Unabhängige Medien: Echt alternativ oder nur altklug-naiv?

© Gerd Altmann / pixelio.de

Wir alle wissen es längst: Die Konzern-Massenmedien lügen und betrügen uns an jeder Ecke. Denen noch etwas zu glauben ist der pure Wahnsinn, auch wenn ihnen tatsächlich unzählige Millionen Bürger blind vertrauen.

Doch wer weiß dann wirklich, was läuft? Wer kennt die wahren Hintergründe? Wer entlarvt die Lügner und Betrüger unserer Welt? Wem können wir noch vertrauen? Wem, wenn nicht der Wahrheitsbewegung und ihren Publizisten? Doch leider lauert auch hier dieselbe Gefahr, welche blinder Glaube eben immer mit sich bringt.

„Wir werden immer mehr“ sagen viele überzeugte Anhänger der sogenannten Wahrheitsbewegung. Das ist schön und eine begrüßenswerte Entwicklung. Aber bedeutet diese Entwicklung denn zwangsläufig, dass mit der wachsenden Anzahl der Personen auch die Wahrheit selbst größer wird und die gesamte Bewegung sich unweigerlich positiv entwickelt?

Was sind die tragenden Säulen dieser Bewegung von Menschen, denen die offiziellen Lügen zum Hals heraushängen? Die Massenmedien sind es keinesfalls, Parteien auch nicht und auch von sonstigen Vereinigungen ist strategisch nichts zu erkennen. Es sind in der absoluten Mehrzahl einfach nur unabhängige Gleichgesinnte, welche sich im Kern dadurch verbunden fühlen, dass Sie keine Lust mehr auf das Beherrscht-Werden durch das „System“ haben, wobei sie sich in vielen Details durchaus breit auffächern.

Somit kann jeder „Aufgewachte“ als eine Art Säule betrachtet werden, was dem Gesamtgebilde eine erhebliche Stabilität verleiht, denn um es zum Einsturz zu bringen, genügt es nicht, nur ein paar wenige tragende Säulen zu entfernen. Im Prinzip eine sehr gute Voraussetzung.

Dennoch gibt es einige aus diesem Kreis, welche vermeintlich mehr Gewicht und mehr Kenntnisse besitzen und deswegen auch mehr Verantwortung tragen wollen oder sollen. Gemeint sind die zahlreichen Publizisten. Ob diese pauschalen Vorschusslorbeeren gerechtfertigt sind und die Schreibenden an der Front das blinde Vertrauen der meisten passiven Anhänger wirklich verdienen? Es erinnert nicht zufällig an das vorherige Verhalten der Masse, als dieselben Leute noch den Systemmedien vertrauten.

Welche Voraussetzungen sind eigentlich notwendig, um publizistisch als Blogger oder unabhängiger Journalist loslegen zu können? Die technischen Mittel sind heute selbst für Laien leicht zugänglich. Ein Blog kann binnen Minuten von jedem eröffnet werden, der seinen PC einigermaßen sicher beherrscht, ohne auch nur einen müden Cent dafür bezahlen zu müssen.

Soweit die Technik, allerdings ist das gerade einmal die halbe Miete, denn vorrangig geht es schließlich um Inhalte. Und hier beginnt der kritische Teil, denn zwar genießen wir alle – noch – offiziell die Meinungsfreiheit, aber wo sind die Grenzen zwischen der persönlichen Meinung und der objektiven Information?

Ein Vergleich mit den Massenmedien ist in diesem Falle schwierig, da die großen Blätter und Fernsehsender alle den Anspruch haben, Leser und Zuschauer zu informieren und weniger Meinungen zu verbreiten. Letztere werden daher immer speziell gekennzeichnet. Natürlich soll damit nicht behauptet werden, Mainstream-Journalisten würden keine Meinung bilden, das tun sie durchaus, sowohl absichtlich und unterschwellig als auch unbewusst. Es sind eben zu 99% Auftragsschreiberlinge.

Wir können uns bei den Massenmedien sicherlich keineswegs darauf verlassen, dort objektive Informationen zu erhalten, auch wenn dies von deren Seite munter propagiert wird. Jedoch liefert der Artikel eines unabhängigen und aufgewachten Publizisten nicht zwingend die bessere Wahrheit, nur weil sie aus Prinzip völlig konträr zur Aussage einer großen Tageszeitung oder einer Fernseh-Nachrichtensendung ist. Schon gar nicht dann, wenn über die fachliche Qualifikation des Autors kaum etwas bekannt ist.

Einige der entscheidenden Fragen sind, warum jemand überhaupt mit dem Publizieren begonnen hat, welche Voraussetzungen er dafür besitzt und welche Ansichten er dabei vertritt. Nicht wenige der Blogger begannen aus derselben Motivation heraus: Sie suchten und fanden ein Ventil, um den unglaublichen Wahnsinn während und nach dem Aufwachen irgendwie zu verarbeiten. Erstaunlich ist, welche teilweise hervorragenden Plattformen sich daraus im Laufe von Monaten und Jahren in etlichen Fällen entwickelt haben.

