Finca Bayano als Crash-Oase für Aussteiger? – Teil 2

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Sind Sie auf der Suche nach einer sicheren Bleibe, um während den möglicherweise sehr schwierigen Begleitumständen der kommenden Krise einigermaßen über die Runden zu kommen?

Dann könnte ein kleines Aussteiger-Dorf in Panama für Sie das Richtige sein. Was aber erwartet den auswanderungswilligen Abenteurer in Mittelamerika? Wer ist geeignet, diesen mutigen Schritt zu wagen und welche Vorteile werden sich ihm eröffnen?

Zurück zum ersten Teil des Interviews.

Wahrheiten.org: Welche Infrastruktur gibt es in der Siedlung?

Stefan Mudry: Wasser, Strom und Telefon werden an das Netz von Las Palmas angeschlossen. Internet kommt über unsere eigene Satellitenanlage. Abwasser geht in unsere eigene Kläranlage. Die Wege sind einfach befestigt und das ganze Jahr über befahrbar, aber nicht asphaltiert.

Um die Autarkie zu gewährleisten, werden wir an dem kleinen Fluß, der durch die Finca fließt, ein Wasserkraftwerk bauen, die Beete und Felder werden wir teilweise bewässern, Trinkwasser können wir aus einer eigenen Quelle schöpfen, die Schreinerei und die Schlosserei erfüllen die Wünsche der Bewohner an Erzeugnissen aus Holz und Metall.

Gibt es Tankstellen, Supermärkte, Baumärkte, medizinische Notversorgung usw. in der Nähe?

Die nächste Stadt ist Santiago in einer Entfernung von etwa 90 Kilometern. Dort gibt es alles. Eine der Grundvoraussetzungen dieses Projekts ist, dass es keine großen Städte in der Nähe gibt, denn wenn es hart auf hart kommt, wollen wir nicht, dass hungrige Großstädter unsere Früchte gegen unseren Willen ernten.

Im Gegensatz zu Benzin kann Diesel gelagert werden. Eine Tankstelle gibt es nicht, aber in Las Palmas – 6 Kilomenter entfernt – werden Diesel und Benzin in Kanistern verkauft.

Medizinische Notversorgung ja, aber nur minimal, ansonsten Santiago oder Panama-City. Das ist aber für das Projekt nicht entscheidend, denn es könnte sein, dass wir eines Tages auf natürliche Heilmethoden zurückgreifen müssen, nachdem die Versorgung zusammen gebrochen ist. Bis dahin ist geplant, eine eigene Krankenstation aufzubauen. Ein Heilpraktiker befindet sich unter den Interessenten. Außerdem werden wir verschiedene Medikamente bevorraten.

Was ist genau Euer Ziel für diese Siedlung, wie groß soll sie werden, was soll sie am Ende alles bieten?

Momentan gibt es 29 landwirtschaftliche Grundstücke für etwa 100 Fincabewohner. Die Nachfrage ist sehr groß. Sollten die Grundstücke bald verkauft sein, überlegen wir, von den Nachbarn Land dazu zu kaufen. Dann werden wir überlegen, ob wir das Dorf erweitern oder ob wir ein zweites Dorf bauen.

Das Dorf soll alles bieten, was die Bewohner zum Überleben brauchen. Insbesondere was den medizinischen Sektor betrifft

Wie ist der aktuelle Stand, habt Ihr schon ein paar Gleichgesinnte gefunden, die miteinsteigen werden?

Es haben sich innerhalb der letzten 4 Wochen 50 Leute gemeldet, die Interesse haben. Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahresende alle Grundstücke verkauft sind.

Euer Grundstücksplan lässt vermuten, dass jeder Interessant ein ca. hektargroßes Grundstück zum Anbau erwirbt und dazu ein kleines Grundstück im gemeinsamen “Dorf” erhält. Ist das die Idee dahinter?

Die Baugrundstücke haben im Durchschnitt 500 Quadratmeter. Es ist erstrebenswert, dass alle, die das wollen, in einer Dorfgemeinschaft wohnen, denn ein gemeinsamens Dorf gibt allen mehr Sicherheit. Im Prinzip erwirbt jeder seinen eigenen „Acker“, aber wir sind sicher, es bilden sich bald Kooperationen zum Nutzen der jeweiligen Partner.

Die landwirtschaftlichen Grundstücke sind etwa einen Hektar groß. Diese Fläche reicht aus, um die Produkte des täglichen Bedarfs für eine vierköpfige Familie zu erzeugen. Auf 20% der Fläche werden Obst und Gemüse angebaut, auf weiteren 20% wird Nutzholz angepflanzt und 60% des Grundstücks werden für die Tierhaltung genutzt. Wünsche der Fincabewohner, das Grundstück auf andere Art zu bewirtschaften, werden von uns berücksichtigt. Vegetarier benötigen nur einen Bruchteil der Fläche für Tiere wie zum Beispiel Hühner, um Eier zu produzieren.

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Kann man sich dort wirklich von einem solchen Acker selbst versorgen?

