Ihr Staat ist pleite? Lassen Sie sich doch retten

© Marcus Stark / pixelio.de

Unsere Kanzlerin lässt sich nicht lumpen, wenn unseren Euro-Nachbarn geholfen werden muss. Koste es, was es wolle, der deutsche Steuerzahler ist geduldig und gibt gern, schließlich will er den Euro erhalten.

Will er das wirklich? Egal, es spielt keine Rolle, was der Bürger will, und bis die Zahlungsverpflichtungen auf ihn persönlich durchschlagen, ist der Zug sowieso längst abgefahren. Dann geht es nur noch darum, sich selbst zu retten. Bis dahin seien Sie bitte großzügig zu unserer Obrigkeit.

Liebe Bürgen der Bundesrettungs-Republik Deutschland. Willkommen im Spiel des Lebens. Sie kennen das Spiel bereits, es nennt sich jetzt „Jeder rettet Jeden“. Und wie immer fängt es ganz unten an, indem die noch verbliebenen Arbeitnehmer alle Rentner, Arbeitslosen und Hartz-4-Empfänger retten. Dann retten die reichen Bundesländer die armen und schließlich rettet die BRD alle anderen Euro-Länder. Eigentlich ganz einfach und die Spielregeln sollten ebenfalls niemanden überfordern, denn diese lauten ganz simpel: Bitte zahlen.

In Zeiten von unzähligen Rettungsschirmen und Rettungspaketen gehen nicht nur viele andere Meldungen unter, sondern auch hin und wieder Menschen. So berichtete München 24 am 20.02.2011 von einer vorbildlichen Rettungsaktion:

Am vergangenen Freitag gegen 17 Uhr, sah ein 41-jähriger Mann aus Haar, wie eine 64-jährige Frau aus München leblos in der Isar trieb. […] Der Mann war mit seinem 4-jährigen Sohn beim Spazieren an der Isar. Er sagte seinem Sohn, er solle am Ufer warten und dann sprang er ohne zu Zögern ins Wasser, um die Rentnerin zu retten. Es gelang ihm, die Frau zu ergreifen und ans Ufer zu ziehen.

Mit Hilfe der zwischenzeitlich eingetroffenen Polizeibeamten wurde die Frau ans Ufer gezogen und dort dem Rettungsdienst übergeben.

Welch ein selbstloser Einsatz. Dazu im Vergleich sieht die Euro-Rettung richtig alt aus. Übertragen auf die Euro-Zone wäre der 41-Jährige in Wirklichkeit eine behäbige Dame von gut 65 Jahren mit dem Namen BRD und anstatt einer 64-jährigen Frau treiben ein halbes Dutzend fast ertrunkene EU-Staaten in den immer höher steigenden Euro-Fluten.

Das Paradoxe dabei: Diese Staaten sind einerseits alle pleite während andererseits Unmengen an zusätzlichen Euros gedruckt werden. Die Ertrinkenden verdursten also in Wahrheit. Besonders schlimm steht es derzeit um unser ständiges Sorgenkind, Griechenland. Was vor Monaten niemand auszusprechen wagte und als völlig absurde Lösung bezeichnet wurde, wird nun schon offiziell in Erwägung gezogen, nämlich eine Währungsreform. Die Presse dazu am 22.02.2011:

Eine wachsende Zahl von Experten hält eine griechische Pleite für unausweichlich. Hochrangige deutsche Ökonomen sehen nun sogar den Austritt des Landes aus der Eurozone als realistische Perspektive.

[…]

Griechenland, meinen die Ökonomen, hätte eigentlich nur zwei Möglichkeiten: den Austritt aus der Eurozone samt Rückkehr zur Drachme oder eine radikale Senkung von Löhnen und Preisen. Also eine „externe“ oder eine „interne“ Abwertung.

Da waren sie wieder, die fast allgegenwärtigen „Experten“, die ständig um die Wette Prognosen für die Vergangenheit aufstellen. Bald wird sich hier also erstmals ein Teilnehmer aus der hochgelobten und vielgepriesenen Euro-Währungsunion verabschieden. Das bedeutet, dieser – für uns besonders – teure Spaß einer gemeinsamen Währung wird demnächst rückabgewickelt.

