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Ohne Gas kein Spaß – und außerdem saukalt! Gibt es Gas in der Krise?

Von Wahrheiten.org am 7. Januar 2009 | Kategorie Vorsorge

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 | 7.217x gelesen | 2 Kommentare

feuer_und_flamme

© ochsenkuehnpeter / PIXELIO

Bei den derzeitigen Außentemperaturen merkt man erstmal wieder, wie praktisch eine Gasheizung ist.

Ich wollte unsere Heizung eigentlich schon längst verkaufen, denn Dank CO2 wird unser Klima ja in den nächsten wenigen Jahren um bestimmt 20-30 Grad wärmer und dann bekomme ich natürlich nichts mehr für die alte Heizung.

Solange man Gas hat, ist das mit der Heizung auch hervorragend. Aber können wir uns auf eine lückenlose Versorgung in der Krise wirklich verlassen?

Ein Interview mit unserem lokalen Gasversorger zeigt Interessantes.

Das folgende Interview mit Herrn Bernd Dietrich von der thüga Rheinhessen Pfalz wurde am 30.12.2008 geführt:

Wahrheiten.org: Herr Dietrich, wie sieht die Gewährleistung der Gasversorgung im Falle eines überregionalen Stromausfalles aus? Gibt es auch dann Gas, wenn es keinen Strom mehr gibt?

Bernd Dietrich, thüga: Die gesamte Gasregelung läuft mit elektrischen Steueranlagen, d.h. ohne Strom gibt es kein Gas. Dafür gibt es jedoch Notstromsysteme.

Für welchen Ausfallzeitraum sind denn die Notstromsysteme ausgelegt?

Das ist unterschiedlich. Es kommt auf die Größe der Verteileranlagen an und wie die Verfügbarkeitsgarantie gewährleistet wird. Diese ist ja nicht unendlich, d.h. kein Gasversorger hält für jede Übernahmestation irgendwelche Notstromsysteme vor, sondern die müssen ja dann auch geordert werden.

Wenn vereinzelt kleine Regelanlagen ausfallen, bekommen wir momentan vom Stromversorger gesagt, dann und dann machen wir das und können vereinzelt an Regelanlagen überregional einspeisen.

Aber wenn jetzt zum Beispiel alle Anlagen – was ja in der Regel nicht vorkommt – ausfallen, dann wäre das schon eine kleinere Katastrophe.

Die Stromversorger sind selbst natürlich angehalten, das Netz am Laufen zu halten, sonst könnten gegen diese größere Regressforderungen gestellt werden.

Das heißt also, in Normalfall arbeitet die thüga mit Batterien und Notstromaggregaten an den Gasregel- und -verteilanlagen?

Richtig, mit Notstromaggregaten.

Welche Systeme benötigen denn eine Stromversorgung zum Betrieb?

In Gas-Regelanlagen wird einiges elektrisch geregelt. Auch z.B. die Heizanlagen werden elektrisch betrieben, das Gas wird ja auf Temperatur gebracht. Und die Übernahmestationen laufen nur, wenn sie Strom zur Verfügung haben.

Gibt es für einen größeren und längeren Stromausfall eine Art Notfall- oder einen Katastrophenplan?

Nein, gibt es im Prinzip nicht. Aber wenn irgendetwas großes passieren würde, dann würde das Ganze über das Notfallmanagement gesteuert, bei dem mehrere Versorger der Bereiche Gas, Strom und Wasser zusammenarbeiten. Das liefe sicherlich schon als kleinere „Katastrophe“.

Besteht die Möglichkeit, dass bei Ausfall überregionaler Gasverteilersysteme in einen regionalen Verteiler Gas eingespeist wird, was beispielsweise per LKW als Flüssiggas antransportiert wird?

Grundsätzlich kann verflüssigtes Erdgas eingespeist werden, aber für kurze Ausfälle ist der Aufwand viel zu hoch, bis alle Umbauten entsprechend vorgenommen worden sind.

Zudem gibt es nicht sehr viele geeignete Transportfahrzeuge und -unternehmen in Deutschland.

Im großen Stil kann man damit wohl keine Gasversorgung aufrecht erhalten?

Wir haben das mal im kleinen Stil vor vielen Jahren verwirklicht. Damals wurde uns ein Leitungsschaden zugefügt und wir mussten den Leitungsabschnitt vom Vorlieferanten trennen.

Drei betroffene Ortschaften haben wir über eine Verteileranlage mit verflüssigtem Erdgas versorgt, bis der Schaden wieder repariert war.

Prinzipiell würde eine solche Alternativversorgung also funktionieren?

Wenn halbe Regionen ausfallen, dann wird es sehr schwierig. Aber dazu müsste ja schon fast eine Atombombe fallen, was ja eigentlich kein denkbares Szenario ist.

Welche Abhängigkeiten vom Gas gibt es denn außer den Privatverbrauchern noch, beispielsweise Fernheizungen oder Schwimmbäder?

Gas wird im Wesentlichen zum Kochen und Heizen verwendet.

Gibt es für Katastrophen- oder Ernstfälle Erfahrungswerte aus Übungen oder Simulationen?

Wüsste ich jetzt nicht.

