Tankstelle Urlaub – gerade auch in Krisenzeiten wichtig

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© cdotzauer / PIXELIO

Zwei Wochen Alkoholexzess auf Mallorca und die kaputte Welt ist wieder in Ordnung? Na, wenn das so einfach ginge, dann würde die Insel diesen Sommer wohl wegen Überfüllung im Meer versinken.

Doch ganz nüchtern betrachtet: Warum sollte Urlaub nur den Schafen vergönnt sein, warum sollten sich nur die Systemkonformen erholen dürfen von der täglichen medialen Vergewaltigung?

Selbst beim Einkaufen bleibt man heute ja nicht mehr verschont vor der Propaganda. Wer sich im Supermarkt aufhält und genau hinhört, der vernimmt nicht selten Radiomusik und auch Nachrichten des jeweiligen Senders über die Lautsprecher.

Dass einem dann beim Vollpacken des Einkaufswagens die 100 € teure Salat-Kristallschale zu Boden fällt verwundert nicht und der Betrag ist auch lächerlich im Vergleich zu der Meldung, dass nur 400 Milliarden Euro nötig sind, um ca. 15% der Europäer mit Solarstrom aus der Sahara zu versorgen.

Was ein schwachsinniger Wahnsinn. Im Grunde warten wir in solchen Momenten doch nur darauf, dass die anderen Einkaufssklaven in lauten Protest einstimmen und die Mehltüten durch die Luft wirbeln. Aber nein, alles bleibt ruhig und fühlt sich gut beim Gedanken an den ökologischen Irrsinn, den natürlich kaum jemand durchschaut.

Hier muss man einfach flüchten, ganz weit weg oder zumindest so weit, dass man die Medien nicht mehr versteht. Es ist verblüffend, welche Auswirkungen es hat, wenn man weder Telefon noch Internet zur Verfügung hat und die Welt sich wider Erwarten immer weiter und immer weiter dreht. Kein Knall, kein Bumm, kein gar nichts.

Wie jetzt, wir sollen die Augen und Ohren schließen? Warum denn nicht. Wer was zu Essen im Keller hat – es reichen sicherlich Vorräte für wenige Wochen – und Haus und Hof ohne Schulden zurücklassen kann, der darf sich auch als aufgewachter Mensch einige Tage Auszeit gönnen, ohne gleich ein schlechtes Gewissen bekommen zu müssen.

Sowohl das Chaos als auch das manipulierte Leben funktionieren wunderbar weiter, selbst wenn sich einige der gut Informierten mal für Tage oder gar wenige Wochen aus dem System ausklinken. Für die meisten dieser unter ständigem Stress stehenden Menschen ändert sich auf diese Weise die Sicht der Dinge – die Lage bleibt freilich dieselbe. Aber warum nicht mit etwas Abstand einen anderen Blick erhalten?

Es muss auch gar nicht gleich ein fetter Urlaub sein, es genügen schon andere Dinge, seien es Schicksalsschläge, geistliche Erkenntnis oder ein neuer Lebensabschnitt durch verschiedenste Änderungen des persönlichen Umfeldes, um erzwungenermaßen eine andere Sichtweise zu erhalten. Manch bohrendes Problem kann sich so in Luft auflösen.

Die erfahrenen Aufgeklärten freilich kennen dieses Gefühl sowieso schon, sie brauchen keinen Urlaub dafür. Aber die Neulinge widmen sich häufig vollständig Tag und Nacht den neuen Erkenntnissen und den notwenigerweise darauf aufbauenden Folgeschritten.

Das ist sicher wichtig, denn zunächst muss jeder für sich den Wahnsinn erst einmal verarbeiten. Aber wieviele finden dann hier nicht mehr alleine heraus und verrennen sich, riskieren den Verlust von Partnern oder Familie und Freunden. Alleine gutes Zureden nützt wenig, die Menschen mit dem Gefühl “Land unter” brauchen die Selbsterkenntnis. Genauso wie die Aufklärung bei jedem selbst wirken muss, klappt auch das Zurücknehmen nur freiwillig.

Alles leicht gesagt, natürlich. Gerade in einer Zeit, in der sich die Ereignisse bereits überschlagen und wo wir vor noch viel größeren, finalen Änderungen stehen. Jeder muss sein Leben selbst in Ordnung halten, sich physisch vorbereiten, wenn er sich damit besser fühlt. Doch danach ist neben der breiten Aufklärung auch persönliche Erholung wichtig.

Diese funktioniert jedoch nur, wenn man sich entweder mit starkem Willen selbst unter Kontrolle halten kann oder eben die äußeren Umstände einen dazu zwingen. Ein Freund war neulich für zwei Wochen in Urlaub in einer Region, die internetmäßig ziemlich abgeschnitten ist. Er hatte außer seiner Grundeinstellung das erdrückende Tagesgeschehen der hiesigen Heimat vergessen – gezwungenermaßen zwar, aber er konnte sich auf ganz andere Dinge konzentrieren, tollste Ideen ersinnen und sich stundenlang mit Freunden unterhalten.