Großspurig sprechen die Experten davon, welche Gefahren eine Transferunion für Griechenland bergen würde. Für Griechenland? Das Land könnte von den Finanzhilfen abhängig werden. Könnte werden? Guten Morgen, liebe Experten, ist euch etwa jetzt auch schon aufgefallen, dass insbesondere die BRD ihre Rettungsgelder an den Olivenstaat niemals mehr wiedersehen wird?

Einer der ganz wenigen denkenden Volksvertreter in Berlin mit Mut und Rückgrat – welches sich bei 99% der anderen Abgeordneten nicht einmal massenspektroskopisch nachweisen lässt – hat dieses Problem beim Namen genannt und sogar eine Lösung vorgeschlagen, die derzeit für die Mehrheit der Menschen noch höchst ungewöhnlich anmuten dürfte. Frank Schäffler sagte am 22.02.2011 in der WirtschaftsWoche:

„Angesichts der sich ausweitenden Krise müssen wir uns fragen“, so Schäffler, „welche Sicherheiten Deutschland für seine Kredite und sonstigen Forderungen an schwächelnde Euro-Länder einfordern kann.“ […]

Der FDP-Politiker hält jedoch Staatsanleihen der hochverschuldeten Staaten für ungeeignete Sicherheiten. Schäffler sagte der WirtschaftsWoche: „Wesentlich geeigneter als Sicherheit ist Gold.“

Sieh an, er hat es einfach laut ausgesprochen: Staatsanleihen und der Euro selbst sind eigentlich wertlos. Hoffentlich kapieren das jetzt nicht plötzlich alle Bürger und Fondsmanager, denn dann gibt es Chaos. Aber diese Angst dürfte wohl unbegründet sein, denn schließlich haftet die BRD für den Euro und damit auch für ganz Europa – und Angela Merkel sagte sogar, unsere Spareinlagen seien sicher. Wozu also Panik schieben?

Im schlimmsten Fall fällt Griechenland eben raus aus dem Euro, dann wechseln wir halt wieder das Geld vor dem Urlaub um, was solls. Vielleicht denken tatsächlich viele Bürger so ähnlich, jedoch die Medien vermitteln durchaus eine gewisse Furcht vor dem großen Unbekannten, dem Staatsbankrott, der in unseren Breiten offenbar unmittelbar vor der Türe steht mit all seinen Konsequenzen – von denen bislang freilich nur wenig in der Presse steht.

Lustig ist, wie sich nun derzeit mancher „Bankenstratege“ Sorgen um diese Entwicklung macht, wohlwissend, wieviel Geld im Pleitefall für seine Bank verloren und damit auch die Gefahr des Durchschlagens auf den eigenen Bonus verbunden ist. In der Financial Times Deutschland stellte sich das am 17.02.2011 folgendermaßen dar:

Der Bundesverband deutscher Banken rechnet bei den Hellenen mit einem Schuldenschnitt – und stellt sich damit gegen öffentliche Parolen vieler Politiker und Notenbanker.

[…]

Schmitz Forderung, die Staatsanleihen im Bankbuch dem Stresstest zu unterziehen, ist bemerkenswert. Viele Aufseher, etwa die Bundesbank, sind dagegen. Hintergrund ist, dass Papiere dort eigentlich bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Eine Bank muss etwa Staatsanleihen daher nur dann im Bankbuch wertberichtigen, wenn sie von einer Pleite eines Landes oder einer Umschuldung ausgeht.

Genau, das Problem sind die unzähligen vakuumverpackten und längst verfaulten Eier im hintersten Keller. Solange sie luftdicht abgepackt sind, riecht keiner das Ungemach, aber wehe jemand möchte einen Kuchen backen und holt sich eine Packung dort heraus.

Da können diese Nieten in Nadelstreifen ihre Taschenrechner glühen lassen, solange sie wollen, der reale, echte Stresstest steht nämlich bald auf der Matte. Dann platzen die Eierpakete reihenweise auf und der unerträgliche Gestank maroder Banken wird sich durch alle Länder verbreiten.

Um das zu verhindern, agiert die EU in immer wilderer Panik. Eine Wirtschaftsregierung soll es richten, besser gesagt eine Wirtschaftsdiktatur. Ein Bericht des europe-online Magazins vom 22.02.2011 zeigt, welches geheime Spiel hier vorbereitet wird:

In einem am Dienstag verabschiedeten gemeinsamen Bundestagsantrag heißt es, vor konkreten Beschlüssen auf EU-Ebene müsse die Bundesregierung das Parlament informieren. Zudem sei die Einwilligung des Bundestages beim Verhandlungskurs der Bundesregierung auf EU-Ebene vor möglichen Hilfen notwendig […].

