Ausstieg aus dem Hamsterrad: Endlich wieder frei – Teil 2

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Wie aus einem vegetarischen Gutmenschen ein rationaler und bodenständiger Realist wurde, berichtet Herr L., der seinen prestigeträchtigen Geschäftsführerposten gegen die Selbstständigkeit und einen 500 qm Selbstversorger-Garten eintauschte.

Seinen veränderten und bescheidenen Lebensstil bereut er keineswegs. Dank viel Geduld und Ausdauer stärkte ihm auch seine Familie den Rücken bei der Umstellung und der umfangreichen Krisenvorsorge.

Zurück zum ersten Teil des Interviews.

Wahrheiten.org: Haben Sie durch Ihre neue Tätigkeit heute mehr Zeit für sich bzw. für Ihre Familie?

Herr L.: Ja. Das ist genau der Punkt, der mir am Selbstständigendasein am meisten gefällt. Ich muss vielleicht erwähnen, dass meine Frau in 2008 noch einmal schwanger wurde und wir Anfang 2009 Eltern einer süßen Tochter wurden. Unsere große Tochter ist mittlerweile 14 Jahre alt. Sie habe ich kaum aufwachsen sehen, ganz im Gegenteil zu unserer Kleinen.

Hatte Ihre persönliche Veränderung auch andere, negative Auswirkungen auf Ihre Familie?

Das alles hatte ERHEBLICHEN Einfluss auf meine Familie und mein privates Umfeld!

Um alle die bereits genannten Aktionen durchzuführen, brauchte ich natürlich meine Frau, weil alles auf uns gemeinsam lief bzw. läuft. Das war ein hartes Stück Arbeit und so manche Träne der Verzweiflung ist geflossen.

Wenn sie jemanden, der unbedarft und gutgläubig sein Leben im System lebt, von heute auf morgen seiner Illusion berauben und gleichzeitig Ängste – vor dem Unbekannten – schaffen, dann ist das nur zu verständlich.

Wie verhielt sich Ihr Umfeld, speziell Ihr Freundeskreis?

Das private Umfeld hat sich zum Teil von mir distanziert. Bekanntschaften, die ursprünglich beruflich entstanden waren, brachen sowieso gleich ab.

Bekanntschaften aus dem privaten Bereich haben sich oft distanziert, wenn ich, nach meinem Beweggrund befragt, mit der Wahrheit herausrückte. Ich bin sicher, die meisten halten mich, spätestens nach einem kleinen Vortrag über unser Finanzsystem und dessen baldigem Kollaps, für total übergeschnappt. Unverständnis und Realitätsverweigerung wo man nur hinschaut.

Ein häufiges Thema ist das teilweise zwanghafte Mitteilen-Müssen der neuen Erkenntnisse an seine Mitmenschen. Ging Ihnen das so und wie waren Ihre Erfahrungen dabei?

Nachdem ich glaubte, die Zusammenhänge und grundlegenden Ursachen vieler Dinge, die auf der Welt meines Erachtens falsch laufen, erkannt zu haben, war mein Bedürfnis, diese Erkenntnis anderen mitzuteilen natürlich sehr groß. Die erste, der ich versucht habe das Ganze zu erklären, war meine Frau.

Wie gut waren hier die Voraussetzungen für Ihr diesbezügliches Aufklärungsvorhaben?

Ich muss vorausschicken, dass meine Frau gerade in Beziehung auf das Finanzsystem im wahrsten Sinne des Wortes vorbelastet ist: Ihr selbständiger Vater war finanziell in Schieflage geraten, hatte sich auf Empfehlungen von Bankern eingelassen – und ALLES verloren.

Ihr Vater verlor daraufhin auch noch alles andere: Das schuldenfreie Elternhaus – die Bank hat es als Sicherheit eingezogen -, dann schließlich seine Familie durch Trennung und am Ende auch sein Leben. Es wurde nie geklärt, ob es sich um Selbstmord gehandelt hatte.

Dieser so vorbelasteten Frau sollte ich nun erklären, dass ich selbständig arbeiten werde und unser Vermögen aus allem, was ihr Sicherheit vermittelte, nämlich Lebensversicherungen, Riester, Festgeld usw., abziehen werde.