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Für den Fall, dass die Mitarbeiter des örtlichen Gasversorgungsbetriebs nicht zur Arbeit erscheinen, sei es durch Unwetter oder aus Angst, das eigene Haus zu verlasen, wie lange funktioniert die Gasversorgung – sofern Strom vorhanden ist – unbeaufsichtigt ohne Personal?

Bei den großen Anlagen ist das gar kein Problem, die laufen heute schon ferngesteuert. Diese werden nur noch sporadisch angefahren.

Inwiefern betrifft es die lokale Gasversorgung, wenn überregional z.B. aus Russland die Gaslieferung stark reduziert oder komplett eingestellt würde?

Wir haben in Europa ein sogenanntes mitteleuropäisches Erdgas-Verbundnetz. Ca. 33% des Gases in der BRD kommen aus Russland. Der Rest ist Nordseegas.

Die Anrainerstaaten der Nordsee – England, Niederlande, Norwegen – könnten im Zweifelsfall dementsprechend den ausgefallenen Teil übernehmen.

Sollte Russland als Gaslieferant ausfallen, bekommen wir hier demnach kein Problem?

Diese Frage bekommen wir häufig gestellt. Aber der Russe ist in seiner Geschichte noch nie vertragsbrüchig geworden, hat im eigenen Land investiert und ist natürlich auf die Devisen angewiesen. Daher wird Russland sich das gut überlegen.

Wird Gas in der BRD im größeren Stil bevorratet oder gespeichert?

Nein, wird es eigentlich nicht. Wir haben vereinzelte Erdgasfelder im norddeutschen Raum und kleinere im bayerischen Raum. Das ist aber eher zu vernachlässigen. Das Gas wird quasi direkt von der Gewinnung bis zum Hausanschluss transportiert.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein, halten Sie es für denkbar, dass wir aufgrund der wirtschaftlichen Turbulenzen einen Ausfall der Gasversorgung durch einen längeren Stromausfall in 2009 befürchten müssen, z.B. weil die Währung zusammenbricht?

Nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass da irgendwas mit der Versorgung passiert. Eher wird es vorkommen, dass Kunden ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Weil wenn die Währung zusammenbricht, dann haben sie kein Geld mehr, um Gas für die Heizung zu bezahlen.

Da wird dann eher wieder ein Ofen gekauft – wenn nicht noch einer vorhanden ist – und mit Holz geheizt. Die größere Gefahr sehe ich wirklich eher darin, dass der Kunde nicht mehr bezahlen kann.

Möchten Sie von Ihrer Seite aus noch etwas der Vollständigkeit halber ergänzen?

Ich kann Ihnen eine Internetseite empfehlen. Das was ich Ihnen jetzt kurz erzählt habe können Sie bei EON vertiefen. Dort gibt es Grafiken und Tabellen, welche den Gasabsatz pro Jahr darstellen sowie Karten von Europa und der Welt, die noch detailliertere Daten beinhalten.

Vielen Dank für das Interview.

Danke gleichfalls.

Da haben wirs. Ein längerer und größerer Stromausfall und schon gibts auch kein Gas mehr. Denn die Aggregate sind offenbar nicht überall vorhanden, sondern werden wohl erst bei Bedarf schnell vor Ort gebracht. Außerdem sind die Tanks der Aggregate natürlich auch irgendwann leer.

Herr Dietrich sagte es ja schon: Zur Not kommt der Holzofen wieder zum Einsatz, sofern das möglich ist. Es ist insofern sicher schlau, wenn Sie sich nicht 100% abhängig vom Erdgas machen.

Allerdings ist auch klar, dass ein Holzofen bei Bedarf höchstens 1-2 Räume beheizen kann. Man müsste schon in mehreren Zimmern einen Ofen installieren und auch das nötige Brennholz vorrätig halten. Warmes Wasser aus der Zentralheizung ist damit aber nicht möglich.

Es ist gut zu wissen, was im schlimmsten Fall auf uns zukommen könnte. Ein längerer Stromausfall ist grundsätzlich fatal, weil eben einfach fast alles mit Elektrizität funktioniert – oder eben nicht. Behalten Sie das im Hinterkopf, damit Sie sich nicht wundern, falls es so kommen sollte und ergreifen Sie geeignete Maßnahmen zur Vorsorge.

Denn satt und warm hungert und friert es sich bedeutend leichter.

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2 Kommentare

  1. am 7. Januar 2009 um 23:16 1 2Gene weniger als der Bonobo

    Angst macht unfähig zum logischen Denken. Uralte Psychowahrheit.
    Nun haben alle Angst vor Kälte und halten ihr Maul.
    “Voran mit den Kriegsspielen”, ruft nun die Kriegsindustrie, sonst gibt es eine kalte Wohnung.
    Sublimierte Botschaften.

    Die öffentlichen Medien schreien nach einem anderen Thema.
    Nur nicht über Gaza berichten.

    Die Russen brauchen unsere Knete für ihren Luxus und hier in Deutschland braucht sich doch keiner Sorgen wegen Kälte machen. Alles inszeniert.

  2. am 8. Januar 2009 um 02:43 2 Lohmann

    Dann heisst die nächste Frage: Wie wahrscheinlich ist ein langer, flächendeckender Stromausfall?

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