Im Gegensatz zum Mainstream sind die alternativen Medien nur zu einem kleinen Anteil echte Lieferanten von gänzlich neuen Informationen. In der Mehrzahl handelt es sich bei den unzähligen Beiträgen um Zusammenfassungen, Betrachtungen aus anderen Blickwinkeln und die – durchaus wichtige – Kombination und Bewertung von bereits vorhandenen Informationen plus eben viel eigene Meinung, die aber nur selten als solche gekennzeichnet wird. Als Extra-Bonus, welcher den Massenmedien völlig fehlt, liefern Sie zahlreiche „Verschwörungstheorien“ in der Bandbreite von extrem dümmlich bis höchst realistisch.

Auf Seiten der passiven Teilnehmer der Wahrheitsbewegung, also der Leser und Artikel-Kommentatoren, besteht bedauerlicherweise sehr häufig kein Unterschied zum unaufgewachten Publikum der großen Medien. Da wird geschimpft, beleidigt, unterstellt, alles besser gewusst und böse verleumdet. Wenigstens muss sich hier niemand umstellen.

Dabei kennt jeder die enttäuschende oder auch beleidigende Situation: Sie möchten ein Schlafschaf über die Klima-Lüge, den 11. September 2001 oder ähnliche verbrecherische Machenschaften aufklären und werden nur als Verschwörungstheoretiker betitelt. Ein Unding, nicht wahr? Doch genau derselben Art von Herabwürdigung bedienen sich leider nicht wenige dieser Aufgewachten, indem sie nämlich zu – in ihren Augen – „ungewohnten“ oder aus dem üblichen „gegen den Mainstream“-Schema fallenden Artikeln sinngemäß solche Kommentare schreiben:

„Jetzt ist er gekauft, übernommen oder unterwandert worden. Hier lese ich nichts mehr.“

„Der war mir schon immer suspekt, er ist sicher ein Agent, Spion, Überläufer oder Spalter.“

„Wie kann er sich gegen das Thema xy äußern, wo wir doch alle längst wissen, dass es ganz anders ist? Für wen arbeitet er, wer bezahlt ihn wohl?“

Solche Äußerungen auf Kindergartenniveau gibt es über nahezu jeden Wahrheitspublizisten. Je bekannter eine alternative Website oder ein Blog wird, desto wahrscheinlicher ist es auch, dass sich irgendwann jemand bei einem bestimmten Thema auf die Füße getreten fühlt und mit wilden Beschimpfungen um sich schlägt, weil seine persönliche Überzeugung einfach widerlegt oder unerlaubterweise in Frage gestellt wurde.

Genau wie im Mainstream ist es nämlich auch bei den alternativen Medien verpönt, sich der allgemeinen Glaubensrichtung zu widersetzen. Die einfache Regel lautet: Immer das Gegenteil der offiziellen Meinung ist wahr. Im Grunde ist diese Einstellung so verkehrt nicht, sie ist jedoch zu trivial formuliert, denn wie wir anhand von Naturgesetzen erkennen können, kann diese Regel gar nicht grundsätzliche Richtigkeit besitzen. Es liegt an jedem Einzelnen, die Dinge immer selbst zu prüfen, auch wenn das höchst anstrengend sein mag.

Leider ändert sich das Konsumverhalten in Bezug auf Informationen vieler sogenannter Aufgewachter durch den Aufwachprozess selbst überhaupt nicht. Wurde vor dem einschneidenden Aha-Effekt blind dem Fernsehen und den „seriösen“ Nachrichtenmagazinen fast alles geglaubt, so erhalten anschließend die meisten sogenannten unabhängigen Medien dasselbe blinde Vertrauen. Dem Herdentrieb folgend wird dadurch von den Leuten zu vielen Themenbereichen eine Art Parallelwelt aufgebaut, ohne dass überhaupt ein eigenes substantielles Wissen dahinter liegen würde.

Wagt es ein Autor, diese alternativen Dogmen zu kritisieren oder in Frage zu stellen, erntet er den eben beschriebenen Missmut seiner Leser, teilweise auf brutalste Art. Dadurch sind manche Blogger wegen dieses teils unkritischen und stets zustimmend hinterhertrottenden Publikums leider sogar in der Lage, Mitstreiter aus den eigenen Reihen zu diskreditieren.

Um selbst nicht angegriffen zu werden oder um möglichst viele Leser zu erhalten, bedienen sich manche Schreiber des primitiven Mittels der Denunzierung. Dabei werden diejenigen Kollegen aufs Korn genommen, welche sich den allgemeinen Ansichten widersetzen oder die – aus welchem Grund auch immer – den Neid auf sich ziehen.

Außerdem gibt es einige Publizisten, die ganz offensichtlich der Meinung sind, die Wahrheitsbewegung quasi anzuführen, über die besten und wichtigsten Informationsquellen zu verfügen, den umfassendsten Gesamtüberblick zu besitzen, am penibelsten zu recherchieren und einen grundsätzlichen Informationsvorsprung für sich beanspruchen, durch welchen sie andere Ansichten entsprechend herablassend verunglimpfen dürfen. Erschreckend ist in diesen Fällen, wie ergeben die jeweilige Leserschaft ihren „Führern“ folgt. Wo besteht hier eigentlich noch ein Unterschied zu den so verhassten Massenmedien und den brav nickenden Schlafschafen?

