Vergeblich gesucht: Großunternehmer mit Verantwortung

Outsourcing, Auslandsexpansion und die Verlagerung der Produktion in sogenannte Billiglohnländer sind die häufigsten Kennzeichen der Globalisierung und Modeerscheinung fast aller Großunternehmen und Konzerne.

Diesem Trend widersetzen sich nur wenige Chefs und bei näherem Hinschauen sind es nur genau diejenigen, welche bei derartigen Entscheidungen den eigenen Kopf hinhalten müssten. Wo sind die engagierten und mit ihrem Betrieb ehrlich verbundenen Unternehmer, gibt es sie überhaupt noch?

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Ernst Prost, Geschäftsführer der Liqui Moly GmbH, mag zwar von seiner Einstellung her stellvertretend für die Chefs vieler Kleinbetriebe stehen, aber er repräsentiert eben den Mittelstand. Dort ist eine derartige Identifikation des Inhabers längst nicht mehr an der Tagesordnung, und schon gar nicht bei den Großbetrieben. Das liegt natürlich in erster Linie daran, dass Geschäftsführer und Vorstände in aller Regel eben nicht mehr die Eigentümer einer Firma sind und daher gar nicht wirklich „für sich“ arbeiten müssen.

Herr Prost ist zwar nicht der einzige Unternehmer hierzulande, der ein erfolgreiches Geschäft führt, aber er gehört zu immer weniger Chefs mit gesundem Menschenverstand, ehrlichem Verantwortungsbewusstsein und vor allem Bodenständigkeit. Dass er tatsächlich sein Wohnschloss zuvor verkaufen würde, bevor er Mitarbeitern betriebsbedingt kündigen muss, wie es im Film erwähnt wurde, nehmen wir ihm glatt ab, obwohl er das natürlich erst beweisen müsste.

Kennen Sie ein Unternehmen in der BRD, welches in dritter Generation inhabergeführt ist, 1.200 Beschäftigte hat und eine Wertschöpfung von fast 80% erreicht? Ein Unternehmen mit einem persönlich haftenden Chef, der direkt neben seiner Firma wohnt, seine Familienfeste zusammen mit der Belegschaft feiert und der kein eigenes Büro, sondern seinen Platz im Großraumbüro seiner Mitarbeiter hat?

Nein, das ist keine Schilderung aus einem schwarz-weißen Heimatfilm aus den sechzigern, sondern ein Teil des kärglichen Restes von verantwortungsvollem Unternehmertum, wie es einst in unserem Lande gang und gäbe war. Die Rede ist von Wolfgang Grupp und seiner Firma Trigema.

Die fast achtzig-prozentige Wertschöpfung bedeutet unter anderem, dass Trigema nur eine sehr geringe Abhängigkeit von Zulieferern hat. Neben direkter Einflussnahme auf Termintreue und die Qualität bringt dies vor allem auch eine stabile Produktionskette und Preisvorteile, weil kein weiterer Zwischenhändler oder -hersteller mitverdienen will.

Was Unternehmen mit breit angelegtem Outsourcing im schlimmsten Fall passieren kann, sahen wir nach dem großen Erdbeben in Japan. Im schlimmsten Fall stehen sogar alle Bänder eines Konzerns still, nur weil ein einziger, vielleicht sogar ganz kleiner Zulieferer, nicht mehr wie gewohnt „just in time“ liefern kann.

Selbstverständlich darf sich niemand der Illusion hingeben, ein erfolgreiches und stabiles Unternehmen könne es sich leisten, ein sozialer Mildtäter zu sein. Das will und kann Herr Grupp auch keinesfalls darstellen, er macht daraus keinen Hehl. Aber er sieht sich und seine Mitarbeiter in gewisser Weise als Familie und kann daher zu Recht von ihnen entsprechenden Einsatz verlangen und steht gleichzeitig voll zu seiner großen Verantwortung der Belegschaft gegenüber.

