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Hinterher sind immer alle schlauer – Warnungen vor der Krise werden ignoriert

Von Wahrheiten.org am 16. Oktober 2009 | Kategorie Krise

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© DagmaramgaD / PIXELIO

Auf die Krisenpropheten hört keiner, aber hinterher sagen alle “das haben wir vorausgesehen”. Sowas lässt sich immer irgendwie hindrehen, v.a. bei den Massenmedien und der Politik.

Dazu kommt, dass der normale Bürger ein extrem schwaches Kurzzeitgedächtnis hat und einen noch viel schlechteren Langzeitspeicher. Egal, was welcher Experte hinterher behauptet – kaum einer merkt, dass er angelogen wird.

Man kann solche Wendehälse danach eigentlich nur noch zu einem gebrauchen: als Ventilator.

Ausgerechnet die supermanipulative tagesschau veröffentlichte am 15.10.2009 ein Interview zum Thema “Keiner wollte Warnungen vor der Krise hören“. Im Interview war der Politikwissenschaftler und Publizist Stefan Frank, der im April 2009 sein neues Buch “Die Weltvernichtungsmaschine – Vom Kreditboom zur Wirtschaftskrise” herausbrachte.

Während gleichzeitig weiter oben auf der Website der tagesschau in einem Aufmacher die Rede ist von “Wirtschaftsforscher erwarten wieder Wachstum”, steht das Interview mit Stefan Frank als krasses Gegenteil dazu – man könnte aufgrund seiner Antworten durchaus behaupten, “er ist einer von uns” und darf öffentlich die Wahrheit sagen:

tagesschau.de: Jetzt wird viel Geld in die Hand genommen, um die Krise zu bewältigen. Wie bewerten Sie dieses Konzept?

Frank: Die Regierungen sollten aufhören, Geld nutzlos zu verpulvern. Die Krise der Wirtschaft besteht darin, dass sie sich an neue Bedingungen anpassen muss. Die Zeit der “Bubble-Economy” ist vorbei, von nun an wird die Nachfrage sich wieder an den tatsächlich vorhandenen Ersparnissen ausrichten müssen statt an einer immer weiter wachsenden Verschuldung der Konsumenten. Dieser Anpassungsprozess wird durch Maßnahmen wie die Abwrackprämie verlangsamt: Ihr Ziel ist es ja, Verbraucher durch den Kauf eines Autos in Schulden zu treiben. Und durch die Verschrottung fahrtüchtiger Autos wird Wohlstand vernichtet, nicht geschaffen.

Knallhart auf den Punkt gebracht und gleich mehrere Fakten auf einmal:

  • Schluss mit den Blasen. Geld aus dem Nichts ist ja schon schlimm genug, aber Geld aus Geld mit der Zinseszinsproblematik zwang die Wirtschaft dazu, immer mehr zu produzieren und immer mehr Umsatz und Gewinn zu machen.
  • Damit das überhaupt funktionierte und der Absatz groß genug werden konnte, wurde Kredit für Konsumgüter im großen Stil salonfähig. In naher Zukunft werden Privatpersonen jedoch keine Konsumgüter mehr auf Kredit kaufen können, sondern nur noch gegen Bares – welchen Namen auch immer unser zukünftiges Geld haben wird.
  • Die Verschuldung der Konsumenten wird verschwinden, leider auch zeitgleich deren Ersparnisse, Besitz und Vermögen.
  • Um des Systemerhalts Willen werden echte Werte gegen neue Schulden eingetauscht – eine wahnwitzige Zerstörung unseres Systems, denn die Folgen kommen zwar später zum Tragen, werden sich aber viel drastischer auswirken.

Anhand der folgenden Frage wird schon sofort klar, welche Denkweise der tagesschau-Interviewer Patrick Gensing als systemkonformer Vertreter vertritt:

tagesschau.de: Doch wenn der Staat Geld investiert und Banken wie die HRE verstaatlicht – dann hat er auch etwas in der Hand.