Jeder Leser hätte im Grunde die Aufgabe, die ihm vorliegenden Informationen stets zu überprüfen und sie nicht nur deswegen einfach zu glauben, weil sie sein Lieblingsblogger veröffentlichte. Wer aber prüft schon selbst nach, ob das Gelesene und Behauptete tatsächlich stimmt? Mangels Zeit und Fachwissen ist das in vielen Fällen gar nicht möglich. Aber ist blindes Vertrauen dann wirklich die zwingende Konsequenz?

Ein weiteres Problem dieser Art Hörigkeit ist der spontane Glaubwürdigkeitsverlust, denn liegt ein Autor subjektiv betrachtet einmal mit seiner Meinung angeblich daneben, fällt nicht selten sein gesamtes Schaffen in Ungnade bei manchem Leser. Da Letzterer das vermeintliche Fehlverhalten aber gar nicht wirklich beurteilen kann, weil er nämlich nie selbst prüft, wirft er einfach das gesamte vorherige Vertrauen in die Tonne und bekräftigt seinen Unmut außerdem noch lautstark. Wenn das mal kein original Schlafschafverhalten ist?

Wer von den Wahrheitspublizisten hat denn die endgültige Wahrheit? Keiner, auch Wahrheiten.org hat sie nicht, das sagt schon der Untertitel „Nichts glauben – selbst prüfen!“. Es ist auch nicht die Aufgabe der unabhängigen Medien, jetzt die Ersatzposition der Lügenmedien einzunehmen und es ist erst Recht nicht die Aufgabe der Leser, sich weiterhin genauso passiv wie zu ihren Schlafschafzeiten zu verhalten und brav das zu glauben, was gerade angesagt ist, was die bevorzugte Website publiziert oder was die meisten anderen auch „glauben“.

Wir, jeder von uns, haben die Aufgabe, die Dinge zu prüfen, selbst zu prüfen. Dabei müssen nicht alle immer zum selben Ergebnis kommen, denn das wird nur selten der Fall sein, weil der Wissens- und Bildungsstand viel zu unterschiedlich ist. Es geht hauptsächlich darum, ein Gefühl dafür zu erhalten, welche Informationen für uns jeweils relevant sind und wie wir sie verifizieren können. Alles können wir eben nicht prüfen.

Die Behauptung, es gäbe stets mehrere Wahrheiten ist eine Lüge. Es gibt definitiv zu jedem Thema nur eine einzige Wahrheit, doch die entscheidende Frage ist, wie lautet sie? Darum geht es, das muss jeder für sich herausfinden. Mit Hilfe der alternativen Medien, aber auch mit allen anderen Quellen.

Was macht nun einen wirklich aufgeklärten Menschen aus? Ist es die Wahl der Medien, sodass er seine Informationen nun anstatt von der Tagesschau und vom Spiegel ausschließlich von Webseiten der unabhängigen Medien bezieht? Nein, denn damit bleibt er ja genauso passiv wie zuvor und muss weiterhin das glauben, was ihm vorgekaut wird. Sich dann als „aufgewacht“ zu bezeichnen ist lächerlich.

Jeder hat die Pflicht, sich selbst zu informieren und nicht blind alles zu glauben, was ihm präsentiert wird. Weder den etablierten Massenmedien noch den alternativen Medien darf er glauben, sondern er wird leider den beschwerlichen Weg gehen und die Dinge selbst in die Hand nehmen müssen. Die Verantwortung für die Beurteilung von Informationen auf ihre Richtigkeit kann und darf nicht einfach und bequem auf die Publizisten der Wahrheitsbewegung abgeschoben werden. Was passiert, wenn Verantwortung einfach abgetreten wird, sehen wir an unseren sogenannten Volksvertretern.

Woran erkennen wir schlussendlich die Wahrheit? Daran, wie viele Menschen einer bestimmten Aussage Glauben schenken? Sind wir dann auf der sicheren Seite, wenn möglichst viele Gleichgesinnte unsere Überzeugung teilen? Oder könnte es nicht auch umgekehrt sein, dass sich viele Fliegen durchaus einmal irren? Die Antwort lautet „es kommt darauf an“. Darauf nämlich, was wahr ist und das hat rein gar nichts damit zu tun, wieviele Anhänger eine bestimmte Anschauung hat oder nicht.

Glauben Sie nichts, prüfen Sie alles, jeweils nach Ihren Möglichkeiten. Wer nicht selbst prüft, findet niemals die Wahrheit, denn er muss immer anderen glauben.

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17 Kommentare

  1. am 26. Juni 2011 um 23:25 1 ingo

    Meine Worte :D

  2. am 10. Juli 2013 um 21:44 2 Frank

    Wer in Zukunft nur noch die Wahrheit in den Medien hören möchte sollte die „Neue Mitte“ wählen.

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