Absolut. Es wächst an 365 Tagen. Und wie…

Welche Kulturen bieten sich für den Anbau am besten an? Ergibt sich dabei eine ähnliche Speisekarte wie in Deutschland?

In höheren Lagen – wie es auf der Finca Bayano der Fall ist – wachsen viele Pflanzen, die es auch in Europa gibt wie zum Beispiel Kartoffeln und Kohl. Von daher gesehen wird die Speisekarte sehr europäisch sein, aber sie wird insbesondere durch Kochbananen ergänzt.

Wenn eines Tages die Transportsysteme zusammen brechen sollten, wird es in Europa keine Ananas mehr geben und die Europäer werden sich wieder auf die Lagerhalterung für den Winter konzentrieren müssen, aber hier wächst alles an 365 Tagen im Jahr weiter. Deshalb sind wir hier.

Wie erfolgt die Bodenbearbeitung, gibt es Maschinen dafür oder geht alles von Hand?

Wir werden einen Bagger, einen Traktor und andere Kleinmaschinen kaufen, denn entscheidend ist, dass die Finca funktioniert. Wenn es mal kein Öl mehr gibt, dann müssen wir eben alle umdenken. Daher werden wir uns so schnell wie möglich auf die Zucht von Pferden konzentrieren, um auch diesbezüglich vorbereitet zu sein.

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Welche Kenntnisse und Fähigkeiten benötigt man mindestens, um nicht nach drei Monaten verhungert oder völlig frustriert zu sein?

Den Willen zum Überleben und die Fähigkeit, mit anderen klar zu kommen. Denn das was bald auf uns zu kommen könnte, setzt Anpassungsfähigkeit voraus.

Welche Art von Häusern werden vor Ort gebaut und was muss man dafür in etwa investieren?

Dazu möchte ich auch auf die Webseite verweisen. Zwei Modelle wurden bereits vorgestellt, weitere sechs Modelle folgen in den nächsten Tagen.

Die preisgünstigste Variante ist das einfache panamaische Haus. Die Materialkosten für 100 Quadratmeter liegen bei etwa 5.000 Dollar. Das Haus zu bauen, kostet weitere 5.000 Dollar, das Baugrundstück dazu etwa 2.500 Dollar und alle technischen Anschlüsse, inklusive der anteiligen Kosten an der Satellitenanlage, Kläranlagen und anderen Installationen weitere 3.000 Dollar, unabhängig von der Größe des Baulandes. Absolut gleich sind diese Kosten nicht umzulegen, weil sich die Bewohner nicht gleich lange auf der Finca aufhalten werden.

Sind Euch bestimmte Vorteile in Bezug auf verschiedenste Regularien aufgefallen, die hier bei uns dem behördlichen Wahnsinn unterliegen?

Ein solches Dorf in Deutschland zu bauen, wäre unmöglich und würde wenig Sinn machen, denn fast alle Grundvoraussetzungen werden dort nicht erfüllt. Ferner würde der Regulierungswahn das Projekt für die meisten unbezahlbar machen. Solche Hindernisse gibt es Panama nicht. Zwar muss die Finca auch genehmigt werden, aber das ist im Vergleich sehr einfach.

Gibt es auch entsprechende Nachteile?

Es ist eben alles anders in Panama. Wir wollen mit diesem Projekt keine Panik verbreiten, aber wir versprechen den Menschen auch nicht das Paradies. Lateinamerika ist ja bekannt dafür, daß man alles etwas ruhiger angehen lässt, „deutscher“ Perfektionismus ist hier nur schwer erreichbar. Am besten ist es, wenn sich Interessenten vor Ort überzeugen, was sie erwartet.

Was vermisst Ihr persönlich von den hier bei uns üblichen Annehmlichkeiten?

Freunde und Bekannte. Ich kenne noch nicht viele Leute hier. Das hängt aber auch daran, dass ich wegen dieses Projekts kaum Zeit habe. Steht die Finca aber erst einmal, wird das hoffentlich anders.

Und welche neuen Möglichkeiten genießt Ihr umgekehrt?

Derzeit das Klima, den Pool, das Land, ein Gefühl der Freiheit, Luft zum Atmen…, und später Reiten, Hiking, Touren durchs Land, Klettern, Segeln, Entschleunigen, nicht umsonst wurde die Hängematte in der Karibik erfunden.

Welche Art von Menschen oder besser Mitstreitern sucht Ihr am liebsten oder habt Ihr dabei keine Einschränkungen?

Die Gemeinschaft wird umso stabiler und erfolgreicher, je besser sich die Kenntnisse und Fähigkeiten der einzelnen Bewohner ergänzen. Da achten wir auf eine optimale Zusammenstellung. Wir suchen kreative Menschen, natürlich einige mit einem grünen Daumen (oder zwei), die gewohnt sind, mit anzupacken, gerade im handwerklichen Bereich. Ein gewisses Startkapital müssen sie mitbringen.