Frank: Der Staat übernimmt solche Banken, um die Schulden zu verwalten. Er gibt viel Geld aus für Verpflichtungen, aber nicht für echte Werte. Wenn der Staat beispielsweise die Stromkonzerne wieder verstaatlichen würde, hätte er sich Werte und zukünftige Einnahmen gesichert. Bei der HRE ist er aber Konkursverwalter. Für den Steuerzahler ergeben sich keine Gewinne in der Zukunft, sondern unkalkulierbare Risiken.

Nun, die meisten Menschen sind fest davon überzeugt, dass die tagesschau-Macher ihre Zuschauer bestimmt nicht anlügen würden bzw. sie vom seriösesten Nachrichtenmagazin des BRD-Fernsehens immer nur die echten Wahrheiten hören. Auch die tagesschau-Redakteure und zuarbeitenden Journalisten sind sicherlich derselben Ansicht. Man darf dem sogenannten “Fußvolk” keine böse Absicht unterstellen, denn diese Menschen werden ja genauso dumm gehalten wie man es mit uns Zuschauern getan hat bzw. tut. Das gilt natürlich für alle Nachrichtenmagazine.

Dieser Umstand bewirkt, dass in der öffentlichen Meinung über die “HRE-Rettung” durch die BRD-Regierung keinesfalls davon ausgegangen wird, was für ein riesengroßer Mist hier betrieben wird. Es werden nämlich keine Investitionen getätigt, indem sich unser “Staat” an einer Privatbank wie der HRE durch Verstaatlichung beteiligt, sondern es handelt sich um pure Geldvernichtung.

Wie Stefan Frank richtig sagt, ist das ein reines Drauflegegeschäft, ein Fass ohne Boden, für die Bürger. Doch da die meisten Menschen gar nicht wissen, was hinter unserem Geldsystem steckt, können sie nicht einmal erahnen, was diese Verstaatlichung für ein Wahnsinn ist. Schon durch die Übernahme einer einzigen großen Bank, könnte die BRD hopps gehen, ab in den Staatsbankrott. Mal sehen, ob es soweit kommt und wann es soweit sein wird.

Es ist natürlich fraglich, wie ernst der durchschnittliche tagesschau-Zuschauer dieses Interview nimmt. Da eben zeitgleich im selben Medium vom großen Aufschwung die Rede ist und auch schon seit Monaten darauf hingefiebert wurde – im Herbst geht es wieder aufwärts – muss man davon ausgehen, dass diese gegenpolige Darstellung bewusst gewählt wurde, um die Thematik ins Lächerliche zu ziehen. Zumindest steht diese Aussage ziemlich alleine im Raum, womit der 33jährige Frank als unerfahrener Schwarzmaler abgestempelt werden könnte.

Stefan Frank gibt sich jedoch sehr souverän und fachkundig, zumindest kann ihm niemand “Verschwörungsdenken” anhängen. Dass dem tagesschau-Redakteur Gensing die Antworten von Frank nicht gefallen, sieht man an folgender Frage:

tagesschau.de: Sie schreiben unter anderem für die linke Monatszeitschrift “konkret” – und kritisieren den Keynesianismus. Sicherlich erhalten Sie für ihre Analysen nicht nur Beifall.

Frank: Viele Vertreter der akademischen und gewerkschaftlichen Linken meinen, dass Rezessionen dadurch behoben werden könnten, dass die Notenbank viel billiges Geld zur Verfügung stellt und der Staat sich noch stärker verschuldet. Ideologisch treffen sie sich da mit Alan Greenspan und George W. Bush – denn das ist ja gerade die Politik, die in den USA seit 2001 praktiziert wurde, mit den bekannten Folgen.

“Sicherlich erhalten Sie… nicht nur Beifall”. Warum sicherlich? Weil diese ungewohnten Aussagen ein Funken zuviel Wahrheit für einen unterwürfig denkenden Mainstream-Redakteur sind, der damit möglicherweise ausdrücken möchte, dass Franks Antworten hoffentlich nicht wahr sind?