Menschen und besonders Firmenlenker vom Schlag und mit der Einstellung eines Wolfgang Grupp fehlen heute in den meisten Chefetagen, weil dort oft nur noch geschmeidige und gesteuerte, von persönlicher Verantwortung weitgehend befreite Hampelmänner sitzen – von der Politik müssen wir in diesem Zusammenhang gar nicht erst reden. In einer Sendung mit Sandra Maischberger demonstrierte Wolfgang Grupp klar und eindrücklich, wie er denkt:

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Fast wirkt er ein wenig fremd in unserer so samtweich gepolsterten, linksgrünen Öko-Gutmenschendiktatur. Trotzdem hat Herr Grupp wohl den allermeisten Verantwortlichen in den Vorstandsetagen der Unternehmen und Banken und besonders der Politik in diesem Land einiges an Courage voraus.

Wie kann sich ein Mann so etwas erlauben? Liegt es allein an seiner Einstellung und seiner Erziehung vom „alten Schlag“, seinem Alter und seiner Erfahrung? Sicher, alles spielt eine Rolle, aber der wahre Grund für sein Verhalten dürfte ein anderer sein. Seit 1975 ist sein Unternehmen schuldenfrei, außerdem ist er Alleininhaber. Er muss sich daher von niemandem diktieren lassen, was er wie zu machen hat, sondern kann das tun, was er für richtig und sinnvoll hält und wofür er auch selbst die Verantwortung übernehmen kann und will.

Keine Bank, keine Aktionäre oder Aufsichtsräte können ihm ins Handwerk pfuschen und ihre meist nur kurzsichtig orientierten Profitinteressen unterjubeln. Ein Textilhersteller, der vom Baumwollfaden bis zum fertigen Produkt selbst den Wertschöpfungsprozess trägt, dessen gesamte Produktionsanlagen mit modernster und vor allem vollständig bezahlter Technik ausgestattet ist, kann auf Widrigkeiten des Marktes immer so reagieren, wie es notwendig ist – ohne idiotische Schreibtischtäter in Banken- oder Investorensesseln.

Was heißt das in Bezug auf unsere üblichen Konzernlenker? Es sind eben fast ausschließlich abhängige, karrieregeile, von manipulativen Aufsichtsräten gesteuerte Hampelmänner, die weder eigene Verantwortung übernehmen wollen noch sich mit dem jeweiligen Unternehmen mehr als nötig identifizieren. Das wird auch schon daran deutlich, wie die Lebensläufe einiger Konzernvorstandschefs aussehen. Zwei Beispiele:

Hans-Peter Villis, Vorstandsvorsitzender der EnBW AG:

  • Kaufmännischer Leiter der Bergbau AG Westfalen, Dortmund
  • Manager Planung und Controlling der VEBA Kraftwerke Ruhr AG, Gelsenkirchen
  • Projektmanager Ostdeutschland der VEBA AG
  • Geschäftsführer der Städtischen Werke Magdeburg GmbH
  • Mitglied des Vorstands der Gelsenwasser AG, Gelsenkirchen
  • Geschäftsführer des Elektrizitätswerks Wesertal GmbH, Hameln
  • Vorstandsvorsitzender E.ON Westfalen Weser AG, Paderborn
  • Finanzvorstand und Stellvertretender Vorstandsvorsitzender der E.ON Nordic AB
  • Vorstandsvorsitzender der EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Peter Löscher, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG:

  • Kienbaum & Partner Unternehmensberatung (Trainee)
  • Hoechst AG (Abteilungsleiter)
  • Aventis Pharma (Hauptabteilungsleiter)
  • Amersham plc (Geschäftsführer der US-Sparte)
  • General Electric Healthcare (Mitglied des Zentralvorstandes von General Electric Healthcare)
  • Merck & Co. (Marketingvorstand)
  • Siemens AG (Vorstandsvorsitzender)

Bei solchen „Vorbild“-Karrieren stört es nicht einmal, wenn der Betreffende vor seiner aktuellen Position direkt für den Wettbewerb oder sogar völlig branchenfremd tätig war. Derlei unternehmerisch Unverantwortliches kennen wir ansonsten nur aus der Politik, wo ein Gesundheitsminister kurzerhand zum Wirtschaftsminister umgewurstelt wird. Was kann dabei wohl Sinnvolles herauskommen? Richtig, absolut nichts.

