sind m.E. Hopfen und Malz fuer lange Zeit verloren. Wie war das mal vor langer Zeit ?
    Der Schoepfer, der grosse Bauherr oder liebe Gott schuf den Menschen.
    Kann der Mensch machtvoller oder groesser als sein Schoepfer sein ?
    Der Mensch schuf sich einen Regenten, Regierung etc.
    Kann der Regent, Regierung etc machtvoller oder groesser als sein Schoepfer sein?
    Die Regenten, Regierungen etc. schufen sich Aemter, Behoerden, Organisationen.
    Kann ein Amt, Behoerde, Organisation machtvoller oder groesser als ihr Schoepfer sein ?

    Offensichtlich ist irgendwo, irgendwann etwas schief gelaufen.

    Es hilft natuerlich nicht, wenn man wie in diesem guten Artikel von Personen redet. Personen sind Fiktionen, von Machthabern, Regenten, Regierungen, Organisationen etc. geschaffen, und die unterliegen eben ihren sogenannten Regeln oder Gesetzen.
    Schon mal was von Mann, Frau oder Kind in Gesetzestexten gelesen ?
    Sind wir ueberhaupt diejenigen (Mann, Frau, Kind) die in ihren Rechnern gespeichert werden oder sind es nur die Fiktionen auf die wir (immer wieder) reagieren? Seht mal auf Euren neuen Fuehrerschein, Kreditkarte etc, ist das Euer NAME ?

  2. am 18. Juli 2011 um 23:18 2 Pausenclown

    Dazu passt ja ganz gut, dass der Blog

    http://pg.politikglobal.net/

    (zum zweiten Mal) gesperrt wurde. Wer in dieser Diktatur namens BRD noch seine freie Meinung über das Internet verbrieten will, wird merken wie demokratisch dieses System ist: Er wird mundtot gemacht und seine Webseiten wegzensiert.

    Für die, die politikglobal nicht kennen, weil sie lieber täglich Schlaftabletten nehmen, sei gesagt, dass es nicht viele Blogs gibt, die noch unverblümt ein diktatorisches System wie das der BRD beim Namen nennen.

    Und wenn doch, dann mit dem obigen Resultat. Mehr schreibe ich in diesem Forum nicht, denn sonst wird dieser Kommentar auch noch wegzensiert.

    Lasst euch belügen, mittels Rettungsschirmen ausrauben und versklaven, ihr Holzköpfe, die ihr andere Verschwörungstheoretiker nennt, ihr selbst aber seid die Handlanger von Menschenschindern. In Deutschland wird es keine Revolution geben, denn die Menschen sind bereits gehirngewaschen. Armes Deutschland!

  3. am 19. Juli 2011 um 11:45 3 LOYOLA IGNAZ

    @ Pausenclown
    obwohl ich den Blog nicht kenne, stimme ich Deinem Kommentar zu. Ist es nicht tatsaechlich so, dass diese denkfaule, gehirngewaschene Holzkopfmasse die groessten Gegner von Fort-schritt in jeder Beziehung sind, wie es so passend in dem Film Matrix dargestellt wird ?
    Gebe die Hoffnung noch nicht auf !

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