So kriegen Sie das Land kaputt! Selbstzerstörung - Aber richtig!

7 Lektionen schwarzer Humor über die Selbstvernichtung Deutschlands durch die eigene Staatsgewalt! Innerhalb nur einer Generation ist es einer kleinen Clique von Parteibonzen und Funktionären gelungen, Deutschland für Generationen zu verschulden, die Demokratie mit Hilfe der EU weitgehend einzuschränken, das Verfassungsrecht bis zur Unkenntlichkeit zu verdrehen und durch eine wahnwitzige Ansiedlungspolitik den inneren Frieden erkennbar zu gefährden.

Zum Buch

Auf die Frage, wie es mit der Krise weitergehen wird, antwortete Stefan Frank:

Die Arbeitslosigkeit steigt weltweit, die deutschen Exporte sind deutlich gefallen, das US-Haushaltsdefizit hat sich verdreifacht. Zudem haben die Notenbanken so viel Geld in die Märkte gepumpt, dass sie sich eine Rückkehr des Wachstums eigentlich gar nicht wünschen können, weil es dann zu einer Inflation käme, die die der 1970iger noch weit übersteigen würde. Die gigantischen Gelddruckprogramme werden das Vertrauen in die Währungen erschüttern.

Au weia, da wäre ja fast der Begriff Hyperinflation gefallen – oder ist er vielleicht sogar gefallen? Was denkt sich wohl ein gutgläubiger Bürger bei so einer Behauptung? Woher will Frank wissen, wieviel Geld die Notenbanken gedruckt haben?

Eher wahrscheinlich ist, dass die wenigsten überhaupt den Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation kennen. Ohne dieses Grundverständnis ist hier jegliche Form von öffentlicher Auflärung sinnlos, die Menschen werden nicht einmal richtig zuhören, weil sie keinen Sinn in diesen Aussagen erkennen können.

Es würde auch bestimmt kein Zuschauer erwarten, dass er von der tagesschau zum Selbstdenken angeregt würde, das wäre ja ein absolutes Novum. Die Nachrichtensendungen denken doch bereits für ihr Publikum mit, damit sich dieses zwischen Chips und Bier auf dem Sofa nicht auch noch am Kopf kratzen muss.

Jemand der sein Leben lang davon ausging, dass ihm das Fernsehen – insbesondere das öffentlich-rechtliche “Qualitätsprogramm” – keine Lügen auftischen wird, der kommt im Traum nicht auf die Idee, Nachrichteninhalte in Frage zu stellen. Wenn Politiker zitiert und gezeigt werden, dann weiß natürlich jeder, hier wird jetzt gelogen.

Dass aber auch der Rahmen, also der Schnitt eines Interviews, erheblichen Einfluss auf die Information haben kann, wird kaum wahrgenommen. Gespräche zwischen tagesschau-Zuschauern laufen eher so ab:

Das ist schon schlimm, dass diese Terroristen in Afghanistan Terroranschläge in der BRD planen. Warum schicken die Amerikaner denn nicht noch mehr Soldaten dorthin, damit endlich die Taliban mit ihren Teppichmessern besiegt werden?

Und wohl kaum so:

Glaubst Du wirklich, dass das Terroristen sind, gegen die da gekämpft wird? Könnte es nicht um Öl gehen oder um die Anzettelung eines großen Krieges zwischen den Anrainern dort? Ich glaube, die Nachrichten lügen.

Schön wärs. Dabei ist mit diesem Interview tatsächlich widerlegt, dass die tagesschau nur einseitig berichtet. Rein formal betrachtet haben sie gleichzeitig beide Seiten dargestellt, einmal Aufschwung und einmal drastische Aussichten auf eine Verschlimmerung der Krise. Allerdings wie diese beiden Seiten dargestellt werden, ist eben nicht gleichwertig.