Wie stark dürfte bei solchen großen Karrieren außerdem wohl die Identifikation mit dem jeweiligen Unternehmen sein? Vorübergehend mag sie zwar scheinbar hoch wirken, aber im Kern sind Leute wie Villis und Löscher Menschen, welche in erster Linie unglaublich viel Geld verdienen, ihren Lebenslauf immer weiter verbessern wollen und ihrem Streben nach ständig größerer Macht nachgehen.

Heute ist es so: Entweder, die Chefs sind Karrierespringer, welche sich bei jedem Unternehmenswechsel eine Stufe weiter nach oben hangeln, oder sie sind Angestellte, die sich innerhalb des Unternehmens den Weg an die Spitze durch langjährige Mitarbeit und Kontakte geebnet haben. Sicherlich sind Letztere noch einigermaßen loyal zu ihrem Brötchengeber, aber eine emotionale Verbundenheit, wie die eines echten Firmeneigentümers oder gar eines Familienbetriebes über mehrere Generationen, kann hier ja schon aus Prinzip nicht einmal annähernd entstehen.

Auch die Größe als solche und natürlich die Struktur von Aktienunternehmen prinzipiell, zerstören jegliche ehrliche Identifikation. Hinzu kommt eine amerikanische Unsitte, welche seit vielen Jahren auch bei uns Einzug gehalten hat, nämlich die sogenannten Zielvereinbarungen und das erfolgsabhängige Gehalt. Weil der persönliche Bezug zum Unternehmen und zu den Mitarbeitern verloren ging, müssen die Konzernchefs ihre Untergebenen eben auf höchst primitive Weise „motivieren“: mit Geld.

Im Grunde mag eine nachvollziehbare Idee dahinter stecken, Mitarbeiter durch einen Bonus zu mehr Engagement zu animieren. Doch in der Regel gibt es bei der Einführung dieses Modells gar kein Mehrgehalt, sondern die bisher zu 100% bezahlten Bezüge werden in einen festen und einen variablen Anteil aufgesplittet, wobei unter Umständen der variable Anteil auch über die 100% hinausgehen kann. Ansonsten bestünde ja keinerlei echter Anreiz für die Mitarbeiter, sich jetzt noch mehr zu engagieren und am Ende maximal dasselbe Gehalt zu bekommen.

Was durch dieses Modell jedoch definitiv erreicht wird, ist vermehrte Rücksichtslosigkeit gegenüber Kollegen, egoistisches Schmalspurdenken, kurzsichtige Handlungsweisen, Abtretung von Verantwortung bis hin zum knallharten Durchsetzen von schädlichen Maßnahmen, welche den eigentlichen Unternehmenszielen völlig zuwiderlaufen. Und all dies nur, um stattdessen das eigene konkrete Dreimonatsziel um jeden Preis zu erreichen, weil das monatliche Salär und ein möglicher Bonus direkt davon abhängen.

Es kann sogar durchaus passieren, dass zu Tricks und Schummeleien oder im schlimmsten Fall Betrug gegriffen wird, nur um die eigenen Pfründe zu retten. Schließlich ist es ja nicht das eigene Unternehmen, was hierbei geschädigt wird.

Zwar denken und handeln zum Glück nicht alle Mitarbeiter dieser Betriebe so, aber der Großteil steckt längst in dieser betrieblichen Egoismusfalle fest und dank deutscher Obrigkeitshörigkeit gibt es auch nur ganz selten Widerstand gegen diese Methodik. Wer möchte schon gern seinen Arbeitsplatz gefährden, indem er seinem Vorgesetzten widerspricht, wenn dieser – wiederum von oben dirigiert – das Wundermittel Zielvereinbarung per Zwang einführt?

Für ein Unternehmen führt dieser Weg mittelfristig zu immer größeren Schäden. Sowohl die möglicherweise zuvor noch vorhandene echt kollegiale Firmenkultur wird stark strapaziert, meist sogar zerstört, als auch die ehrliche Identifikation mit dem Unternehmen wird durch eine rein monetäre Motivation ersetzt. Wir sehen jeden Tag, wohin das überall führt.