Doch dann fand er die Gelegenheit, in einem Restaurant den kostenlosen Internetzugang zu nutzen und eine seiner Lieblings-Aufklärungsseiten zu besuchen. Der Abend war für ihn gelaufen. Die geballte Infoflut erschlug ihn, sodass er das Gefühl bekam, offenbar ziemlich viel verpasst zu haben in den Tagen ohne Internet. Was lernen wir daraus? Das Internet sollte entweder abgeschaltet oder vollständig von solchen Aufklärungsseiten befreit werden.

Scherz beiseite, es ist tatsächlich kontraproduktiv, die durchaus belastende Dauerberieselung durch systemkritische Informationen immer und ständig zuzulassen, insbesondere in Situationen, die man für das Auftanken nutzen kann. Auch wir geplagten Verschwörungsfuzzies brauchen einmal eine Auszeit, um danach wieder richtig loslegen und neue Spinnereien der Regierungen ertragen zu können. 365 Tage rund um die Uhr erträgt das kein normaler Mensch – zum Glück sind wir nicht normal.

Aufklärung ist wichtig, keine Frage. Es geht immerhin ums Überleben, im Grunde auch gar nicht nur um selbiges auf dieser Erde, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Wenn Aufklärung jedoch zum einzigen Lebenszweck wird, dann werden viele Aufklärer unglaubwürdig, denn wozu sich aufklären lassen, wenn danach das Leben nur noch aus dem Hausieren mit diesen Informationen besteht? Wer will schon nur noch wie ein Zeuge Jehovas leben und von Tür zu Tür rennen – ohne jetzt diesen Menschen zu nahe treten zu wollen.

Gemeint ist damit natürlich nicht, jetzt stattdessen das Spiel der Schafe mitzuspielen, zumindest nicht als grundsätzliche Einstellung. Vielleicht in manchen Situationen, denn wenn ein Vertreter sein Produkt verkaufen will, muss er zunächst ja auch das Vertrauen seiner Kunden gewinnen. Also warum nicht auch zu Beginn ein bisschen Schaf spielen, wenn man dadurch am Ende wieder ein Schaf aufwecken kann?

Manch einer kann durch das Verändern der persönlichen Perspektive seinen Blick korrigieren und vom geänderten Blickwinkel aus mit einer neuen oder angepassten Strategie viel stressfreier weitermachen. Vielleicht sogar mit weniger Energie, denn Aufklärung kostet Zeit und Nerven und diese immer knappen Ressourcen wollen möglichst effizienz eingesetzt sein.

Wie sieht ein typischer Urlaub für Verschwörungstheoretiker aus?

Zunächst ist mal ein längerer Flug ein Muss, denn dann kann die Zeit in der Luft dazu genutzt werden, nach Chemtrail-Chemikalien an Bord Ausschau zu halten und die Piloten mit Fragen diesbezüglich zu löchern.

Am Ziel angekommen werden die fünf größten örtlichen Tageszeitungen gekauft und nach den üblichen verdächtigen Stichwörtern durchkämmt. Während Ihre Partnerin den Strand begutachtet durchsuchen Sie das Hotelzimmer nach versteckten Kameras und Wanzen.

Vor der ersten Mahlzeit verschaffen Sie sich Zutritt zum Hotelrestaurant und dort zum Kühlhaus bzw. Vorratsraum, um alle Lebensmittel nach Gen-manipulierten Zusätzen zu prüfen.

Am nächsten Morgen zwingen Sie die Empfangsdame dazu, in jedes Schlüsselfach der anderen Gäste einen Infoflyer zum Thema 9/11 zu legen. Anschließend wandern Sie den Strand der anderen Hotels ab und verteilen die restlichen Flyer.

Schon am nächsten Tag erwarten Sie in der Hotellobby zwei Herren in schwarz, die Sie und Ihre höchst erfreute Begleitung zurück zum Flughafen bringen, wo dieselbe Flugzeug-Crew wie beim Hinflug auf Sie wartet. Allerdings sitzt nicht Ihre Frau, sondern ein finster dreinblickender Uniformierter den ganzen Flug neben Ihnen, die erneute Suche nach Chemikalien bleibt Ihnen leider verwehrt.

Nun, man kann Urlaub so oder so machen. Nutzen Sie die Gelegenheit einfach, um auch mal die größten Verschwörungen ruhen zu lassen. Nach Ihrer Rückkehr haben Sie vielleicht einen neuen Blickwinkel gewonnen, der Ihre Neven länger schont. Und keine Sorge: Zwei oder selbst drei Wochen reichen nicht aus, um durch massivste Urlaubsgehirnwäsche wieder “dumm” zu werden.

neulich
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Literatur zum Thema Gedanken

26 Kommentare

  1. am 18. Juli 2009 um 20:22 26 Sarsura

    Auch heute gibt es noch relativ preiswerte Urlaubsorte – natürlich muss man als Familie wesentlich mehr einplanen.

    Urlaub dient der Erholung und deshalb schwöre ich auf Individualreisen, obwohl auch ich dieses Jahr einen Pauschalurlaub ausprobiert habe- absolut grausam.

    Zu viele Touristen für mich, die sich daneben benehmen.

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