Frank beschreibt die Zukunft der Krise noch wie folgt weiter:

Der Goldpreis, der auf über 1000 Dollar gestiegen ist, ist ein Omen. Die Rezession ist längst nicht zu Ende. Der Boom wurde von einer exzessiven Verschuldung gespeist, und diese Schulden müssen nun zurückgezahlt werden, während gleichzeitig die Einkommen zurückgehen.

Ein jeder, der etwas Kopfrechnen kann, merkt hier, das kann doch niemals funktionieren. Nein, es genügt eigentlich schon der gesunde Menschenverstand – inzwischen eine echte Rarität in den Köpfen der Bürger – der hellhörig machen müsste: Wie sollen denn diese immer höheren Schulden bei immer weniger Einkommen zurückgezahlt werden?

Naja, wenn das den Zuschauer konkret selbst betreffen würde, dann würde er wahrscheinlich kapieren, dass das so nicht funktionieren kann. Wir sprechen hier jedoch vom Staat, da läuft das mit den Schulden nicht so ab, denn sonst würden unsere Politiker bestimmt anders handeln. Die sind doch nicht blöd, oder?

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48 Kommentare

  1. am 18. Oktober 2009 um 21:27 46 Christoph

    An der Börse, die meiner Meinung nach, nur ein Spielcasino der Superreichen ist, wird NICHT mit Geld gehandelt. Es wird gewettet und zwar auf die zukünftige wirtschaftliche Leistung der dort gelisteten Unternehmen. Also heißt das doch, sollte ich mich nicht irren, dass dort die zukünftige Arbeitsleistung der Menschheit verspekuliert wird. Die Einheit für die Arbeitsleistung ist $proStunde. Das lässt die Diskussion über den Mindestlohn in einem ganz neuen Licht erscheinen, nicht wahr?
    Ich bin natürlich kein Wirtschaftexperte aber ich kann lesen und mache mir so meine Gedanken.
    So billiger Ihr seid umso wertvoller sind die Produkte, die Ihr herstellt, bzw. die Gewinnspanne ist höher. Es geht nicht darum, dass sich die Firmen vernünftige Löhne nicht leisten können, sondern es geht allein um die Dividende der Aktionäre. Ihr seid nur Arbeitsvieh, sich selbst versorgende Arbeitssklaven. Seid Ihr nicht willig, oder fordert Arbeitsrechte, dann verleirt Ihr Euren Job Aufgrund einer Frikadelle.

  2. am 18. Oktober 2009 um 23:39 47 Otto Sturhahn

    45
    Die Reichen Zaren haben es leider noch nicht begriffen, das man selbst wenn man Sklaven als Arbeiter hat und ueber all nur Sklaven sind, das man auch die produzierten Gueter verkaufen muss. Wo will man denn diese Gueter verkaufen, wenn so viele Leute kein Geld zum kaufen haben. So muss also zwangsmaessig der Reiche sich mit weniger zufrieden geben. Im Verhaeltniss ist ein Reiche dann nie reicher, als der Arme arm ist. So waehre der Reiche besser beraten, den Arbeiter so gut wie moeglich zu bezahlen.
    So ist es auch mit jedem Regierungs system. Je grosser die Buerokratie, je mehr Geld muss durch Steuern herangeschaft werden. Hier muss sich also auch die Regierung Geld leihen, damit man die Buerokratie bezahlen kann. So muessen Zwangslauefig die Loehne hoeher werden, damit die Empfaenger der Loehne mehr Steuern zahlen koennen. Zum Schluss bleibt dem Volke nichts anderes uebrig, als die ganze Obrigkeit aufzuhaengen, damit alles wieder neu verteilt werden kann.

  3. am 19. Oktober 2009 um 10:28 48 Christoph

    “So waehre der Reiche besser beraten, den Arbeiter so gut wie moeglich zu bezahlen.”

    Weisheit ist mit Geld nicht zu bezahlen und man kann sie auch nicht kaufen. Denn das ist der wirkliche Reichtum der Menschheit ;D

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