Manch einer berichtet gar von Scheidung oder Trennung, weil sich der Partner – meist der Mann – überraschend völlig verändert hat. Zog Ihre Frau von Beginn an mit oder toleriert Sie heute lediglich Ihre neuen Ansichten?

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige Beziehungen zu Bruch gehen. Unsere Beziehung wurde erst auch sehr belastet.

Wie ich schon sagte kam es bei meiner Frau erst einmal zum Déjà-vu wegen ihres Vaters. Es waren Wochen, wenn nicht gar Monate, in denen Sie sehr viele Tränen vergossen hat. Vergessen Sie nicht, dass sie zu diesem Zeitpunkt mit unserer zweiten Tochter schwanger war, die dann Ende März 2009 geboren wurde.

Ich schilderte ihr das worst-case-Szenario nach einem Kollaps des Finanzsystems und sie sah natürlich sich bzw. uns und auch das ungeborene Kind akut bedroht. Wenn wir nicht so eine gute und belastbare Beziehung gehabt hätten, wäre wahrscheinlich unsere Ehe daran zerbrochen.

Am Ende machten wir dann einen schriftlichen Vertrag – das machen wir bei wichtigen Dingen immer *grinst* -, in dem sie mir die uneingeschränkte Verfügung über alle finanziellen Belange zugestand! Seitdem steht meine Frau voll hinter allem, was ich tue. Sie möchte aber so wenig wie möglich davon wissen.

Hat sich dabei auch Ihr Lebensstil verändert?

Natürlich! Zuerst einmal wollte ich unseren, auch nach außen hin sichtbaren aufwendigen Lebensstil ‚herunterfahren‘. Meinen Dienstwagen der Oberklasse durfte ich noch drei Monate bis zum Ende meiner Kündigungsfrist fahren. Danach wurde ein gebrauchtes 15 Jahre altes Fahrzeug angeschafft und bar bezahlt. Auf Urlaube wurde – erst einmal – verzichtet. Keine unnötigen elektronischen Gimmicks wurden mehr gekauft.

Haben Sie neben diesem deutlichen Konsumverzicht auch gewisse Vorsorge betrieben?

Das Schicksal wollte es, dass ein an unser Grundstück angrenzendes Gartengrundstück mit 500 qm Fläche zum 31.12.2009 frei wurde. Wir konnten die alte Pacht übernehmen und zahlen nun dafür 93 Euro pro Jahr! Ab dem Frühjahr begannen wir es zu bewirtschaften: Kartoffeln, Gemüse, Obst, auch von vorhandenen Bäumen. Ich habe mir einen Einkochautomaten gekauft und sehr viel eingekocht. Meine Frau und unsere Freunde sehen das mit einem Schmunzeln – und genießen die Ergebnisse.

Mein Tagesablauf ist durch meine Selbständigkeit natürlich auch ein anderer geworden. Ich bin jetzt Herr meiner Zeit und nicht mehr durch ‚Meetings‘ und den BlackBerry getrieben.

Dem blinden und unersättlichen Konsum zu entsagen, bereitet erfahrungsgemäß insbesondere den Damen der Schöpfung häufig Schwierigkeiten. Wie gehen Sie bzw. Ihre Frau und Ihre große Tochter damit denn heute um?

Durch die Erlebnisse in ihrer Kindheit, wie schon beschrieben, ist meine Frau schon immer eine sparsame Person gewesen. ‚Ständig der neueste Trend‘ war für sie noch nie ein Thema. Dergleichen gilt für mich.

Die meisten Schwierigkeiten mit dem neuen Lebensstil hatte eher unsere 13-jährige Tochter. Ich habe ihr dann sehr lange die Hintergründe und die Beweggründe dafür erklärt und das hat sie dann voll akzeptiert.

Nach außen hin gibt sich mittlerweile die gesamte Familie bescheiden. Das nimmt uns auch jeder ab, da sie wissen, dass wir ja von meinem bescheidenen Einkommen aus meiner Selbständigkeit leben müssen *grinst*.

Waren Sie auch einer der typischen Gutmenschen?

Ja, auch ich wollte die Welt zu einem guten, konfliktfreien Ort machen. Dazu war lehrmeisterhaftes Verhalten gegenüber Andersdenkenden das Mittel der Wahl.