Einschränkungen? Das ist schwer, zu beantworten. Natürlich keine Extremisten. Abgesehen davon richten wir uns an Menschen, die wir persönlich nicht kennen. Ich gehe aber davon aus, dass die Leute zueinander passen. Zumindest hoffe ich das. Dass Konflikte nicht ausgeschlossen werden können, ist allen Beteiligten klar. Daher planen wir, Treffen in Deutschland zu organisieren. Die Konfliktvermeidung werden wir zu einem späteren Zeitpunkt auf den Plan stellen.

Welche persönlichen Ansprüche sollte man unbedingt bereit sein, zurückzustellen, wenn man sich auf das Auswandern in die Finca entscheidet?

Das hängt weniger von der Finca als von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Wir sind wahrscheinlich die Letzten, die einfach mal so quer über den Globus jetten. Wenn diese Zeit vorüber ist, müssen wir uns alle einschränken und wahrscheinlich mehr als uns recht ist.

Die Herausforderung besteht unserer Ansicht nach dann darin, das was man in Panama vermisst, selbst aufzubauen, so es geht.

Für wen ist das Projekt Finca denn ideal und wer sollte lieber die Finger von diesem Abenteuer lassen?

Es kommen nicht viele Menschen für dieses Projekt in Frage. Nur wenige wissen davon und nur für einen Bruchteil dieser Leute kommt unser Projekt in Frage, weil viele ihre Heimat aus verständlichen Gründen nicht verlassen wollen oder wegen familiärer Bindungen nicht verlassen können. Andere verfügen nicht über die finanziellen Mittel und wiederum andere bezeichnen uns als Spinner.

Aber wir haben ja auch nicht viel Platz. Prinzipiell komen alle in Frage, die sich praktisch betätigen wollen. Was sie im Gepäck haben sollten, ist eine Portion Optimismus.

Vielen Dank für das Interview.

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6 Kommentare

  1. am 28. August 2010 um 12:24 1 Martin6078

    Eine sehr interessante Sache, die jeder Interessierte zumindest in Erwägung ziehen sollte. Vielleicht erst mal eien Probemonat dort verbringen. Gibt es die Möglichkeit auch?

  2. am 28. August 2010 um 21:27 2 Der Reisende

    es kommen wirklich nicht viel in frage.

    keine sozialen und fiannziellen verpflichtungen (Kinder im Schulalter)
    viel Geld, handwerklich geschickt, gesund und optimistisch, spachkentnisse von vorteil.

    Mich nimt es wunder, warum ein so jemand auswandern wollen sollte ?

    aber es gibt ja nicht, was es nicht gibt.

    Was mich wundert, das noch niemand sowas in z.B. Polen auf die beine gestellt hat, ist ja aauch ein 80% Landwirtschaftsland ohne regulierungswahn ?

  3. am 29. August 2010 um 09:13 3 Martin6078

    Guten Morgen
    Aufbauend auf des Reisenden Vorschlag zb Polen sollte man ein Ranking für oder gegen ein potentielles Auswanderungsland starten. Nach Kategorien, Freiheit, Lebensqualität und-Standard,Klima. Wie sind dort in dem jeweilien Land die Eigentumsverhältnisse geregelt? Dazu Medizinische Versorgung, Einwanderungsbestimmungen, usw.
    Wie sieht es dort mit Land- und Immobilienerwerb aus, kann man als Ausländer dort überhaupt kaufen? Wie sieht es mit der jeweiligen Staasbürgerschaft aus. Welche Rechte habe ich dort.
    Dann ist da noch die Frage der persönlichen Ausrichtung, bin ich ein Weichei oder ein knallharter Rochen. In welches Land passe ich am besten. Welche Mentalität und Lebensphilosophie kommt der Meinen am Nächsten.
    Hat das Land Regulierungswahn oder kann ich auf meinem Land schalten und walten wie ich will. Darf ich Waffen besitzen oder muß ich eine Wasserpistole anmelden?! Ist eine Demokratie vorhanden, oder ist es nur eine Fassade. Dazu gibt es großen Diskussionsbedarf

  4. am 29. August 2010 um 19:44 4 jimmy

    @martin6078: sehr gute idee !

  5. am 31. August 2010 um 09:14 5 Rolling Stone

    Ich finds klasse, was die Aktiven da auf die Beine stellen. Erinnert mich stark an ein Projekt aus dem letzten Jahr in Kanada – welches dann kleider nicht funktionierte, da die Interessenten nicht vorhanden waren und andere Probleme vordergruendig wurden…

    Und ich wuerde sofort mit einsteigen – waeren da nicht die Restriktionen wie Familie, Familie oder Familie. Und doch…vielleicht gibts ja eine Moeglichkeit, sich das Ganze anzuschauen…und auf die kommende Zeit doch noch einzusteigen.

    Jedenfalls herzlichen Dank fuer den Bericht…er hat mich wieder ermuntert, nachzudenken ueber Alternativen…wie du bereits in deiner Mail gewarnt hattest!

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