Durch die massive Privatisierung in fast allen Bereichen wurden in den vergangenen Jahrzehnten neben den Konzernen am freien Markt auch viele andere – früher amtliche – Dienstleistungen der reinen Profitorientierung preisgegeben. Dadurch setzte sich diese Geld-zentrierte Ausrichtung auch in öffentlichen, behördlichen und sozialen Branchen durch. Kein Wunder also, dass nicht einmal unsere Schulen davon frei sind und unsere Kinder schon ganz früh an dieses krankhafte Denken gewöhnt werden.

Wenn diesem Gesamttrend nicht Einhalt geboten wird, werden Chefs wie Ernst Prost und Wolfgang Grupp bald ausgestorben und die gesamte Arbeitnehmerwelt zu einem reinen Sklavenvolk mutiert sein. Auf dem Weg in die Konzernsklaverei befinden wir uns schon lange, eine Umkehr scheint aussichtslos. Zumindest wird sich diese auf friedlichem Wege wahrscheinlich nicht mehr realisieren lassen.

Leider haben wir nur die Wahl zwischen zwei Übeln, denn der nicht-friedliche Weg, der durch den kommenden Zusammenbruch sowieso bevorsteht, bringt keineswegs die Lösung. Wem es daher möglich ist, der sollte sich aus diesem System weitgehend ausklinken, denn es hat sowieso keine besonders lange Lebensdauer mehr. Stattdessen steht eine viel wichtigere Entscheidung an.

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8 Kommentare

  1. am 30. Juni 2011 um 18:47 1 skinnynorris

    Man sollte noch den Visionär Götz Werner gerwähnen, desssen DM Markt Kette 2010 ca. 4 Mrd. Mio Umsatz Europaweit erziehlte. Er zahlt einen Mindestlohn, bildet massiv aus. Zudem sind die DM Geschäfte einfach hervorragend aufgebaut, umfangreiches Sortiment und auch ein sehr angenehmes Einkaufen.
    Schade, dasss der Auto noch zuviel im LInks/Rechts Denken gefangen ist, ansonsten ein sehr guter Bericht.

  2. am 30. Juni 2011 um 19:03 2 thewatsherusoberberg

    Wo sind die engagierten und mit ihrem Betrieb ehrlich verbundenen Unternehmer, gibt es sie überhaupt noch?

    Ja die gibts mein chef zbsp.der hat sein privatvermögen ins unternehmen gepumpt und zware alles um 80 Arbeitsplätze und 24 Heimplätze sicher zu stellen,er Zahlt trotzdem noch Weihnachts und Uraubsgeld,als einer der letzten im Oberbergischen Pflegeheimen,wenn jemand mit Herz dabei ist wie er,dann würde man sogar freiwillig auf Lohn verzichten wenn er fragen würde,was er aber nicht tut,stattdessen zerbricht er sich den Kopf wo man evtl anderweitig einsparen könnte als bei den Lohnkosten.

  3. am 1. Juli 2011 um 07:20 3 Martin6078

    Bravo, 100%ig Zustimmung. Leider werden jene Firmen, die sich an die gesetztlichen und tariflichen Vorgaben halten von denjenigen Firmen, die 400€ Jobber anheuern, Leiharbeiter unter Tarif oder outsourcen, platt gemacht. Hier ist der Ehrliche der Dumme. Es ist ein Skandal wie von offizieller Seite geltendes Recht gebrochen wird,indem dem Arbeitgeber ein Freibrief ausgestellt wird auch um bestehende,alte und damit bessere Arbeitsverträge durch sogenannte Änderungskündigungen oder um Firmenteile auszulagern, zu erestzen. Man erpresst die Arbeitnehmer das zu unterschreiben oder man gehört andernfalls auf einmal nichtmehr zu der von jetzt auf gleich entstandenen neuen Pseudofirma, die auf jeden Fall nur ein Wurmfortsatz der Mutterfirma ist. So wird eine Firma plötzlich eine Multinationale Company, wo kein einziges Gesetz der jeweiligen Länder richtig greift, da ein Teil der Firma zb. in England als PLC und der andere Teil oder Teile in Deutschland als GmBH eingetragen sind.
    Dann werden Unternehmensberater für ein Schweinegeld eingestellt oder auf Provisionsbasis verpflichtet Geld einzusparen. Einsparen heißt natürlich Löhne stehlen, auslagern entlassen usw.
    MFG:

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