Irgendwann im fortgeschrittenen Erwachsenenalter, so ab 40, stellte ich mir dann aber die ersten politisch-unkorrekten Fragen, ob diese nun mit unserer geschichtlichen Vergangenheit oder dem Klimawandel aufgrund von CO2 zusammenhingen.

Was waren denn Ihre „herausragenden Eigenschaften“ als Gutmensch?

Ich neigte gegenüber Andersdenkenden zum Teil zur Radikalität. Ich klebte Autofahrern, die auf dem Radweg parkten, einen Aufkleber auf die Windschutzscheibe, drehte Autos, die mit laufendem Motor am Straßenrand abgestellt waren, den Zündschlüssel um und konnte mich über Raucher in meinem Umfeld gar nicht genug aufregen.

Als ganz besonders ‚gut‘ empfand ich mich, als ich mit 35 Jahren beschloss, kein Fleisch mehr zu essen und Vegetarier zu werden.

Ein wirklich sehr vorbildlicher Gutmensch. Sind Sie heute noch immer Vegetarier?

Ich war 13 Jahre lang Vegetarier – und fand mich dabei ganz außergewöhnlich. Seit  diesem Jahr esse ich aber nun wieder MIT GENUSS Fleisch. Basta!

Sie haben ja im finanziellen Bereich papiergeldlos bestens vorgesorgt. Wie weitreichend sind Ihre Maßnahmen in Bezug auf die Selbstversorgung?

Eine autarke Versorgung sicherzustellen ist gar nicht so einfach. Klar haben wir genügend Lebensmittel eingelagert, damit meine Familie und ich ca. 3-4 Monate ohne Zukauf überleben können. Dazu ließ ich in diesem Jahr noch auf unserem Grundstück einen Brunnen bohren und habe die entsprechenden Filter zum Aufbereiten des Wassers besorgt.

Die erste Ernte aus unserem Garten habe ich auch dieses Jahr ‚eingefahren‘. Ich habe zwar vieles haltbar gemacht, aber DAVON kann eine vierköpfige Familie nicht bis zum nächsten Frühjahr leben. Ich habe die Fläche bisher nicht voll ausgenutzt, denn grundsätzlich ist es gar nicht so einfach, vom Schreibtischtäter zum Bauern zu mutieren. Ich glaube da machen sich viele Illusionen.

Betreiben Sie noch weitere Vorsorgemaßnahmen?

Über das Thema Nahrungsmittelerzeugung und -einlagerung kommt man ganz schnell zum nächsten wichtigen Thema: Der Sicherheit. Was passiert, wenn im Krisenfall der Nachbar nichts mehr zu essen hat?

Auch hier haben wir ganz unauffällig unser Haus abgesichert: Parterrefenster vergittert, zulässige Waffen besorgt, Pfefferspraydosen im ganzen Haus verteilt, Feuermelder und -löscher im ganzen Haus installiert.

Welche Punkte halten Sie für besonders wichtig und was wird Ihrer Ansicht nach von den Krisenpropheten eher übertrieben dargestellt?

Meine drei wichtigsten Punkte habe ich schon genannt: „Raus aus allen Papierversprechen“, „Nahrungsmittelversorgung“ und „Sicherheit“.

Auf einschlägigen Seiten im Internet kann man ja von fünf Bereichen lesen, in denen man sich absichern sollte: Einkommen, Finanzen, Versorgung, Sicherheit und eigene Fähigkeiten.

Ich denke, dass ich die drei wichtigsten nach bestem Wissen und in der richtigen Reihenfolge abgesichert habe.

Was die zukünftigen Einkommensquellen angeht, fehlt mir leider die Vorstellungskraft, was in Zukunft gebraucht werden wird. Als praktisch veranlagter Ingenieur, der von der Elektrogerätereparatur über das Mauern, Schreinern und Fliesenlegen im Haus bis zum Kartoffel- und Gemüseanbau im Garten schon alles gemacht hat und auch alle dazu notwendigen Werkzeuge besitzt, denke ich, dass ich recht gut auf alles vorbereitet bin, was da kommen mag.

Wie schaffen Sie es, dass Ihr Umfeld von Ihrer Vorsorge möglichst wenig mitbekommt, denn es könnten sich doch Nachbarn an Ihr Verhalten sowie Ihre Warnungen und Hinweise diesbezüglich erinnern?