[…]

Zudem solle der Bundestag «frühestmöglich, fortlaufend und umfassend» über die Arbeiten unterrichtet werden.

[…]

In Fraktionskreisen hieß es, Merkel sei «nicht ganz glücklich» mit dem Vorhaben der Bundestagsabgeordneten […].

Da zeigt sich, welche Vorteile die straffe Führung der Merkel-„Regierung“ mit sich bringt, denn diese hörigen Koalitionshampelmänner bitten lediglich ganz vorsichtig darum, wenigstens informiert zu werden, ja sie flehen regelrecht, alle Entscheidungen immer brav abnicken zu dürfen. Angela Merkel wiederum scheint diese Form der parlamentarischen Mitsprache nicht gern billigen zu wollen. Und sie hat natürlich Recht, denn diese demokratischen Auswüchse sind in Diktaturen nicht gern gesehen und auch nicht üblich.

Na, da warten wir jetzt einfach mal ab, wann die nächste Stufe gezündet wird und die Medien über den ersten erfolgten Staatsbankrott berichten können. Danach sind auch keine Stresstests oder Pleiteszenarien mehr nötig, sondern die blassbleichen Bänker können die Folgen dann in der Realität beobachten.

Wer diese Entwicklung in den vergangenen Jahren aufmerksam beobachtet hat, der weiß, was als nächstes kommt. Nahezu alle Voraussagen der Krisenpropheten haben sich erfüllt, lediglich die zeitlichen Prognosen erwiesen sich in etlichen Fällen als zu knapp geschätzt. Das bedeutet, auch die restlichen, noch nicht erfüllten Voraussagen werden der Reihe nach eintreten.

Allmählich scheinen sogar einige der sonst so obrigkeitstreuen Medien verschiedene umbequeme Zusammenhänge zu erkennen – immerhin ein Anfang. Da kommt noch einiges auf uns zu und möglicherweise passiert es sogar plötzlich Schlag auf Schlag, was bisher Monate und Jahre dauerte.

Halten Sie die Augen offen und stehen Sie bereit, auch wenn uns jeden Tag irgendwelche wilden Märchen um die Ohren gehauen werden, wie rosig doch angeblich die Zukunft aussieht. Dies ist nur dann der Fall, wenn Sie auf das richtige Pferd gesetzt haben. Weder Aufschwung noch Wirtschaftsregierung auf der einen und weder ein Bewusstseinssprung in 2012 noch New Age oder ähnliche Hoffnungsanker auf der anderen Seite werden Ihnen in der kommenden Bedrängnis helfen. Wollen Sie es wirklich drauf ankommen lassen?

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6 Kommentare

  1. am 24. Februar 2011 um 20:51 1 rainer

    Hallo,

    was Banker öffentlich sagen, soll doch deren Gewinnspanne nach oben treiben. Wenn schlechte Stimmung gemacht wird, na dann steigen die Zinsen für Griechenland und wer verleiht es? Deutsche Banker.

    Also keine Angst, die Banken werden ihr Geld schon retten und solange sie verleihen, ist die Lage gar nicht schlimm.

    Geld ist immer eine Frage des Vertrauens deswegen handeln wir im eigenen Interesse, wenn wir das Vertrauen in das Geld stärken. Keine Angst – diese Welt ist eine Welt der Hülle und Fülle. In der sogenannten großen Wirtschaftskrise des letzten Jahrhunderts wurden mehr neue Millionäre gemacht als in den guten Zeiten.

    Augen auf und die Gelegenheiten der Zeit nutzen…

    Liebe Grüße Rainer

  2. am 4. März 2011 um 12:22 2 iris bücker

    also ich muss sagen: ich bin geschockt!
    was kann man denn überhaupt in einer hyperinflation tun? und was, wenn man (wie ich) hartz-IV-empfängerin ist? lebensmittel bunkern? kommt es bei uns wie in usa wo jetzt schon 44 mio menschen lebensmittelmarken erhalten? werden wir obdachlos? sollte ich mir ein zelt zulegen?
    wann wird sowas passieren? dieses oder nächstes jahr schon?
    und was sind das für chancen, die sich aus solch einer krise ergeben könnte? haben die auch arme leute?
    fragen über fragen … vielleicht hat ja doch jemand mal antworten? ,-)
    lg iris
    http://iris-buecker.de

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