Den ersten und wichtigsten Punkt, nämlich das Sichern der Finanzen, haben wir ganz im Geheimen erledigt. Nur meine Frau und ich wissen Bescheid. Selbst nahe Angehörige wissen nur ‚von ein paar Münzen‘ aus den Gesprächen, die ich geführt habe.

Von den eingelagerten Vorräten wissen auch nur meine Frau, unsere große Tochter und ich. Der Anbau von Gemüse und Obst auf unserem Grundstück ist allerdings für alle offensichtlich, da es sich um ein zwar eingezäuntes, aber einsehbares Grundstück handelt.

Die zusätzliche Absicherung unseres Hauses musste nur im hinteren Teil des Hauses erfolgen, auf der Gartenseite, und war dementsprechend diskret durchzuführen. Die Straßenseite war schon mit vergitterten Fenstern unten versehen, so dass sich hier nichts geändert hat. Ich denke, dass unsere Vorsorge nicht groß, und wenn, dann nur im nahen Nachbarnumfeld aufgefallen ist.

Wenn Sie nach all diesen gravierenden Veränderungen zurückblicken, könnten Sie sich vorstellen, jemals wieder in Ihre alte Rolle zurückzugehen?

Nein, auf keinen Fall! Nie wieder Angestelltenverhältnis! Nie wieder ungedeckte Papieranlagen!

Bei einer Eskalation der Lage können wir uns sogar noch weitere Schritte bis hin zum Auswandern vorstellen. Darüber gesprochen haben wir zumindest schon einmal.

Was empfehlen Sie den Menschen, die sich gerade in ähnlicher Situation befinden, wie Sie zu Beginn Ihrer persönlichen Wende?

Zuerst sollten sie sich umfassend aus verschiedenen unabhängigen Quellen über die aktuelle Lage des Systems informieren. Auf jeden Fall Gespräche mit Leuten führen, die das schon erfolgreich hinter sich gebracht haben. Danach den eigenen Weg planen.

Jeder Mensch ist anders, jedes Umfeld, jede Lebenssituation ist unterschiedlich. Da gibt es kein Patentrezept.

Zu unserem Weg hat auch eine gewaltige Portion Glück gehört. Nennen Sie es von mir aus auch Schicksal.

Was hätten Sie, im Nachhinein betrachtet, bei Ihrem „Aufwachen“ doch lieber anders gemacht?

NICHTS von dem, was ich gemacht habe! Es ist alles optimal gelaufen.

Momentan schaue ich dem Geschehen in aller Ruhe von der Seitenlinie aus mit offenen Augen zu und stelle mich auf eventuelle Änderungen des Geschehens oder der Regeln flexibel ein.

Vielen Dank für das Interview.

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Literatur zum Thema Vorsorge

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16 Kommentare

  1. am 22. November 2010 um 16:31 1 Mistral

    Der Schritt in die Selbständigkeit ist keine Frage des erlernten Berufs. Dafür braucht man in erster Linie Willensstärke, denn beim ersten Gegenwind – und der kommt immer – darf man nicht einknicken. Zudem ist Flexibilität gefordert, denn sehr oft läuft es am Anfang halt nicht so nach Plan. Es gibt es in allen Bereichen komfortable Nischen, in denen man anfänglich als Einzelkämpfer sein Geld verdienen kann. Wer soziale Sicherheit braucht – wenn es so etwas überhaupt noch gibt – der sollte lieber in einem abhängigen Berufsverhältnis bleiben. Eine Möglichkeit besteht jedoch auch manchmal darin, seine berufliche Selbständigkeit mit einem Nebenjob Schritt für Schritt anzugehen.

    Eine eigene Immobilie und 500 Quadratmeter Garten, kann ich mir auch als Angestellter erarbeiten, wenn ich die dafür benötigten Leistungen erbringe und meine Ansprüche den Tatsachen unterordne. Gerade in diesen Punkten gehen in der heutigen Zeit leider sehr oft Realität und Wirklichkeit weit auseinander.

  2. am 28. März 2014 um 23:31 2 Jupp

    Jeder ist seines Glückes Schmied ?
    Wie schnell hat man ein Messer im Kreuz.
    Justiz- oder Medizinopfer ist man auch schnell im demokratischen Rechtsstaat, denn Richter sind unabhängig.

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